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Was ich aus 7 Tagen Fasten gelernt habe

04/03/2017 16:05 CET | Aktualisiert 04/03/2017 16:08 CET
Cultura RM Exclusive/Sofie Delauw via Getty Images

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Als Unternehmer und Berater normalerweise mit Außen- und Wirtschaftspolitik, Netzwerk- und Entscheidungsfindungsstrategie, quantitativer Datenanalyse und der Digitalisierung beschäftigt, habe ich schon vorher den Selbsttest gemacht und vom 20.02.2017 - 27.02.2017 eine Woche lang auf feste Nahrung verzichtet, meine Erfahrungen notiert und Bilanz gezogen. Ernährung geht uns alle an.

Tag 1 (Montag)

Prolog

Es ist soweit. Während die Dampfschwaden meines beruhigenden, warmen Bades zur Decke aufsteigen, die Welt um mich leiser wird und ich mir genau überlegen kann, ob ich es auch wirklich durchziehen möchte, reift in mir die Gewissheit, dass es das Experiment wert ist. In den nächsten 7 Tagen verzichte ich auf feste Nahrung.

Statt Wiener Schnitzel, Kartoffeln, Salaten, Schokolade, Brot, Fisch und Steaks wird es bei mir Früchtetee und Tomatensaft geben. Ich habe viel über die religiöse und medizinische Bedeutung des Fastens gehört und gelesen - den Unterschied hat ein Freund mit seinem persönlichen Beispiel gemacht. Um Gewicht zu verlieren und um wieder einmal etwas Neues auszuprobieren hatte er sich vor einer Woche zusammen mit seiner Frau entschieden 7 Tage zu fasten.

Mehr zum Thema: Fasten kann jeder: Neun Ideen zum Verzicht

Sein Fazit: Nach 3 unangenehm harten Tagen fühlte er einen merklichen Energieanstieg. Der Körper hatte sich erfolgreich umgestellt. Nun ja - jeder Mensch ist anders und mein Bekannter hatte sicherlich schon vorher einen disziplinierten Umgang mit Nahrung als ich - aber was solls.

Jesus hat es geschafft 40 Tage zu fasten, meine Mutter geht Anfang April zum Fasten ins Kloster, Steve Jobs war für seine radikalen Fastenkuren bekannt und auch die Menschen in meiner Gemeinde "schwören" auf das Fasten.

Jetzt wo ich die Entscheidung getroffen und an zahlreiche meiner Freunde bereits kommuniziert habe, muss ich durch. Um mir selbst Mut zuzusprechen, um meiner Disziplin auf die Sprünge zu helfen und um Freunden, Bekannten und allen Menschen guten Willens Unterhaltung und Information zu bieten, werde ich meine Erfahrungen in den nächsten 7 Tagen dokumentieren.

Was erhoffe ich mir vom Fasten?

Die Bibel ist klar. Wer fastet, der soll seine beste Kleidung tragen und niemandem davon erzählen, dass er fastet - "denn diese Leute haben ihren Lohn schon erhalten". Heiliger werde ich durch mein dokumentiertes Fasten also schon mal nicht werden. Schade eigentlich.

Trotzdem erhoffe ich mir durch das Fasten mehr über mich selbst und meine Beziehungen mit anderen Menschen zu erfahren. Wenn unser Körper, wenn unser "ich" abnimmt, Gedanken, Hoffnungen und Ängste weniger stark durch Energie unterdrückt werden können, dann wird uns wesentlich klarer wo wir selbst stehen, was wir in unserem Inneren empfinden und welche vielleicht mutige Entscheidung wir treffen sollten. Soweit jedenfalls die Theorie. Ein weiterer - wesentlich schnöderer Grund ist der, dass ich Gewicht verlieren will, weil ich Gewicht verlieren muss.

