BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Marcus Brumme Headshot

Was ich aus 7 Tagen Fasten gelernt habe

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
MAN DRINKING
Cultura RM Exclusive/Sofie Delauw via Getty Images
Drucken

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Als Unternehmer und Berater normalerweise mit Au├čen- und Wirtschaftspolitik, Netzwerk- und Entscheidungsfindungsstrategie, quantitativer Datenanalyse und der Digitalisierung besch├Ąftigt, habe ich schon vorher den Selbsttest gemacht und vom 20.02.2017 - 27.02.2017 eine Woche lang auf feste Nahrung verzichtet, meine Erfahrungen notiert und Bilanz gezogen. Ern├Ąhrung geht uns alle an.

Tag 1 (Montag)

Prolog

Es ist soweit. W├Ąhrend die Dampfschwaden meines beruhigenden, warmen Bades zur Decke aufsteigen, die Welt um mich leiser wird und ich mir genau ├╝berlegen kann, ob ich es auch wirklich durchziehen m├Âchte, reift in mir die Gewissheit, dass es das Experiment wert ist. In den n├Ąchsten 7 Tagen verzichte ich auf feste Nahrung.

Statt Wiener Schnitzel, Kartoffeln, Salaten, Schokolade, Brot, Fisch und Steaks wird es bei mir Fr├╝chtetee und Tomatensaft geben. Ich habe viel ├╝ber die religi├Âse und medizinische Bedeutung des Fastens geh├Ârt und gelesen - den Unterschied hat ein Freund mit seinem pers├Ânlichen Beispiel gemacht. Um Gewicht zu verlieren und um wieder einmal etwas Neues auszuprobieren hatte er sich vor einer Woche zusammen mit seiner Frau entschieden 7 Tage zu fasten.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Fasten kann jeder: Neun Ideen zum Verzicht

Sein Fazit: Nach 3 unangenehm harten Tagen f├╝hlte er einen merklichen Energieanstieg. Der K├Ârper hatte sich erfolgreich umgestellt. Nun ja - jeder Mensch ist anders und mein Bekannter hatte sicherlich schon vorher einen disziplinierten Umgang mit Nahrung als ich - aber was solls.

Jesus hat es geschafft 40 Tage zu fasten, meine Mutter geht Anfang April zum Fasten ins Kloster, Steve Jobs war f├╝r seine radikalen Fastenkuren bekannt und auch die Menschen in meiner Gemeinde "schw├Âren" auf das Fasten.

Jetzt wo ich die Entscheidung getroffen und an zahlreiche meiner Freunde bereits kommuniziert habe, muss ich durch. Um mir selbst Mut zuzusprechen, um meiner Disziplin auf die Spr├╝nge zu helfen und um Freunden, Bekannten und allen Menschen guten Willens Unterhaltung und Information zu bieten, werde ich meine Erfahrungen in den n├Ąchsten 7 Tagen dokumentieren.

Was erhoffe ich mir vom Fasten?

Die Bibel ist klar. Wer fastet, der soll seine beste Kleidung tragen und niemandem davon erz├Ąhlen, dass er fastet - "denn diese Leute haben ihren Lohn schon erhalten". Heiliger werde ich durch mein dokumentiertes Fasten also schon mal nicht werden. Schade eigentlich.

Trotzdem erhoffe ich mir durch das Fasten mehr ├╝ber mich selbst und meine Beziehungen mit anderen Menschen zu erfahren. Wenn unser K├Ârper, wenn unser "ich" abnimmt, Gedanken, Hoffnungen und ├ängste weniger stark durch Energie unterdr├╝ckt werden k├Ânnen, dann wird uns wesentlich klarer wo wir selbst stehen, was wir in unserem Inneren empfinden und welche vielleicht mutige Entscheidung wir treffen sollten. Soweit jedenfalls die Theorie. Ein weiterer - wesentlich schn├Âderer Grund ist der, dass ich Gewicht verlieren will, weil ich Gewicht verlieren muss.

