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Trump ist Präsident - meine Schüler fühlen sich betrogen

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TEENAGERS
Troy Aossey via Getty Images
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Als ich heute ins Klassenzimmer kam, sah ich meine Schüler, um einen Handbildschirm vereint. Sie schauten sich die Dankesrede von Donald Trump an, dem Mann, der im letzten Jahr durch sexistische, rassistische und menschenfeindliche Aussagen die Weltmedien bestimmt hat und etwa die Hälfte der US-amerikanischen Bevölkerung dazu gebracht hat ihn zu wählen.

Im Januar wird er Präsident der USA und damit einer der mächtigsten Menschen der Welt. Er wird voraussichtlich mehrere Richter des Supreme Courts bestimmen können und er wird Oberbefehlshaber des amerikanischen Militärs.

Schon jetzt berichten amerikanische Lehrer, dass ihre Schüler Angst haben. Angst, deportiert zu werden, beispielsweise, weil sie oder ihre Eltern aus Mexico kommen und keine amerikanischen Papiere haben oder weil sie Muslime sind. Muslimische Schüler wurden beschimpft und angegriffen.

Meine Schüler fühlen sich betrogen. Sie finden, dass ihre Generation mit Entscheidungen leben muss, die von anderen gemacht wurden. Und dass sich die Welt verändert und nationalistische Tendenzen immer stärker werden.

Sie haben im letzten Jahr terroristische Attentate und Kriege medial miterlebt und den Beschluss des britischen Volks, die Europäische Union zu verlassen. Sie haben das Gefühl, dass Europa auseinanderfällt. Sie wurden Zeugen von Trumps Machtübernahme.

Was können wir tun?

Sie erleben den Aufstieg nationalistischer Bewegungen und Parteien. Sie haben Angst vor den Fronten, die sich aufbauen, vor dem "die-gegen-uns-Gefühl, dass überall den Diskurs zu bestimmen scheint.

Wir haben gesprochen. Und sie haben alles analysiert. Sie haben Artikel zitiert und mir dargelegt, welche gesellschaftlichen Entwicklungen dafür verantwortlich sind. Noch vor ein paar Jahren wäre ich auf sie und ihre Analysen sehr stolz gewesen. Und ich hätte das Gespräch mit einem "Ach ja, es ist schlimm!" beendet. Und jetzt lasst uns wieder über etwas anderes sprechen. Es muss ja weitergehen.

Mehr zum Thema: In Amerika haben mit Clinton auch die Medien und Meinungsforscher verloren

Heute habe ich es anders gemacht. Ich fragte: "Was können wir tun?"

Und als Antwort gaben sie mir mehr Analysen und Theorien.

Also fragte ich noch einmal: "Was können wir tun?"

Und sie antworteten mit Schuldzuweisungen und Hoffnungslosigkeit.

Nochmal: "Was können wir tun?"

Dieses Mal erzählten sie mir, was andere Menschen tun könnten: Erwachsene, Künstler, Politiker, ältere Menschen, Aktivisten. Aber nicht sie.

"WAS KÖNNEN WIR TUN?"

Schweigen. Dann hörte man in ihren Köpfen einige Zahnräder schnarren.

Wir müssen etwas tun. Wir werden etwas tun.

Wir müssen den Kindern effektive und friedliche Wege aufzeigen

Die Frage verändert sich zur Aussage, wächst zu Plänen, Ideen und Taten. Es gibt 1,2 Milliarden Schülerinnen und Schüler auf der Welt. Sie müssen lernen, dass ihre Taten einen Einfluss auf die Welt haben. Dass wir nicht "abwarten, wie das wird" mit der Welt, sondern dass wir mitgestalten. Etwas bewegen.

Dass sie gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Sexismus sprechen können. Und wir Erwachsenen müssen ihnen effektive und friedliche Wege aufzeigen, wie sie sich einbringen und etwas bewegen können.

Schon jetzt zeigen wir ihnen in der Schule, wie sie verlässliche Quellen finden, fundierte Recherche betreiben, Hintergrundinformationen aufbereiten. Wir müssen ihnen auch zeigen, wie sie mit Menschen verschiedener Hintergründe und Lebenswelten sprechen, wie sie überzeugen können, mit Fakten und Emotionen, wie sie sich eine begründete Meinung bilden und diese verteidigen können.

Und wie sie HANDELN können. Unsere Arbeit mit den Schülern sollte nicht da aufhören, wo sie ein Thema verstanden haben, wenn sie das Problem erkannt haben und sie es schlimm finden, dass die Welt voller Probleme ist.

Sondern wir sollten - noch mehr als schon jetzt - unseren Schülern helfen, die Welt zu verändern. Und sie fragen: "Was können wir machen? Was können wir noch machen? Und was noch? Und wie machen wir das? Und wie sieht der erste Schritt aus?" Und dann können wir ihnen helfen tatsächlich etwas zu bewegen, Brücken zu bauen, Grenzen zu überwinden und Gutes zu bewirken.

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Meine Schüler haben allererste Ideen gesammelt:

  • Wir können Gespräche mit Menschen, die andere Einstellungen haben, suchen.
  • Wir können überzeugend sprechen, Fakten und Emotionen einbeziehen.
  • Wir können Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten mit einander bekannt machen und so Ängste und Vorurteile abbauen.
  • Wir können selbst Freunde aus unterschiedlichen sozialen Schichten, unterschiedlichen Ländern und Kulturen finden und uns mit ihnen austauschen.
  • Wir können unsere Gefühle ausdrücken, unsere Ängste zeigen.
  • Wir können wählen und andere dazu bewegen zu wählen.
  • Wir können Organisationen oder Parteien finden, die unsere Ideale teilen und diese unterstützen.
  • Wir können Menschen, die Entscheidungskraft haben schreiben und unsere Bedenken und Ideen mitteilen.

Ich möchte mit meinen Schülern weiter überlegen, was wir tun können. Und ihnen dann helfen die Welt, in der sie leben, mitzugestalten, friedlich, wohlüberlegt und effektiv.

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