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Zehn Maximen für gute Vermögensverwaltung

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Die Frage, die sich Family Offices immer wieder stellen müssen: „Ist meine Vermögensverwaltung gut genug?"

Genügt sie den Ansprüchen, die im Folgenden in Form von zehn Maximen formuliert sind?

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Die Zehn Maximen für gute Vermögensverwaltung sind speziell für Single Family Offices und Multi Family Offices von Bedeutung, da diese sehr große, komplex strukturierte Vermögen von mindestens 100 Millionen US-Dollar vertreten und höchste Anforderungen an die gewählten Partner (Spezialisten) haben. Die Maximen sind angepasst natürlich auch für Privatinvestoren geeignet.

Die Vermögensverwaltungs- und Strukturbedürfnisse müssen auf die Interessengruppen: „For me, my business or my heirs." - Für mich, mein Geschäft oder meine Familie - ausgerichtet sein. Was die Reihenfolge der Prioritäten angeht ist diese natürlich nicht immer gleich; sie kann und muss sich den Gegebenheiten und Bedürfnissen der Single oder Multi Family Offices anpassen.

Die Offices setzen sehr auf Diskretion und suchen sich die kompetentesten Experten, die auch einen emotionalen Abstand zu Anlageentscheidungen sicherstellen. Dabei versteht es sich von selbst, dass diese gewählten Partner die Bedürfnisse und Strukturen verstehen müssen.

Das Motto der LEGO Gruppe lautet: „Nur das Beste ist gut genug!" Das ist genau das Motto, gemäß dem die Family Offices ihre Partner aussuchen. Es muss auch als Leitbild für die betreffenden Partner dienen.

Sehr wohlhabende Familien wollen nur bedingt und nach ihren eigenen Regeln mit Banken zusammenarbeiten, da eine Bank nicht per se die Experten hat, die den gewünschten Qualifikations- und Unabhängigkeitsansprüchen entsprechen.

Es gibt Family Offices, die ihre Prioritäten dahingehend setzen, dass sie mit ihrem Vermögen (Aktien, Immobilien, Devisen, Rohstoffe, Hedge Fonds, Private Equity, etc.) die bestmögliche Rendite erzielen und den Schwerpunkt deshalb auf Vermögensverwaltung / Wealth Management legen.

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Andere legen den Schwerpunkt auf Strukturbedürfnisse u.a. Cash Flow Management, Controlling (Budget, Kosten, Investitionen, Vermögen), administrative Dienstleistungen, Family Governance, Gesellschaftsstrukturen, Erbschaftsplanung, Nachfolgeregelung, Philanthropie, Steuer- und Rechtsfragen, Betreuung (Kunst, Immobilien, Yachten, Flugzeuge), Reporting, Risikoüberwachung, Vermögensplanung, etc.

Die zwei Bedürfnisse schließen sich nicht aus sondern sind immer unausweichlich miteinander verbunden.

Wenn von Vermögensverwaltung die Rede ist, können die Ansätze der Anlagepolitik je nach Familie andere Formen annehmen.

In der Vermögensverwaltung sind u.a. die Investitionsstrategie, Selektion der Portfoliomanager, die Vermögenskonsolidierung und das Monitoring der Performance integriert. Die meisten Offices bestimmen im voraus ihre optimalen strategischen Anlageallokationen, welche immer auch auf Liquiditäts-, Rendite- und Risikoziele Rücksicht nehmen müssen.

Die folgenden zehn Maximen beziehen sich allein auf Vermögensverwaltungen; ob sie intern oder extern vergeben werden, ist unerheblich. Die Betrachtung von Strukturbedürfnissen bleibt hier außen vor.

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Natürlich gibt es zu diesem Thema eine unendliche Anzahl von Maximen, aber hier sollen nur die wichtigsten Zehn hervorgehoben werden. Mit diesen sollte ein Office - oder auch ein Privatinvestor - prüfen können, ob die internen oder externen Vermögensverwalter die richtigen Einstellungen und Fähigkeiten besitzen, um ein komplex strukturiertes Vermögen zu den gewünschten Zielrenditen zu führen.

