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Mitte 20 und total verzweifelt: Warum die Lebenskrise bei der Generation Y so früh kommt

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SAD HIPSTER
Everste via Getty Images
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Man sollte meinen, dass es möglich ist, zumindest bis zur Midlife-Crisis durchzuhalten, ehe Sinnkrisen einem die Laune vermiesen. Unsere Generation schafft es allerdings schon in der bekanntlich schönsten Zeit des Lebens, der Studienzeit, das Haar in der Suppe zu finden oder vielmehr ein ganzes Wollknäuel.

Wir -- Generation Y-Angehörige -- ziehen nach der stressigen Schulzeit (die andere bekanntlich schönste Zeit des Lebens bezeichnen) mit immer stärker konzentrierten Lehrplänen die Midlife-Crisis vor und nennen das Ganze dann revolutionär: Quarterlife-Crisis.

Egal, ob einem der Name Begriff ist oder nicht. Für die Mittzwanziger kommt das Problem in mannigfaltiger Gestalt. Der Lebenswegsuchende -- und in diese Schublade lasse auch ich mich stecken -- sieht sich allerlei Ratschlägen gegenüber.

Die Gedanken, die mir helfen, geholfen haben oder womöglich noch helfen könnten, möchte ich an dieser Stelle gerne teilen und dabei auf vier Teilaspekte des Problems eingehen.

1. Die Zukunft naht

Und diese Vorstellung gefällt uns gar nicht. Schwierigkeiten bereitet nicht unbedingt die Entscheidung als vielmehr eine unangenehme Eigenart dieser: Das Ausschließen anderer Optionen. Wir haben uns hart eine Vielzahl an offenstehenden Alternativen erarbeitet. Jetzt leichtfertig allen außer einer den Rücken kehren? Niemals!

Ein Gedanke, der mir dabei geholfen hat, mich für eine Alternative zu entscheiden und damit andere auszuschließen: Bewusstsein darüber, dass es "die" Zukunft nicht gibt.

Die Zukunft ist kein bestimmter Arbeitsplatz, kein feststehender Ort und kein unabänderbares Verdikt, welches uns von irgendeiner äußeren Macht mit dieser Entscheidung auferlegt worden ist.

Bewahrt man sich die Selbstreflexion und ermöglicht so weitere Veränderungen, dann steht jetzt zwar eine wichtige Entscheidung an, im Endeffekt kann man daraus jedoch nur eine neue Erfahrung ziehen, ob dies der richtige Schritt für einen war oder eben nicht. Eins sollte allerdings klar sein: Der gewählten Alternative sollte man eine echte Chance geben.

Ergo: Die Zukunft bleibt weiterhin ein kontinuierlicher Reflexions- und Adaptionsprozess. Die-- mit der Entscheidung, hier und jetzt und dann bis an unser Lebensende weitergehende -- Zukunft gibt es nicht.

2. Die Frage nach dem Sinn

Dazu gesellt sich noch die -- für unsere Generation namensgebende -- Frage nach dem "Why". Man will nicht einfach nur arbeiten, es soll noch einem größeren Sinn dienen, zumindest aber muss man sich dabei persönlich entfalten können und zudem sollte es meinen individuellen Fähigkeiten entsprechen.

Das Gute daran ist: Hier muss man einfach nur auf sich selbst hören.

Das Schlechte: Manchmal hat man das Gefühl, in diesem Fall doch unter einer Hörbehinderung zu leiden.

Jedoch steht eine Vielzahl an sinnstiftenden Hörgeräten zur Auswahl, die zumeist in unterschiedlichen Variationen versuchen, die Beantwortung der Frage nach dem ganz persönlichen "Why" zu erleichtern.

Drei Fragen, die dabei hilfreich sein können: Wie sieht mein idealer Durchschnittstag aus?

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Jeden Tag nur am Strand liegen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen, ist auf Dauer nicht sonderlich erfüllend. Das ist Urlaub und kann auch eine schöne und antreibende Vorstellung sein.

Entscheidender ist aber die Frage: Wie würde ich mir meinen optimalen durchschnittlichen Tag malen? Wann stehe ich auf? Welche Kollegen treffe ich und wie gestaltet sich der Kontakt mit ihnen? Womit verbringe ich meine Zeit?

Zusammenfassend: Was ist mir wichtig im Leben und wie spiegelt sich das in meinem Alltag wider? Oder aber: Wie sieht mein idealer Durchschnittstag aus?

Womit verbringst du deine freie Zeit?

Womit beschäftigst du dich nach der "Arbeit"? In meinem Fall war es so, dass ich zusätzlich zu meinem Studium zu diversen Themen -- wie Optimierungsprozessen, Neurowissenschaften, Ernährung und anderem -- noch YouTube-Videos gesehen und Bücher gelesen habe.

Sind die verschiedenen Interessensgebiete einmal ausgemacht, liegt es an dir Gemeinsamkeiten auszumachen und möglichst viele davon auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Wofür warst du in deiner Kindheit bekannt?