Verr├╝ckt wie ich bin, habe ich mir einen Fallschirmsprung zum Geburtstag gew├╝nscht - und liebevoll wie meine Familie ist, haben mir meine Tante, mein Cousin und dessen Freundin auch einen High Altitude Air Drop geschenkt. Je weniger ich wiege, desto besser. Ihre Vorfreude auf diesen Tag ist gelinde gesagt mindestens so gro├č wie meine. Was habe ich mir eigentlich wieder dabei gedacht?

Schlie├člich erhoffe ich mir von meinem Fasten genau das, was ich durch die Initiative meines Freundes bei mir selbst beobachtet habe: zum Beispiel f├╝r all die Unentschlossenen zu werden, die den Weg zu sich selbst finden oder Gewicht verlieren wollen.

Tag 2 (Dienstag)

Als ich am Morgen um 06:23 Uhr aufwache habe ich Halsschmerzen. Mist. Muss ich das Experiment gleich am zweiten Tag abbrechen? Ich ├╝berlege, ob ich im Ernstfall schummeln soll und den Verzehr von ├äpfeln, Birnen und Orangen vertusche. Wie vertr├Ągt sich Hustenmedizin mit einem leeren Magen? Egal, ich entscheide mich sowohl bei der Wahrheit, als auch bei der strikten Di├Ąt zu bleiben. So leicht darf ich einfach nicht aufgeben.

Der Morgen und Vormittag verlaufen okay. Ich f├╝hre einige Telefonate, gehe Tomaten- und Gem├╝sesaft einkaufen - die Halsschmerzen gehen schon zur├╝ck. Prima, denke ich mir. Ab Mittag dann sp├╝re ich das, was ich ab sofort nur noch den Hungerreflex nennen werde. Normalerweise g├Ąbe es jetzt ein Steak oder zumindest Fisch oder H├╝hnchen. Heute gibt es nichts.

Das l├Ą├čt ihn mir das Verlangen nach Folienkuchen, Keksen, Pralinen, N├╝ssen und W├╝rsten aufsteigen. Leider wird all das aber noch lange zu warten haben, denn schon nach meinem ersten Update am Montagabend haben sich zahlreiche Freunde mit eindringlichen Hinweisen zur Zeit nach dem Fasten bei mir gemeldet.

So sehr es m├Âglich ist beim Essen von 100 auf 0 zu gehen - so wenig sollte ich am Endes der 7 Tage von 0 auf 100 zur├╝ckgehen. Hat der K├Ârper erst einmal vom normalen K├Ârperumsatz auf Sparmodus umgeschalten, baut er eigene Reserven wesentlich langsamer ab - lagert aber unglaublich schnell auch wieder Reserven an.

Sollte ich mich also unmittelbar nach Ende der Woche dem Zucker hingeben, h├Ątte ich innerhalb von k├╝rzester Zeit wieder alles "drauf", was vorher in langen Tagen abgebaut wurde. Daneben w├Ąre es sehr gef├Ąhrlich f├╝r das Verdauungssystem nach 7 Tagen Wasser, Tee und Tomatensaft sofort auf volle Belastung umzusteigen. Ich werde das Ganze also abklingen lassen m├╝ssen. Ich verabschiede mich vom Steak und orientiere auf eine Brokkolisuppe f├╝r Montagabend um.

Tag 3 (Mittwoch)

Meine gesundheitliche Verfassung ist genauso schlecht wie das Wetter, als ich am Mittwochmorgen um kurz nach 6 Uhr aufwache. Ich habe starke Halsschmerzen und bef├╝rchte Fieber zu bekommen, wenn es so weitergeht. Am Vortag habe ich noch Bilder f├╝r eine Webseite geschossen und bin erst nach dem Abfassen zahlreicher Emails und einiger langer Abs├Ątze f├╝r diverse Projekte gegen Mitternacht ins Bett gegangen.

So kann es nicht weitergehen. Mein Business Partner ist auf dem Weg nach N├╝rnberg zum Kongress christlicher F├╝hrungskr├Ąfte um dort einen Tagesworkshop zum Thema Einfluss zu halten. Ich sollte eigentlich Gas bei der Webseite geben.