Sie dienen damit als Leitbild der Anforderungen eines Family Offices zur Evaluierung und Auswahl der Partner ihrer Anlagestrategien und -interessen.

Hier sind sie.

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Gute Vermögensverwaltung bedeutet:

1. Verlier kein Geld
Dies ist das erste und oberste Gebot. Das Einzige, das noch schwieriger ist, als Geld zu verdienen, ist es, einen Verlust wettzumachen.

Am besten kann man es daran erkennen, wenn man sich einen Verlust von 20 Prozent vorstellt. In dem Fall muss man 25 Prozent vom verbleibenden Vermögen gewinnen, um wieder auf das Ursprungsniveau zu gelangen. Bei einem Verlust von 50 Prozent sind es 100 Prozent.

2. Verdien Geld
Nur mit Performance ist eine Vermögensverwaltung zu betreiben oder ein Mandat möglich.

3. Mit „Leib und Seele"
Partner müssen mit vollem Einsatz und Talent ihr Bestes geben und sich ihrer Verantwortung bewusst sein, dass das Vermögen nicht leicht erwirtschaftet wurde und immer ein Verlustrisiko besteht.

Dazu gehört auch, dass die Partner eine unabhängige Beratung bieten müssen.

4. „Skin in the game"
Das Eigeninteresse, kein Geld zu verlieren, muss ein starker Motivator sein. Mit anderen Worten, ein Misserfolg muss auch schmerzhaft für die Partner bzw. die Spezialisten sein.

5. Fokus
Spezialisierung hilft, das Meiste aus einer Expertise herauszuholen und einen klaren Mehrwert für den Auftraggeber zu schaffen. Dabei müssen sich die Partner durch aussergewöhnliche Professionalität und Know-how auszeichnen.

Das Mandat sollte zurückgegeben werden, wenn die Partner keine Anlage-Opportunitäten innerhalb ihrer Expertise sehen und deshalb das anvertraute Geld keine bessere Verwendung finden kann.

6. Begegne dem Wettbewerb
Der Wettbewerb mit all seinen Höhen und Tiefen hilft allen Beteiligten, eine nötige objektive Beurteilung der Leistungen zu gewährleisten.

Rückschläge sind Teil des Geschäfts. Es stellt sich die Frage, wie damit umzugehen und die Zukunft danach zu gestalten ist.

„Wir können die Karten nicht ändern, die wir bekommen, aber die Art, wie wir sie ausspielen."
- Randy Pausch (1960-2008)

7. „Put the fish on the table"
Es ist besser, als Partner das Telefon zuerst in die Hand zu nehmen - auch wenn es unangenehm ist.

Dann verstehen alle die Situation, und das Family Office kann die weitere Vorgehensweise z.B. die Einhaltung einer einmal eingeschlagenen oder den Wechsel einer Strategie besser beurteilen.

8. Akzeptiere den Druck
Wenn die Partner mit dem Druck nicht umgehen können, sollten sie sich die englische Redewendung in Erinnerung rufen:

„Wer keine Hitze verträgt, hat in der Küche nichts verloren."
- Harry S. Truman (1884 - 1972)

9. Einordnen von Chancen und Risiken
Ohne Risiken einzugehen, gibt es keine Chance einer Rendite; oder anders ausgedrückt: "Ohne Risiko keine Chance."

10. Vergiss nie Punkt 1
"Regel Nr. 1: Verliere niemals Geld. Regel Nr. 2: Vergiss niemals Regel Nr. 1."
- Warren Buffett (1930)

"Keine Frage ist so schwierig zu beantworten wie diejenige, deren Antwort offensichtlich ist."
- George Bernard Shaw (1856-1950)

THE BRAVE STEP Zehn Maximen für gute Vermögensverwaltung (PDF)
THE BRAVE STEP Ten Principles for Good Wealth Management (PDF)