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Vom Was zum Wie: Dialog fördern im kommunalen Klimaschutz

12/08/2015 14:56 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 11:12 CEST
ullstein bild via Getty Images

Der Klimawandel stellt uns vor die Herausforderung einer „Großen Transformation" (WBGU 2011). Was ist zu tun?

Um das Klima zu schützen, müssen wir deutliche Treibhausgaseinsparungen erzielen. Doch ist dies das einzige Ziel, das wir uns dazu vornehmen sollten? Nein, die Transformation greift tiefer. Sie konfrontiert uns mit der Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.

Deshalb setzt sich das Vorhaben „Klimaschutzdialog" (KSD) der Nationalen Klimaschutzinitiative grundlegend für eine dialogische Wende und kooperative Kultur im kommunalen Klimaschutz ein.

Auf dieser Grundlage können auch die anspruchsvollen Klimaschutzziele erreicht werden; „Prozessoptimierung, Kommunikation und Mobilisierung im (kommunalen) Klimaschutz", so der vollständige Untertitel des KSD-Projekts, sollen im Ergebnis zu konkreten Einsparungen von Treibhausgasemissionen führen.

Was nützen Beispiele ohne Gebrauchsanweisung für ihre Übertragung?

Ein Teilbereich des Klimaschutzdialogs befasst sich mit dem Austausch und dem Lernprozess zwischen Kommunen. Eine Fülle an Broschüren, Datenbanken und Wettbewerben bieten eine beeindruckende Vielzahl und Vielfalt guter Praxisbeispiele. Allein, sie sind nicht selbsterklärend.

Es gibt keine Gebrauchsanweisung für ihre Übertragung und Anwendung in der Praxis; stets müssen sie von den Kommunen erschlossen und angepasst werden. Auch die ‚beste' Praxis erschießt sich nur in dem konkreten Kontext.

Eines der zentralen Anliegen des KSD ist deshalb, den direkten Austausch zwischen Kommunen zu fördern. Im Dialog lassen sich die notwendigen Kontextinformationen nicht nur vergleichsweise mühelos erschließen, er führt darüber hinaus auch zu neuen Einsichten und eröffnet Handlungsmöglichkeiten und Kooperationswege.

„Fail Forward"

Zur Unterstützung des interkommunalen Austauschs hat sich die „Fail Forward"-Methode sehr bewährt. Sie ist so innovativ wie einfach: Nur auf Grundlage einer ehrlichen Einschätzung können Fehler begriffen und folglich vermieden werden.

Werden Fehler dagegen aus den Diskussionen ausgeklammert, wirken sie auch später noch hemmend. Weil der kommunale Klimaschutz ein komplexes Handlungsfeld ist und vielfach Neuland betreten wird, ist eine „Fehlerkultur" besonders wichtig: „Fail Forward". Bei dieser Methode handelt es sich gewisser-maßen um die „Weiterentwicklung durch Fehler"

Gemeinsam gilt es, vom ungeschönten Stand der Dinge auszugehen.

Ein positiver Umgang mit Fehlern bedeutet, proaktiv aus „Schaden" klug werden zu wollen. Für die unter engen rechtlichen Vorgaben arbeitenden Verwaltungen stellt dies eine enorme Herausforderung dar. Voneinander zu lernen kann hier ein wichtiger Schritt sein.

Um in einer Kooperation zwischen Kommunen beispielsweise das erste Eis zu brechen, kann eine Kommune mutig vorangehen, und von dem berichten, was nicht funktionierte. Von hier aus gilt es, dann zusammen den Weg nach vorne anzutreten, die Situation zu analysieren und Lösungen zu erarbeiten.

In Nordamerika, wo man etwas entspannter mit Fehlern umgeht, hat die Kanadierin Ashley Good „Fail Forward" als Workshop-Methode etabliert. Sie verweist auf Vertrauen als notwendige Ressource.