Ich informiere eine Reihe von Personen mit dringenden Angelegenheiten ├╝ber meinen Gesundheitszustand - ansonsten beantworte ich Emails und h├Âre Musik. Um kurz vor 09:00 Uhr fasse ich den Entschluss, dass es so nicht weitergehen kann und nehme eine Aspirin zusammen mit sprudelndem Mineralwasser und begebe mich auf die Suche nach jeder Form von h├Ąuslich vorhandener Medizin - danach mache ich mich an die weitere Bearbeitung des Textes f├╝r die Webseite. Die Zeit sitzt wie immer im Nacken und das Projekt kann nicht aufgeschoben werden.

Gegen Mittag zieht nicht nur die Wolkendecke auf - auch mein Gesundheitszustand verbessert sich zunehmend. Die Aspirin scheint zu wirken. Hunger versp├╝re ich seit dem Aufstehen ├╝berhaupt nicht. Bis jetzt scheint alles gut zu klappen mit meinem Fasten - trotz oder vielleicht sogar wegen meiner Krankheit. Ich trinke reichlich Tee, ab und zu Tomatensaft und kann bis zum Nachmittag einiges an Korrespondenz wie auch den gesamten Text f├╝r die Webseite abschlie├čen.

Das einzige Manko ist vorerst, dass ich aus gesundheitlichen Gr├╝nden wohl lieber nicht das Haus verlassen werde. Ich will das Schicksal nicht unn├Âtig herausfordern. Sollte es mir aber morgen merklich besser gehen, so werde mich auf jeden Fall bewegen, denn nach einem nur im Haus verbrachten Tag sp├╝re ich schon so etwas wie das Einsetzen eines Tunnelblickes.

Tag 4 (Donnerstag)

Fasten ist langweilig. Als ich am Morgen des 23ten Februars aufwache, sind die Halsschmerzen beinahe abgeklungen, der Text f├╝r die Webseite ist sowieso fertig und somit kann ich mich nun endlich wieder Luxusproblemen und Selbstmitleid zuwenden. Konkret bedeutet das, dass ich einige Zeit darauf verwende Kn├Âdel, Salate und Fisch ebenso zu vermissen wie Eiscreme und Kuchen. Deprimierend.

Am fr├╝hen Nachmittag meldet sich ein Freund, der von meinem Fallschirmsprungvorhaben geh├Ârt hat. Er will mich dazu ├╝berreden den Fallschirmsprung in einen Parabelflug bei M├╝nchen umzutauschen - so h├Ątte er jemanden, der ihn bei seinem Jochen Schweizer Erlebnis begleitet.

Endlich jemand, an dem ich meine schlechte Laune auslassen kann! Ich sage ab. Parabelfl├╝ge sind langweilig - au├čer das Flugzeug zerbricht in der Mitte und alle m├╝ssen sich mit dem Fallschirm retten. Irgendwie.

Um mir wenigstens einige geschmackliche Impulse in meiner von Tomatensaft und Fr├╝chtetee bestimmten Welt zu verschaffen, leiste ich mir heute 2 kleine Smoothies und eine Flasche Karottensaft.

Nicht die Welt - aber immerhin mal etwas anderes! Um dem gestern schon beschriebenen Tunnelblick zu entrinnen, gehe ich heute au├čerdem eine Runde laufen. Ich spiele mit dem Gedanken am Wochenende auch etwas Sport zu treiben - aber das werde ich davon abh├Ąngig machen, wie meine Zahnoperation am morgigen Tag verl├Ąuft.

Tag 5 (Freitag)

Seit 2 1/2 Jahren bin ich so oft beim Zahnarzt, dass einige meiner Freunde mich schon nach der H├Âhe der von mir abzuf├╝hrenden Zweitwohnsteuer gefragt haben. Heute war wieder einmal Heimspiel. 2 Implantatbohrungen. Als der Sensitivit├Ątstest noch Schmerzen offenbart erhalte ich zu den 4 Spritzen, die ich bereits verabreicht bekommen habe, noch einmal 3 weitere zus├Ątzlich.

Jetzt ist wirklich alles bet├Ąubt, denke ich - jedenfalls so lange, bis der Bohrer im Kiefer stecken bleibt.
Nach 50 Minuten ist alles vorbei. Ich begebe mich fussl├Ąufig auf den Weg zum Bahnhof.

