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Don Draper hat mit Steve Jobs viel gemein

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Was haben Don Draper und Steve Jobs gemein und warum ist dies so bedeutsam?

Es sollte für alle die bedeutsam sein, die Apple Inc. Aktien besitzen oder noch kaufen wollen.

Es sollte auch für den CEO von Apple, Tim Cook, bedeutsam sein, falls er die kritischen Stimmen Lügen strafen will, daß Apple die besten Tage hinter sich hat. Es ist an der Zeit, das Tim Cook und sein Team trotz des Erfolges ihres Unternehmens in sich gehen.

Jeder kennt Steve Jobs, Mitgründer und langjähriger CEO von Apple, der am 5. Oktober 2011 verstorben ist. Seine berühmten Mantras waren Fokus und Einfachheit. Aber er war auch ein kreatives Genie und eine visionäre Führungspersönlichkeit.

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Es kennt nicht jeder Don Draper. Er ist wie Steve Jobs ein Marketing-Genie. Er ist der geniale Creative Director bei der New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper & Partners in der viel beachteten und preisgekrönten AMC US-amerikanischen Dramaserie „Mad Men", die sich in der Werbewelt der 60er Jahre abspielt.

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Beide - Werbeagentur Sterling Cooper & Partners und Apple - glauben, daß in ihren jeweiligen Unternehmen, so wie es läuft, alles in Ordnung ist. Ohne die Mitwirkung der Marketing-Genies, Don Draper und Steve Jobs, mit ihren visionären Anlagen ließe sich, so die Überzeugung, die Zukunft ihrer Unternehmen auch so gestalten.

Da Steve Jobs verstorben ist, gab es keine Alternative.

Dagegen ist Don Draper am Leben, nur wird er in seinem alten Unternehmen nicht mehr gebraucht oder erwünscht - Mad Men, Staffel 7, Folge 4, 'The Monolith - unabhängig von seinen genialen Talenten.

Doch beide Männer werden in ihren Unternehmen dringend gebraucht. Beide machten ihre Unternehmen erfolgreich und zu dem, was sie jetzt sind. Beide haben etwas, das man nicht einfach reproduzieren kann, was aber für den Erfolg und die Zukunft eines Unternehmens so wichtig ist.

Don Draper machte seine Werbeunternehmen groß und erfolgreich dadurch, daß er den Kunden fantastische Werbekampagnen lieferte.

Steve Jobs machte Apple groß und erfolgreich dadurch, daß er ganz neue Produktkategorien schuf, wie z.B. iPod, iPhone, iPad und eine intuitive und simple Benutzerführung.

Wenn Unternehmen darin versagen, die Erwartungen des Kunden mindestens zu erreichen oder diese erst gar nicht zu übertreffen, oder, falls sie darin versagen, das zu pflegen, was sie in erster Linie groß und erfolgreich gemacht hat, dann sind sie unausweichlich zum Scheitern verurteilt.

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Apple hat für das erste Quartal 2014 gute Ergebnisse mit starkem Umsatz- und Gewinnwachstum ausgewiesen und verfügt über Bargeldeserven, die sich momentan auf 150 Milliarden US-Dollar belaufen.

Die genehmigte massive Erweiterung des Aktien-Rückkaufprogramms auf über 130 Milliarden US-Dollar, die Erhöhung der jährlichen Dividende und der angekündigte Aktiensplit im Verhältnis 7:1 gelten in erster Linie als sehr aktionärsfreundlich.

Die guten Ergebnisse und die aktionärsfreundlichen Maßnahmen könnten allerdings über die wahren Probleme hinwegtäuschen. Es kann aber auch die Vermutung aufkommen, daß Tim Cook mit den Maßnahmen nur Zeit gewinnen möchte, um sich mit einer neuen Produktkategorie zu etablieren und Apples Zukunftsaussichten weiterhin zu sichern. Was dann aber nicht auf eine baldige bahnbrechende Produktkategorie aus Apples Innovationsküche schließen lässt.

Um die potentiellen Probleme besser zur erläutern, nehmen wir die Metapher eines Wagens, der einen Hügel hinunterfährt.

Wie können wir uns die Ursache für die Geschwindigkeit des rollenden Wagens erklären? Kann die Geschwindigkeit abgesehen von dem Gewicht durch die Neigung der Ebene oder durch eine Kombination von Neigung und Ausgangsgeschwindigkeit erklärt werden?

Analog dazu stellt sich die Frage, ob Apples Erfolge durch die vergangenen strategischen Initiativen erklärt werden können oder durch neue strategische Maßnahmen oder durch eine Kombination beider? Die Antwort kann Licht ins Dunkel bringen, ob Apple weiterhin die Fähigkeit besitzt, in Zukunft starke Ergebnisse zu erzielen und mit großartigen neuen Produktkategorien und Ideen zu glänzen.

