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Der Flüchtlingsstrom ist keine Ice Bucket Challenge

26/08/2015 10:32 CEST | Aktualisiert 26/08/2016 11:12 CEST
Getty

Für viele ist der Flüchtlingsstrom noch so etwas wie die Ice Bucket Challenge letztes Jahr. Eine Modeerscheinung, bei der man wegen des guten Zwecks einfach irgendwie mitmachen muss: mit einem Video, mit einem Kommentar bei Facebook oder Twitter, mit einem Bild auf Instagram oder indem man sogar einmal ein Flüchtlingsheim besucht.

Die Wahrheit ist aber: 800.000 Flüchtlinge allein in diesem Jahr sind keine Ice Bucket Challenge. Mit einem Bild bei Facebook, einem Eimer Wasser oder einer Spende von 5 Dollar oder anderen symbolischen Gesten ist es nicht getan.

Vor uns liegt eine echte Aufgabe und diese Aufgabe geht erst dann richtig los, wenn der anfängliche Hype schon längst vorbei ist. Die Reaktion vieler Deutscher sich jetzt in den Sommermonaten zu engagieren ist löblich und ehrenwert.

Viele Ärzte, Studenten und Helfer aus allen Schichten der Bevölkerung haben sich mit ihren Fähigkeiten und ihrer Zeit eingebracht - Deutschland ist ein weltoffenes, tolerantes und hilfsbereites Land.

Wenn der Hype erst einmal vorbei ist, werden die echten Herausforderungen beginnen

Zugleich können all die jetzt zu besichtigenden Aktionen nicht auf Dauer angelegt sein, denn jeder muss irgendwann wieder einmal auf Arbeit gehen, der eigenen Familie Zeit geben oder sich erholen. Anders als in der Schweiz oder in Norwegen, dauert ein Asylverfahren bei uns nicht 48 h, sondern im Schnitt 5,4 Monate.

Viele der Menschen sind gekommen, um zu bleiben.

Wenn der Hype erst einmal vorbei ist, werden die echten Herausforderungen beginnen. Fakt ist: Pünktlich zur sich stetig verstärkenden „Völkerwanderung" - wie die CSU den Strom der zu uns kommenden Refugees nennt, kommt der Börsencrash und die Probleme des Euro treten immer offener zutage.

Der Dow Jones hat zum Wochenstart 1000 Punkte verloren, die chinesische Konjunktur bricht dramatisch ein, die USA sind von Kriegen und Umverteilungspolitiken noch immer geschwächt, Europa ist ein viel zu komplex gewordenes Gebilde ohne echte Handlungsfähigkeit - aber mit Millionen von Jugendarbeitslosen.

Die Zuwanderung ist in erster Linie eine gewaltige Chance

Fakt ist auch, dass sterbende und vergreisende Städte und Gemeinden, Massenschließungen und Landflucht einen traurigen Anblick bieten.

Die Einwanderung in unser Land ist deswegen in erster Linie eine Chance. Ohne massive Zuwanderung droht dieser Gesellschaft der demografische Kollaps innerhalb der nächsten 15 Jahre. Dann gibt es g-a-r k-e-i-n-e Zukunft.

Wer die Asyleinreise in unser Land nur für Christen möglich machen will - so wie das in Polen oder in der Slowakai diskutiert wird oder wer ständig gegen Ausländer poltert, der kann weder ein Christ (1), noch ein denkender Mensch (2), noch ein Demokrat sein (3).

Er oder sie kann im Übrigen auch nicht mein Freund sein.

Deutschland erlebt jetzt die historische Chance gewaltige demographische Fehlentwicklungen auszugleichen und eine Zukunft überhaupt möglich zu machen. 800.000 Zuwanderer allein in diesem Jahr sind aber keine Modeerscheinung, die sich vorwiegend auf den sozialen Netzwerken abspielt und wie ein kleiner Spass nach ein paar Wochen vorbei ist.

Die jetzt entstehenden Zustände erfordern eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. Mehr noch als alles andere brauchen wir jetzt die Regeln und Strukturen für das Einwanderungsland, das wir sind und sein müssen.

Wir benötigen die Schaffung eines intelligenten Einwanderungsgesetzes und die Anpassung bestehender Regeln im Inland.

Packen wir gemeinsam an, diese Aufgabe zu schultern und bestehende Herausforderungen zu lösen. Deutschland kann das.

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