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Die Integration der Flüchtlinge wird so nicht funktionieren

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INTEGRATION DEUTSCHLAND
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Seit Jahren diskutieren wir in Deutschland über Integration. Ich kann diese Debatte nicht mehr hören. Jeden Tag verbringe ich als Flüchtlingshelfer sechs bis sieben Stunden mit Asylbewerbern - und ich sage: "So kann es nicht weitergehen!"

Man könnte denken die meisten Probleme hätte ich im alltäglichen Umgang mit den Flüchtlingen selbst. Doch in meinem Camp musste ich mich mit einem ganz anderen Gegner rumschlagen: Den offiziellen Behörden.

Mehr zum Thema: Das ist der Grund, warum Integration so oft nicht gelingt

Ich klärte die Flüchtlinge über ihre Rechte auf und man versuchte mich von ihnen fernzuhalten.

Ich begleitete Flüchtlinge zu Wohnungsbesichtigungen und Arztbesuchen, doch man ignorierte sie.

Ich setzte mich für Deutschunterricht ein, doch die Landesregierung strich die dringend benötigen Lehrerstellen.

Wollen wir diese Menschen überhaupt integrieren?

Manchmal frage ich mich: Wollen wir diese Menschen überhaupt richtig integrieren? Oder wollen wir eher zulassen, dass sich weitere Subkulturen bilden?

Es wird endlich Zeit, dass wir rein logisch denken. Vergangenen Sommer haben wir Millionen Menschen in unserem Land Willkommen geheißen. Man sprach von „einer historischen Chance".

Mehr zum Thema: Was ich als Flüchtlingshelfer auf einem Rettungsschiff erlebte

Jetzt erweckt es den Anschein, als ob wir uns diese Chance durch die Lappen gehen lassen. Denn die Rahmenbedingungen zum Ausschöpfen des Potentials existieren nicht. Es fehlt an Geld, an Kapazitäten und an authentischer Hilfsbereitschaft.

Als ehrenamtlicher Sprachlehrer weiß ich: Der Schlüssel zur Integration ist Kommunikation. Zwar stellten Länder wie Sachsen-Anhalt zuletzt 230 Sprachförderlehrer ein, doch der Haken ist, dass ihre Verträge Ende 2016 auslaufen. Neue Verträge sind aus Finanzierungsgründen nicht in Sicht.

So kann Integration nicht funktionieren

Ich frage mich: Wie sollen wir Kinder und Jugendliche an der deutschen Gesellschaft teilhaben lassen, wenn es die Politik nicht mal interessiert, ob sie die Sprache sprechen?

Wie können wir von Flüchtlingen fordern, sich für dieses Land zu engagieren, wenn man ihnen gar keine richtige Perspektive bietet?

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Wir müssen den Menschen, die hier ankommen sofort Zugang zu Bildung verschaffen. Sie brauchen eine Beschäftigung und zwar bevor sie ihren Asylstatus bekommen.

Man zwingt sie zur Faulheit und wundert sich nach zwei Jahren, warum sie plötzlich nicht mehr arbeiten wollen.

Deutschland hat ein riesengroßes Problem

Ich liebe meinen Job. Inzwischen sind die Menschen in den Camps für mich mehr als Schutzsuchende. Es sind Freunde geworden.

Mehr zum Thema: Merkel gesteht Fehler bei der Flüchtlingspolitik ein: "Haben Probleme zu lange ignoriert"

Alles was ich von ihnen und der deutschen Gesellschaft erwarte ist, dass sie sich endlich auf Augenhöhe begegnen.

Politiker, die zuerst sagen "Wir schaffen das", müssen auch fähig sein, Prioritäten zu setzen.

Wir dürfen nicht den Schwanz einziehen. Unser Ziel muss sein "Integration um jeden Preis" - und nicht nur das. Partizipation muss das neue Stichwort sein.

Denn wenn wir diese Menschen nicht an unserer Gesellschaft teilhaben lassen, haben wir schon verloren.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

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