Verrückt wie ich bin, habe ich mir einen Fallschirmsprung zum Geburtstag gewünscht - und liebevoll wie meine Familie ist, haben mir meine Tante, mein Cousin und dessen Freundin auch einen High Altitude Air Drop geschenkt. Je weniger ich wiege, desto besser. Ihre Vorfreude auf diesen Tag ist gelinde gesagt mindestens so groß wie meine. Was habe ich mir eigentlich wieder dabei gedacht?

Schließlich erhoffe ich mir von meinem Fasten genau das, was ich durch die Initiative meines Freundes bei mir selbst beobachtet habe: zum Beispiel für all die Unentschlossenen zu werden, die den Weg zu sich selbst finden oder Gewicht verlieren wollen.

Tag 2 (Dienstag)

Als ich am Morgen um 06:23 Uhr aufwache habe ich Halsschmerzen. Mist. Muss ich das Experiment gleich am zweiten Tag abbrechen? Ich überlege, ob ich im Ernstfall schummeln soll und den Verzehr von Äpfeln, Birnen und Orangen vertusche. Wie verträgt sich Hustenmedizin mit einem leeren Magen? Egal, ich entscheide mich sowohl bei der Wahrheit, als auch bei der strikten Diät zu bleiben. So leicht darf ich einfach nicht aufgeben.

Der Morgen und Vormittag verlaufen okay. Ich führe einige Telefonate, gehe Tomaten- und Gemüsesaft einkaufen - die Halsschmerzen gehen schon zurück. Prima, denke ich mir. Ab Mittag dann spüre ich das, was ich ab sofort nur noch den Hungerreflex nennen werde. Normalerweise gäbe es jetzt ein Steak oder zumindest Fisch oder Hühnchen. Heute gibt es nichts.

Das läßt ihn mir das Verlangen nach Folienkuchen, Keksen, Pralinen, Nüssen und Würsten aufsteigen. Leider wird all das aber noch lange zu warten haben, denn schon nach meinem ersten Update am Montagabend haben sich zahlreiche Freunde mit eindringlichen Hinweisen zur Zeit nach dem Fasten bei mir gemeldet.

So sehr es möglich ist beim Essen von 100 auf 0 zu gehen - so wenig sollte ich am Endes der 7 Tage von 0 auf 100 zurückgehen. Hat der Körper erst einmal vom normalen Körperumsatz auf Sparmodus umgeschalten, baut er eigene Reserven wesentlich langsamer ab - lagert aber unglaublich schnell auch wieder Reserven an.

Sollte ich mich also unmittelbar nach Ende der Woche dem Zucker hingeben, hätte ich innerhalb von kürzester Zeit wieder alles "drauf", was vorher in langen Tagen abgebaut wurde. Daneben wäre es sehr gefährlich für das Verdauungssystem nach 7 Tagen Wasser, Tee und Tomatensaft sofort auf volle Belastung umzusteigen. Ich werde das Ganze also abklingen lassen müssen. Ich verabschiede mich vom Steak und orientiere auf eine Brokkolisuppe für Montagabend um.

Tag 3 (Mittwoch)

Meine gesundheitliche Verfassung ist genauso schlecht wie das Wetter, als ich am Mittwochmorgen um kurz nach 6 Uhr aufwache. Ich habe starke Halsschmerzen und befürchte Fieber zu bekommen, wenn es so weitergeht. Am Vortag habe ich noch Bilder für eine Webseite geschossen und bin erst nach dem Abfassen zahlreicher Emails und einiger langer Absätze für diverse Projekte gegen Mitternacht ins Bett gegangen.

So kann es nicht weitergehen. Mein Business Partner ist auf dem Weg nach Nürnberg zum Kongress christlicher Führungskräfte um dort einen Tagesworkshop zum Thema Einfluss zu halten. Ich sollte eigentlich Gas bei der Webseite geben.