Die Idee dahinter ist, dass man damals noch mehr eigenen Interessen "gefröhnt" hat und weniger gesellschaftlich manipuliert war. Wichtig auch hier: Der Sache auf den Grund gehen. Nicht aufhören mit: "Ich habe gerne mit meinen Freunden gespielt." oder: "Ich war der Klassenclown." Was lag dahinter?

Wieso hast du dich so verhalten? Was wolltest du damit kaschieren oder zum Ausdruck bringen? Welchen Spitznamen hattest du und wie hat er sich für dich angefühlt und wieso? Worauf hast du dich am Abend zuvor schon gefreut und wieso? Ihr merkt: Das Warum ist entscheidend, um sein "Why" zu finden. Wer hätte es gedacht.

3. Der vorzeige Sündenbock: Social Media

Social Media ist prinzipiell an allem Schuld. Somit auch an unserer Quarterlife-Crisis. In diesem Zusammenhang ist das Problem mit Social Media, dass es bei Facebook-Freunden so aussieht als hätten sie alles bereits in trockenen Tüchern. Ihre Entscheidung ist getroffen.

Die alten Schulfreunde haben entweder bereits eine feste Stelle, machen gerade ein Praktikum oder studieren halt noch. Aber die haben keine Zweifel. Bekannte posten Fotos von der Abgabe ihrer Bachelor- oder Masterarbeit mit #Bachelorthesis, aber nicht mit #eigentlichkeinPlanwasichjetztdamitanfangensoll.

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, um das subjektive Einsamkeitsempfinden einzuschränken. Erstens der Start der #eigentlichkeinPlanwasichjetztdamitanfangensoll-Bewegung, bei der alle ihre Profilbilder mit einem dickem ? in 50%iger Transparenz im Wasserzeichenlook überspielen.

Die zweite -- von mir präferierte -- Möglichkeit wäre "planvoll" wirkenden Kommilitonen, Freunden und Bekannten gegenüber zuzugeben, was in einem vorgeht. Mitzuteilen, dass die jeweilige Person auf einen selbst so zielgerichtet und fokussiert wirkt, und dann zu fragen, wie sie dazu gekommen sind.

Das wird zur Folge haben, dass man einerseits überraschend häufig erfährt, dass die Person genau die gleichen Gedanken beschäftigen, und andererseits in den anderen Fällen womöglich hilfreiche Ratschläge bekommt, wie die Personen "ihr Ding" gefunden haben.

4. Der Klassiker: Off-time

Heikles Thema, dem ich sehr skeptisch gegenüber stehe. Einerseits habe ich eine vermutlich bereits genetisch veranlagte Abneigung gegen solch weder effiziente noch effektive Zeiten, die durch ein wirtschaftwissenschaftliches Studium noch weiter gefördert wurde.

Andererseits muss ich widerstrebend zugeben: Das Bewusstwerden über zufriedenstellende Lebenswegsuchungsprozesse fand auch bei mir in diesen Zwischenphasen statt. In der Zeit, in der ich mich aktiv damit beschäftigt habe.

Das heißt: Richtig angewandt können sie wohl doch was bringen.

Da ich aber starrköpfig an meinem Effizienz- und Effektivitätsdenken festhalte, gebe ich lieber Hinweise, wie ihr eure Off-time zumindest halbwegs effizient nutzt:
Stellt euch Fragen (siehe oben) und beantwortet sie.

Je nach Introversions- oder Extroversionsgrad ist es sogar erlaubt, dies in Verbindung mit anderen Menschen zu praktizieren, aber beantwortet sie. Ehrlich.

Wenn ihr nicht Marcel Proust heißt, dann verbringt eure Off-time nicht nur in eurem Bett, sondern unternehmt etwas. Off-time heißt nicht bis 3 Uhr morgens YouTube-Videos schauen.
Spielt einige Möglichkeiten realistisch im Kopf durch. Stichwort: Durchschnittstag.

Handy weg. Gedanken nicht vom nächsten Pop-Up am Screen lenken lassen, sondern selbst denken. Naheliegend, wenn man etwas über sich selbst herausfinden will.

Verschafft euch aktiv einen Überblick zu euren Alternativen: Fragt Menschen nach ihrem Alltag und ihren Erfahrungen, nutzt Möglichkeiten wie das Arbeitsamt, lest Bücher zu einem Thema, ...
Was mir letztendlich bleibt, ist, erstens zu sagen, dass ich auch schlicht und ergreifend dazu übergegangen bin, den Status des Lebenswegsuchenden zu akzeptieren und auszukosten so gut es geht.

Zweitens deutet schon das 1.0 der Überschrift darauf hin, dass ich kostenlos die Beta-Version der Ahnung an die ersten User versenden wollte und dementsprechend alle Angaben ohne Gewähr gemacht wurden.

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