Ohne innovative, revolutionäre Produkte wird Apple nur zu einem Auto, das den Hügel hinunterrollt, mit einer noch sehr hohen Geschwindigkeit, aber nichtsdestoweniger mit nicht viel Treibstoff im Tank als Reserve.

The Marke Apple ist immer noch stark, aber wir vermissen Steve Jobs, der seine Kunden und Investoren mit neuen wunderbaren Innovationen aus Cupertino zum Träumen brachte.

Tim Cook sagte zwar in einem Interview gegenüber der Wall Street Journal im Februar 2014, daß Apple noch viele großartige neue Produkte und in diesem Jahr auch neue Produktkategorien vorstellen wird.

The proof is in the pudding", d.h. der Prüfstein, ob sein Versprechen allerdings realisiert wird, muss sich noch zeigen.

Viele Investoren werden sicherlich nicht abwarten, um die Süßspeise Pudding auszuprobieren, oder abwarten, ob und was die neuen Produktkategorien sein werden und wie sich die Neuigkeiten auf die Betriebsergebnisse und die Zukunft von Apple auswirken. Eine alte Börsenweisheit sagt: „buy the rumor, sell the news", also bei Gerüchten kaufen und bei Fakten verkaufen.

Daß Apple laut Medienberichten den Premium-Kopfhörerhersteller Beats Electronics mit rund 3,2 Milliarden US-Dollar kaufen will, ist ein weiteres starkes Indiz, daß das Unternehmen von seinem ursprünglichen visionären Weg seit dem Tod von Steve Jobs abgekommen ist.

Der charismatische Steve Jobs konnte mit seiner fast einer „magischen" Kraft Menschen von seiner Vision überzeugen und viele von uns zu Träumen von einer besseren Zukunft mit großartigen neuen Produkten von Apple verleiten.

Viele glauben, das Tim Cook einen herausragenden Job macht; aber kann er Steve's Job(s) machen?

Tim Cook ist für sein Unternehmen sehr wichtig; aber er braucht auch einen visionären Steve Jobs. Die Wahrheit ist, daß beide einander gebraucht haben. Wie Aristoteles schon gesagt hat: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile."

Jeder ist ersetzbar, so wird behauptet. Allerdings sind außergewöhnliche Menschen mit all ihrer Kreativität nicht so einfach ersetzbar. Eine visionäre Führungskraft, wie es Steve Jobs war, kann für ein Unternehmen wichtiger sein als Produkte oder ihre Technologien.

„Wenn Handlungen andere dazu inspirieren können, mehr zu träumen, mehr zu lernen, mehr zu tun und mehr zu werden, dann ist das Führung."
- John Quincy Adams (1767-1848), sechster Präsident der Vereinigten Staaten

Schlussendlich kommen wir zurück zu der Frage, weshalb die Gemeinsamkeiten von Don Draper und Steve Jobs so von Bedeutung sind.

Man kann die Werbeagentur Sterling Cooper & Partners ohne Don Draper führen. Man kann Apple ohne Steve Jobs führen. Nichtsdestotrotz muss man in beiden Fällen die beiden charismatischen Persönlichkeiten mit jeweils einer Person - mit natürlich eigenem individuellen Führungsstil und Visionen - ersetzen, die das weiterführen können, was die Unternehmen ursprünglich erfolgreich gemacht hat.

Im Falle der Werbeagentur Sterling Cooper & Partners vermissen wir die brillante tiefempfundene kreative Kraft von Don Draper. Dieser Verlust macht sich durch das Ausbleiben der (Werbe-) Awards für die kreativsten Kampagnen bemerkbar. Darüberhinaus wird der Verlust des Kreativitätsvorsprungs auch dazu führen, daß die Kunden sich letztlich nach einer neuen Werbeagentur umschauen werden.

Im Falle von Apple müssen sich die Aktionäre wahrscheinlich nach einem „neuen Apple" umschauen, da man mit den erwähnten aktionärsfreundlichen Maßnahmen eher versucht, die Aktie vor einer nahenden unausweichlichen Korrektur - die eher früher als später zu erwarten ist - zu schützen. Der Fokus des Managements sollte sich daher voll auf innovative bahnbrechende Produkte konzentrieren, das wäre eher im Sinne der Aktionäre und vor allem Steve Jobs.

Der Kurs einer Aktie reflektiert und bewertet nämlich nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft eines Unternehmens. Wenn wir also annehmen, daß Apple seinen Innovationsvorsprung und seine Innovationskraft verloren hat, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Aktienkurs nach unten korrigieren wird.

Vielleicht findet sich die Antwort auf die Frage, wie Apple seine Innovationskraft zurückgewinnen kann und in Zukunft noch relevant bleiben will, in der Steve Jobs Ansprache, die er 2005 vor den Absolventen der Stanford-Universität hielt. Deren letzte Worte sollte sich Tim Cook nochmals zu Herzen nehmen.

„Bleibt hungrig. Bleibt töricht."