Ich informiere eine Reihe von Personen mit dringenden Angelegenheiten über meinen Gesundheitszustand - ansonsten beantworte ich Emails und höre Musik. Um kurz vor 09:00 Uhr fasse ich den Entschluss, dass es so nicht weitergehen kann und nehme eine Aspirin zusammen mit sprudelndem Mineralwasser und begebe mich auf die Suche nach jeder Form von häuslich vorhandener Medizin - danach mache ich mich an die weitere Bearbeitung des Textes für die Webseite. Die Zeit sitzt wie immer im Nacken und das Projekt kann nicht aufgeschoben werden.

Gegen Mittag zieht nicht nur die Wolkendecke auf - auch mein Gesundheitszustand verbessert sich zunehmend. Die Aspirin scheint zu wirken. Hunger verspüre ich seit dem Aufstehen überhaupt nicht. Bis jetzt scheint alles gut zu klappen mit meinem Fasten - trotz oder vielleicht sogar wegen meiner Krankheit. Ich trinke reichlich Tee, ab und zu Tomatensaft und kann bis zum Nachmittag einiges an Korrespondenz wie auch den gesamten Text für die Webseite abschließen.

Das einzige Manko ist vorerst, dass ich aus gesundheitlichen Gründen wohl lieber nicht das Haus verlassen werde. Ich will das Schicksal nicht unnötig herausfordern. Sollte es mir aber morgen merklich besser gehen, so werde mich auf jeden Fall bewegen, denn nach einem nur im Haus verbrachten Tag spüre ich schon so etwas wie das Einsetzen eines Tunnelblickes.

Tag 4 (Donnerstag)

Fasten ist langweilig. Als ich am Morgen des 23ten Februars aufwache, sind die Halsschmerzen beinahe abgeklungen, der Text für die Webseite ist sowieso fertig und somit kann ich mich nun endlich wieder Luxusproblemen und Selbstmitleid zuwenden. Konkret bedeutet das, dass ich einige Zeit darauf verwende Knödel, Salate und Fisch ebenso zu vermissen wie Eiscreme und Kuchen. Deprimierend.

Am frühen Nachmittag meldet sich ein Freund, der von meinem Fallschirmsprungvorhaben gehört hat. Er will mich dazu überreden den Fallschirmsprung in einen Parabelflug bei München umzutauschen - so hätte er jemanden, der ihn bei seinem Jochen Schweizer Erlebnis begleitet.

Endlich jemand, an dem ich meine schlechte Laune auslassen kann! Ich sage ab. Parabelflüge sind langweilig - außer das Flugzeug zerbricht in der Mitte und alle müssen sich mit dem Fallschirm retten. Irgendwie.

Um mir wenigstens einige geschmackliche Impulse in meiner von Tomatensaft und Früchtetee bestimmten Welt zu verschaffen, leiste ich mir heute 2 kleine Smoothies und eine Flasche Karottensaft.

Nicht die Welt - aber immerhin mal etwas anderes! Um dem gestern schon beschriebenen Tunnelblick zu entrinnen, gehe ich heute außerdem eine Runde laufen. Ich spiele mit dem Gedanken am Wochenende auch etwas Sport zu treiben - aber das werde ich davon abhängig machen, wie meine Zahnoperation am morgigen Tag verläuft.

Tag 5 (Freitag)

Seit 2 1/2 Jahren bin ich so oft beim Zahnarzt, dass einige meiner Freunde mich schon nach der Höhe der von mir abzuführenden Zweitwohnsteuer gefragt haben. Heute war wieder einmal Heimspiel. 2 Implantatbohrungen. Als der Sensitivitätstest noch Schmerzen offenbart erhalte ich zu den 4 Spritzen, die ich bereits verabreicht bekommen habe, noch einmal 3 weitere zusätzlich.

Jetzt ist wirklich alles betäubt, denke ich - jedenfalls so lange, bis der Bohrer im Kiefer stecken bleibt.

Nach 50 Minuten ist alles vorbei. Ich begebe mich fussläufig auf den Weg zum Bahnhof.

