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Frankensteins Car oder Wer hat Angst vor dem autonomen Auto?

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GOOGLE CAR
San Jose Mercury News via Getty Images
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Ein Gespenst hat sich in die Debatte um das künftige selbstfahrende Auto geschlichen: Das Fahrzeug, das über Leben und Tod entscheidet. Medien und Stammtische raunen über "Algorythmen", die im Fall eines Unfalles angeblich bestimmen, wer sterben muss, und wer verschont wird. Doch wenn man sich mit der Technik befasst, die in den geplanten autonomen Autos steckt, lernt man schnell: Das ist Unfug.

Um das "moralische Dilemma" zu skizzieren, in denen künftige Bordcomputer angeblich stecken, kursieren abenteuerliche Szenarien nach den Schema: Auto muss zur Unfallvermeidung ausweichen und hat die Wahl, eine Schulklasse, einen Nobelpreisträger oder einen massiven Brückenpfeiler zu treffen. Wen wird es opfern: Die Kinder, das Genie oder die eigenen Insassen?

Bei solchen Fragen schütteln die Mitarbeiter der Autohersteller entnervt den Kopf: "Diese Überhöhung, als würde die Software zum Gott in der Maschine, ist doch Quatsch", findet etwas Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher bei Daimler, "es ist und bleibt ein technisches System".

Die Horrorstorys über künftige Frankenstein-Cars beruhen auf einem Denkfehler: Sie gehen davon aus, dass die Lenkung, also das Ausweichen, die wichtigste Technik ist, um Unfälle zu vermeiden. Tatsächlich ist es die Bremse. "Droht ein Unfall, wird gebremst", erklärt Mankowsky, "zusätzlich ausweichen wird ein Auto natürlich nur, wenn das nicht reicht, und es freien Platz dafür gibt. Das ist doch völlig klar".

Physik statt Philosophie also. Bei der Unfallverhütung geht es vor allem darum, Tempo abzubauen, um einen Crash zu vermeiden. Oder, sollte das nicht mehr möglich sein, bis zum Aufprall möglichst viel Energie abzubauen. Schon eine Reduktion im Stadtverkehr von 50 auf 30 km/h bedeutet eine erhebliche Entschärfung der Unfallfolgen - in der Regel von Personen- auf Blechschaden.

Dazu kommt, dass in zivilisierten Gesellschaften überall dort, wo sich Autos, Fußgänger und Radler einen Verkehrsraum ("Straße") teilen, die erlaubte Geschwindigkeit seit Jahren deutlich abgesenkt wird - von früher meist 50 km/h auf 30 km/h oder sogar Schritttempo. Da ein Auto im Selbstfahr-Modus natürlich das Limit einhält, werden sich Kollisionen fast immer durch Bremsen vermeiden lassen. Und Ausweich-Manöver zur absoluten Ausnahmen.

Das gilt auch für höheres Tempo auf Autobahnen. Unfall-Risiko erkennen, kräftig bremsen; Ausweichen, wenn überhaupt, nur ins Leere: So sieht der Algorythmus in selbstfahrenden Autos aus. Schlauberger werden jetzt einwenden, dass auch eine Vollbremsung ein Risiko darstellt.
Kann schon sein - aber nur, wenn der Hintermann den Autopiloten ausgeschaltet hat und mit zu wenig Abstand über den Asphalt rast.

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