Dort angekommen wartet das n├Ąchste Highlight: alle Z├╝ge sind ausgefallen oder haben zumindest 50 Minuten Versp├Ątung. Naja - auch nicht schlecht denke ich mir - dann habe ich zumindest Zeit zum Lesen und daf├╝r, meine zahlreichen Nachrichten zu beantworten.

Neben einer ganzen Reihe politisch und unternehmerisch bedingter Mails lese ich auch die SMS eines befreundeten Pastors aus Leipzig: "Steig mal von Fr├╝rchtetee auf Gr├╝ntee und basischen Kr├Ąutertee (DM) um. Fr├╝chtetee ist Gift. Smoothies eine Weile im Mund kauen - sonst zerst├Âren sie dir den leeren Magen. Die Erk├Ąltungserscheinungen sind total normal. Dein K├Ârper hat direkt reagiert und angefangen zu entgiften. Da kommt das vor.

Ansonsten sind B├Ąder in basischen Badezusatz (dm) extrem gut und Sauna bzw. Bewegung. Ab morgen solltest du merken, wie du langsam mehr Kraft und Energie bekommst. Nur die Aspirin k├Ânnte dich zur├╝ckgeworfen haben. Pures Gift beim Fasten. Aber wird schon. Sehr cool, dass du es durchziehst."

Schnell bedanke ich mich bei meinem Bekannten. Die Smoothies und auch den Fr├╝chtetee setze ich ab. Daf├╝r kaufe ich mir in der Apotheke Fastentee mit Birkenbl├Ąttern und Zinnkraut, Bachbl├╝ten- und Fencheltee f├╝r insgesamt 7,50 Euro. Eine Magenreizung brauche ich nicht noch zus├Ątzlich - denke ich mir in dem Moment, in dem auch die Wirkung der 7 Spritzen nachzulassen beginnt.

Um die Zeit bis zum Eintreffen des n├Ąchsten Zuges noch zu ├╝berbr├╝cken und mich zudem auch noch etwas zu bewegen, mache ich mich auf zum Buchladen. Ich kaufe ein Buch voller Verse des gro├čen r├Âmischen Dichters Ovid und ein Buch angef├╝llt mit Fabeln des klassisch griechisch-r├Âmischem Altertums.

Als ich mit einiger Verz├Âgerung zuhause ankomme, bin ich zum ersten Mal diese Woche wirklich stark ersch├Âpft und entkr├Ąftet. Ich f├╝hle mich matt. Die Operation, ├╝ber 8 Kilometer Fu├čweg und all die Bet├Ąubungsmittel fordern ihren Tribut. Ich beschlie├če Musik zu h├Âren und die gerade gekauften B├╝cher zu lesen.

Leider bin ich zerstreut und kann mich nicht erinnern, wo ich meine Kopfh├Ârer gestern Abend abgelegt habe. Nach ├╝ber 45 min├╝tigem Suchen finde ich sie schlie├člich hinter einem Regal. Die Schwerkraft hat sie vom R├╝cken eines Buches auf den Boden - und au├čerhalb meines Blickfeldes bewegt.

Nun ist es Nachmittag, die Sonne neigt sich und ich beschlie├če wiederwillig mich f├╝r heute erst einmal auszuruhen.

Tag 6 (Sonnabend)

Der Tag beginnt fr├╝h. Noch vor um 06:00 Uhr versuche ich meinen Cousin anzurufen. Eigentlich wollten wir heute Fahrr├Ąder kaufen. In einem gro├čen Fahrradgesch├Ąft in unserer Gegend hatte es gebrannt und nun findet ein Versicherungsverkauf der verrussten Fahrr├Ąder statt. Alle R├Ąder sind um 50% reduziert. Da entsprechend viele Menschen unterwegs sein werden, gilt es, fr├╝h dran zu sein.

Das Gesch├Ąft ├Âffnet um 08:00 Uhr und so wie die Deutschen zum Thema Rabatt eingestellt sind, wird das Ganze einem Volksfest ├Ąhneln. Das einzige Problem ist meine Gesundheit. Als ich gegen 05:30 Uhr aufwache, habe ich Kopfschmerzen, Halsschmerzen, meine Nase l├Ąuft und ich f├╝hle mich wirklich schlecht.