Dort angekommen wartet das nächste Highlight: alle Züge sind ausgefallen oder haben zumindest 50 Minuten Verspätung. Naja - auch nicht schlecht denke ich mir - dann habe ich zumindest Zeit zum Lesen und dafür, meine zahlreichen Nachrichten zu beantworten.

Neben einer ganzen Reihe politisch und unternehmerisch bedingter Mails lese ich auch die SMS eines befreundeten Pastors aus Leipzig: "Steig mal von Frürchtetee auf Grüntee und basischen Kräutertee (DM) um. Früchtetee ist Gift. Smoothies eine Weile im Mund kauen - sonst zerstören sie dir den leeren Magen. Die Erkältungserscheinungen sind total normal. Dein Körper hat direkt reagiert und angefangen zu entgiften. Da kommt das vor.

Ansonsten sind Bäder in basischen Badezusatz (dm) extrem gut und Sauna bzw. Bewegung. Ab morgen solltest du merken, wie du langsam mehr Kraft und Energie bekommst. Nur die Aspirin könnte dich zurückgeworfen haben. Pures Gift beim Fasten. Aber wird schon. Sehr cool, dass du es durchziehst."

Schnell bedanke ich mich bei meinem Bekannten. Die Smoothies und auch den Früchtetee setze ich ab. Dafür kaufe ich mir in der Apotheke Fastentee mit Birkenblättern und Zinnkraut, Bachblüten- und Fencheltee für insgesamt 7,50 Euro. Eine Magenreizung brauche ich nicht noch zusätzlich - denke ich mir in dem Moment, in dem auch die Wirkung der 7 Spritzen nachzulassen beginnt.

Um die Zeit bis zum Eintreffen des nächsten Zuges noch zu überbrücken und mich zudem auch noch etwas zu bewegen, mache ich mich auf zum Buchladen. Ich kaufe ein Buch voller Verse des großen römischen Dichters Ovid und ein Buch angefüllt mit Fabeln des klassisch griechisch-römischem Altertums.

Als ich mit einiger Verzögerung zuhause ankomme, bin ich zum ersten Mal diese Woche wirklich stark erschöpft und entkräftet. Ich fühle mich matt. Die Operation, über 8 Kilometer Fußweg und all die Betäubungsmittel fordern ihren Tribut. Ich beschließe Musik zu hören und die gerade gekauften Bücher zu lesen.

Leider bin ich zerstreut und kann mich nicht erinnern, wo ich meine Kopfhörer gestern Abend abgelegt habe. Nach über 45 minütigem Suchen finde ich sie schließlich hinter einem Regal. Die Schwerkraft hat sie vom Rücken eines Buches auf den Boden - und außerhalb meines Blickfeldes bewegt.

Nun ist es Nachmittag, die Sonne neigt sich und ich beschließe wiederwillig mich für heute erst einmal auszuruhen.

Tag 6 (Sonnabend)

Der Tag beginnt früh. Noch vor um 06:00 Uhr versuche ich meinen Cousin anzurufen. Eigentlich wollten wir heute Fahrräder kaufen. In einem großen Fahrradgeschäft in unserer Gegend hatte es gebrannt und nun findet ein Versicherungsverkauf der verrussten Fahrräder statt. Alle Räder sind um 50% reduziert. Da entsprechend viele Menschen unterwegs sein werden, gilt es, früh dran zu sein.

Das Geschäft öffnet um 08:00 Uhr und so wie die Deutschen zum Thema Rabatt eingestellt sind, wird das Ganze einem Volksfest ähneln. Das einzige Problem ist meine Gesundheit. Als ich gegen 05:30 Uhr aufwache, habe ich Kopfschmerzen, Halsschmerzen, meine Nase läuft und ich fühle mich wirklich schlecht.