Um einen vertrauensvollen, geschützten Raum zu ermöglichen, bieten sich gemeinsam etablierte Regeln an (wie die „Chatham House Rules", nach der Inhalte frei zur Weitergabe stehen, aber Namen und Affiliationen nicht genannt werden sollten). Doch Vertrauen gedeiht nicht nur im Schutz, sondern vor allem dort, wo man den Mut aufbringt, vom Boden der Tatsachen auszugehen - und sich gemeinsam den Herausforderungen zu stellen.

"We must establish a culture where it is acceptable to have failures"

In gemeinsamer Vorbereitung mit Ashley Good hat der KSD in einem Workshop auf der ICLEI Resilient Cities-Konferenz im Juni 2015 die Fail Forward-Methode eingesetzt: Dazu berichtete Lykke Leonardsen, Leiterin der Klimaschutzabteilung der Kopenhagener Stadtverwaltung, zunächst von den bemerkenswerten Fehlschlägen, die selbst in dieser Vorreiterstadt aufgetreten waren. Ziel von Leonardsens Abteilung ist es, Kopenhagen zur ersten, komplett klimafreundlichen Stadt zu transformieren.

"[Therefore] we must establish an organizational culture where it is acceptable to have failures - if you are trying to do what hasn't been done before, you are bound to have failures." Nach ihrem Impulsvortrag fanden sich die TeilnehmerInnen jeweils zu zweit zusammen, um aus ihren Kommunen zu berichten. Schließlich wurde im Plenum rege über die Erfahrungen und Erkenntnisse diskutiert.

Irrwege riskieren, "(Miss)Erfolgspartys feiern"

Die Transformation zu einer klimafreundlichen Welt ist ein komplexer Prozess und erfordert die Bereitschaft, Wege zu erproben, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu Lernen. Wie Leonardsen betonte, müssen wir auch Irrwege riskieren.

Es bedarf einer verantwortungsvollen und zugleich fehlertoleranten Kultur. Notwendige Reflexions- und Anpassungsschritte von vornherein in Projektstrukturen anzulegen, muss selbstverständlich werden.

Dabei kann man auf bereits bekannten Verfahrensschritten aufbauen. Dazu zählen das „Setzen von Meilensteinen", die „Feedbackrunde nach Projektende", „gewissenhafte Evaluierung" beziehungsweise „die Entscheidung einen Schlussstrich zu ziehen, bevor das Desaster noch größer wird".

Leonardsen ergänzte diese erprobten Instrumente um die neuen Vorschläge „(Miss)Erfolgspartys feiern" und "Erstellung eines Fehlerberichts [bzw. „failure diaries"] für das kollektive Gedächtnis der Organisation".

Natürlich fällt es dabei einer erfolgreichen Stadt wie Kopenhagen einfacher, von den eigenen „Fehlern" zu sprechen - aber anwenden lassen sich solche Ansätze auch auf Partnerschaften zwischen Städten, Gemeinden und Kreisen.

Eine der wichtigsten Plattformen für den Klimaschutz auf lokaler Ebene

Eine besonders gute Gelegenheit für Austausch und Vernetzung bietet die International Conference on Climate Action (ICCA): Am 1. und 2. Oktober 2015 werden in Hannover Kommunen und Akteure zusammentreffen und intensiv über die Rahmenbedingungen für erfolgreichen kommunalen Klimaschutz diskutieren. Die ICCA2015 bietet somit eine der wichtigsten Plattformen zur Umsetzung von Klimaschutz auf lokaler Ebene vor dem UN-Klimagipfel in Paris.

Dabei sollen zum einen Erfolgsfaktoren im kommunalen Klimaschutz herausgearbeitet und ausgetauscht werden. Zugleich wird in allen Workshops auch gefragt: „Was hat nicht funktioniert?" „Wie können wir daraus lernen - und es besser machen?" Es sind diese kleinen, aber wichtigen Schritte für die ‚Große Transformation'.

"Wenn Du schnell gehen willst, geh' alleine. Wenn Du weit kommen willst, geh' gemeinsam." - Afrikanisches Sprichwort


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