H├Ârt das diese Woche denn eigentlich noch einmal auf? Egal. So gern ich zum Fr├╝hverkauf aufbrechen und meinem Cousin sp├Ąter noch bei seinem Umzug helfen w├╝rde, so sehr muss ich heute zuhause bleiben und eine L├Âsung finden.

N├Ąchste Woche werde ich wieder viel in Deutschland unterwegs sein - da kann ich mir keine Krankheit leisten. Au├čerdem ist das meiste bei meinem Cousin schon erledigt. Wir hatten letztes Wochenende massiv Gas gegeben und 80% des Umzuges in 2 Tagen gestemmt. Ich erreiche ihn nicht.

Als er mich um kurz nach 8:30 Uhr zur├╝ckruft, bin ich schon dabei Holz ins Haus zu holen und den Kamin vorzubereiten. Es muss etwas passieren. Ich schlichte das Holz auf, sorge f├╝r Feuer und schon nach 30 Minuten ist die Raumtemperatur angenehm gestiegen.

Den Rest des Tages nutze ich, um ├╝ber einige anstehende Entscheidungen nachzudenken, B├╝cher zu lesen, Telefonate zu f├╝hren, l├Ąngere Emails zu schreiben und mit einem alten Freund wieder einmal Computer zu spielen.

Meinen Bruder und meine Mutter lade ich f├╝r Montagnachmittag zum Essen ein. Gehobene K├╝che statt Blumenkohl. Soviel Spass muss sein. Als ich nachts um gegen 02:30 Uhr zu Bett gehe, habe ich mich schon merklich erholt. Auch ein Grund dankbar zu sein.

Tag 7 (Sonntag)

Am Sonntagmorgen schlafe ich aus. Vor um 10:00 Uhr passiert gar nichts. Die Sonne scheint hell und auch mir geht es wesentlich besser. Endlich hat die wehleidige Besch├Ąftigung mit irgendwelchen Krankheitssymptomen ein Ende. Ich freue mich auch auf Montag wenn es wieder normales Essen, Sport und damit verbunden mehr Abwechslung geben wird.

Verbunden mit der Vorfreude auf Montag ist bei mir auch Dankbarkeit daf├╝r, dass ich es geschafft habe schon bis heute durchzuhalten. Fasten ist definitiv eine Einschr├Ąnkung: Ich vermeide Sport, arbeite weniger lange als sonst und nach einer gewissen Zeit ├╝bertr├Ągt sich die Eint├Ânigkeit in der Ern├Ąhrung auch auf meine Laune.

F├╝r arbeits- und reiseintensive Wochen ist das Fasten daher wohl weniger geeignet, denke ich mir. M├Âchte ich nachdenken und den Kopf freibekommen ist eine Woche Frankreich oder Spanien wahrscheinlich wesentlich besser als eine Woche fasten.

Abseits meiner Gedanken f├╝r das morgen anstehende Fazit verl├Ąuft der Tag ruhig. Mit R├╝cksicht auf die kommende Woche beschlie├če ich, auch den heutigen Tag innerhalb meines Hauses zu verbringen. Ich lese, schaue mir einen Film an und f├╝hre einige Telefonate. Hunger versp├╝re ich nicht. Weder nach Tomatensaft noch nach Festnahrung. Einzig die geschmackliche Abwechslung fehlt mir. Um 01:15 Uhr gehe ich zu Bett.

Tag 8 (Montag)

Geschafft. Ich habe es ├╝berstanden. Wie sieht mein Fazit aus?

1. Kein Hunger mehr

Der Hunger ist weg. Nach 7 Tagen selbstauferlegtem Festnahrungsverbot darf ich wieder alles einkaufen und alles essen. Will ich aber gar nicht. Der Impuls immer etwas essen zu m├╝ssen ist jetzt Vergangenheit. Wahrscheinlich weil mir das Fasten geholfen hat ,eine Routine zu brechen nach der ich nachts immer noch einmal zum K├╝hlschrank geschlichen bin um wahllos Nahrung aufzunehmen.

2. In einem gesundheitlich angeschlagenen Zustand zu fasten ist zwar konsequent aber unangenehm

Ohne Krankheit macht Fasten bestimmt mehr Spa├č. Ein wesentlicher St├Ârfaktor war meine wahrscheinlich aus dem Umzug mit meinem Cousin entstandene Erk├Ąltung. Sorgt das Fasten schon aus sich selbst heraus f├╝r eine gewisse Ermattung, so wurde diese durch die Krankheit noch verst├Ąrkt.