Hört das diese Woche denn eigentlich noch einmal auf? Egal. So gern ich zum Frühverkauf aufbrechen und meinem Cousin später noch bei seinem Umzug helfen würde, so sehr muss ich heute zuhause bleiben und eine Lösung finden.

Nächste Woche werde ich wieder viel in Deutschland unterwegs sein - da kann ich mir keine Krankheit leisten. Außerdem ist das meiste bei meinem Cousin schon erledigt. Wir hatten letztes Wochenende massiv Gas gegeben und 80% des Umzuges in 2 Tagen gestemmt. Ich erreiche ihn nicht.

Als er mich um kurz nach 8:30 Uhr zurückruft, bin ich schon dabei Holz ins Haus zu holen und den Kamin vorzubereiten. Es muss etwas passieren. Ich schlichte das Holz auf, sorge für Feuer und schon nach 30 Minuten ist die Raumtemperatur angenehm gestiegen.

Den Rest des Tages nutze ich, um über einige anstehende Entscheidungen nachzudenken, Bücher zu lesen, Telefonate zu führen, längere Emails zu schreiben und mit einem alten Freund wieder einmal Computer zu spielen.

Meinen Bruder und meine Mutter lade ich für Montagnachmittag zum Essen ein. Gehobene Küche statt Blumenkohl. Soviel Spass muss sein. Als ich nachts um gegen 02:30 Uhr zu Bett gehe, habe ich mich schon merklich erholt. Auch ein Grund dankbar zu sein.

Tag 7 (Sonntag)

Am Sonntagmorgen schlafe ich aus. Vor um 10:00 Uhr passiert gar nichts. Die Sonne scheint hell und auch mir geht es wesentlich besser. Endlich hat die wehleidige Beschäftigung mit irgendwelchen Krankheitssymptomen ein Ende. Ich freue mich auch auf Montag wenn es wieder normales Essen, Sport und damit verbunden mehr Abwechslung geben wird.

Verbunden mit der Vorfreude auf Montag ist bei mir auch Dankbarkeit dafür, dass ich es geschafft habe schon bis heute durchzuhalten. Fasten ist definitiv eine Einschränkung: Ich vermeide Sport, arbeite weniger lange als sonst und nach einer gewissen Zeit überträgt sich die Eintönigkeit in der Ernährung auch auf meine Laune.

Für arbeits- und reiseintensive Wochen ist das Fasten daher wohl weniger geeignet, denke ich mir. Möchte ich nachdenken und den Kopf freibekommen ist eine Woche Frankreich oder Spanien wahrscheinlich wesentlich besser als eine Woche fasten.

Abseits meiner Gedanken für das morgen anstehende Fazit verläuft der Tag ruhig. Mit Rücksicht auf die kommende Woche beschließe ich, auch den heutigen Tag innerhalb meines Hauses zu verbringen. Ich lese, schaue mir einen Film an und führe einige Telefonate. Hunger verspüre ich nicht. Weder nach Tomatensaft noch nach Festnahrung. Einzig die geschmackliche Abwechslung fehlt mir. Um 01:15 Uhr gehe ich zu Bett.

Tag 8 (Montag)

Geschafft. Ich habe es überstanden. Wie sieht mein Fazit aus?

1. Kein Hunger mehr

Der Hunger ist weg. Nach 7 Tagen selbstauferlegtem Festnahrungsverbot darf ich wieder alles einkaufen und alles essen. Will ich aber gar nicht. Der Impuls immer etwas essen zu müssen ist jetzt Vergangenheit. Wahrscheinlich weil mir das Fasten geholfen hat ,eine Routine zu brechen nach der ich nachts immer noch einmal zum Kühlschrank geschlichen bin um wahllos Nahrung aufzunehmen.

2. In einem gesundheitlich angeschlagenen Zustand zu fasten ist zwar konsequent aber unangenehm

Ohne Krankheit macht Fasten bestimmt mehr Spaß. Ein wesentlicher Störfaktor war meine wahrscheinlich aus dem Umzug mit meinem Cousin entstandene Erkältung. Sorgt das Fasten schon aus sich selbst heraus für eine gewisse Ermattung, so wurde diese durch die Krankheit noch verstärkt.

3. Ich habe deutlich mehr Zeit

Auch wenn das allgemeine Energielevel während des Tages leidet, habe ich deutlich mehr Zeit um andere Dinge zu tun. Die Zubereitung von Essen oder das Aufsuchen eines Restaurants binden Ressourcen, die während des Fastens einfach wieder zur Verfügung stehen.

4. Zu höherer Erkenntnis bin ich durch das Fasten nicht gelangt

Eine besondere Erleuchtung habe ich nicht erfahren. Schwimmen, wandern, Fahrrad- oder Skifahren oder eine Reise nach Spanien bringen mir mehr Muse - egal, ob bei wichtigen Lebensentscheidungen oder neuen Business Ideen. Hier werde ich also auch in Zukunft auf Bewährtes setzen.

5. Der Gewichtsverlust ist spürbar, meine Haut hat sich erholt

Ich habe 6 Kilogramm abgenommen, meine Haut sieht gesünder aus. Schlechte Routinen sind durchbrochen und mein Verhältnis zum Essen ist "rekalibriert". Das sind echte Erfolge.

6. Die zahlreichen Zuschriften, SMS und Anrufe meiner Freunde haben mir verraten, dass das Thema nicht ganz irrelevant zu sein scheint

Als ich mit meinem kleinen Experiment beginne, ahne ich nicht wie viel Korrespondenz sich aus meinem kleinen Update entwickeln wird. Ich erhalte etliche Nachrichten - auch von Leuten bei denen ich dies gar nicht vermutet hätte. Fasten und unser Verhältnis zum Essen beschäftigt zahlreiche Menschen in allen Schichten in unserer Gesellschaft mehr als ich zunächst gedacht hatte.

7. Meine Gedanken gehen zu all jenen, die nicht freiwillig auf Nahrung verzichten

Das Fasten war in Summe eine positive Erfahrung für mich. Ich habe mein Essverhalten normalisiert und sehe nun deutlich gesünder aus. Gleichzeitig gehen meine Gedanken zu all jenen, die nicht freiwillig "fasten".

Für sehr viele Menschen ist es keine lustige Idee einmal eine Woche auf Nahrung zu verzichten. Sie müssen keine falschen Essgewohnheiten durchbrechen, sondern Ihnen fehlen seit Monaten oder gar seit Jahren grundlegendste Nähr- und Ballaststoffe - von Medizin einmal ganz zu schweigen.

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Anders als ich haben sie nicht mit etwas zu viel, sondern mit deutlich zu wenig Gewicht zu kämpfen. Pervers denke ich mir: Während im Westen alle damit zu kämpfen haben nicht zu verfetten, leben etliche Menschen in großem Mangel. Ein großes Problem. In den nächsten Wochen und Monaten werde ich überlegen, inwiefern ich hier einen kleinen Unterschied machen kann.

8. Zum Abschluss erzählt uns meine Mutter von Sven dem Hirsch und seinen Freunden

Zur Feier meiner erfolgreichen Fastenwoche lade ich meine Mutter und meinen Bruder zum Essen ein. Nichts da mit Brokkolisuppe. Wir begeben uns in ein gehobenes Restaurant - es gibt Steaks, Fisch und Artischocke. Während des Essens erzählt unsere Mutter uns von Sven.

Sven ist bekannt: als ein Prachtkerl von einem Rothirsch ist er aber gleichzeitig etwas ungewöhnlich. Anders als andere Rothirsche lebt er nicht im Wald mit seinen Artgenossen - seine Freunde sind eine Herde Kühe bei Flensburg und zwar auch während der Brunftzeit. Der Hirsch und die Kühe. Wir lachen herzlich.

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