3. Ich habe deutlich mehr Zeit

Auch wenn das allgemeine Energielevel w├Ąhrend des Tages leidet, habe ich deutlich mehr Zeit um andere Dinge zu tun. Die Zubereitung von Essen oder das Aufsuchen eines Restaurants binden Ressourcen, die w├Ąhrend des Fastens einfach wieder zur Verf├╝gung stehen.

4. Zu h├Âherer Erkenntnis bin ich durch das Fasten nicht gelangt

Eine besondere Erleuchtung habe ich nicht erfahren. Schwimmen, wandern, Fahrrad- oder Skifahren oder eine Reise nach Spanien bringen mir mehr Muse - egal, ob bei wichtigen Lebensentscheidungen oder neuen Business Ideen. Hier werde ich also auch in Zukunft auf Bew├Ąhrtes setzen.

5. Der Gewichtsverlust ist sp├╝rbar, meine Haut hat sich erholt

Ich habe 6 Kilogramm abgenommen, meine Haut sieht ges├╝nder aus. Schlechte Routinen sind durchbrochen und mein Verh├Ąltnis zum Essen ist "rekalibriert". Das sind echte Erfolge.

6. Die zahlreichen Zuschriften, SMS und Anrufe meiner Freunde haben mir verraten, dass das Thema nicht ganz irrelevant zu sein scheint

Als ich mit meinem kleinen Experiment beginne, ahne ich nicht wie viel Korrespondenz sich aus meinem kleinen Update entwickeln wird. Ich erhalte etliche Nachrichten - auch von Leuten bei denen ich dies gar nicht vermutet h├Ątte. Fasten und unser Verh├Ąltnis zum Essen besch├Ąftigt zahlreiche Menschen in allen Schichten in unserer Gesellschaft mehr als ich zun├Ąchst gedacht hatte.

7. Meine Gedanken gehen zu all jenen, die nicht freiwillig auf Nahrung verzichten

Das Fasten war in Summe eine positive Erfahrung f├╝r mich. Ich habe mein Essverhalten normalisiert und sehe nun deutlich ges├╝nder aus. Gleichzeitig gehen meine Gedanken zu all jenen, die nicht freiwillig "fasten".

F├╝r sehr viele Menschen ist es keine lustige Idee einmal eine Woche auf Nahrung zu verzichten. Sie m├╝ssen keine falschen Essgewohnheiten durchbrechen, sondern Ihnen fehlen seit Monaten oder gar seit Jahren grundlegendste N├Ąhr- und Ballaststoffe - von Medizin einmal ganz zu schweigen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Anders als ich haben sie nicht mit etwas zu viel, sondern mit deutlich zu wenig Gewicht zu k├Ąmpfen. Pervers denke ich mir: W├Ąhrend im Westen alle damit zu k├Ąmpfen haben nicht zu verfetten, leben etliche Menschen in gro├čem Mangel. Ein gro├čes Problem. In den n├Ąchsten Wochen und Monaten werde ich ├╝berlegen, inwiefern ich hier einen kleinen Unterschied machen kann.

8. Zum Abschluss erz├Ąhlt uns meine Mutter von Sven dem Hirsch und seinen Freunden

Zur Feier meiner erfolgreichen Fastenwoche lade ich meine Mutter und meinen Bruder zum Essen ein. Nichts da mit Brokkolisuppe. Wir begeben uns in ein gehobenes Restaurant - es gibt Steaks, Fisch und Artischocke. W├Ąhrend des Essens erz├Ąhlt unsere Mutter uns von Sven.

Sven ist bekannt: als ein Prachtkerl von einem Rothirsch ist er aber gleichzeitig etwas ungew├Âhnlich. Anders als andere Rothirsche lebt er nicht im Wald mit seinen Artgenossen - seine Freunde sind eine Herde K├╝he bei Flensburg und zwar auch w├Ąhrend der Brunftzeit. Der Hirsch und die K├╝he. Wir lachen herzlich.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.