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Anleitung zum Leben mit Nicht-Minimalisten und Kindern

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Jodie Griggs via Getty Images
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Hier also die ultimative Anleitung wie ihr als Minimalisten mit Menschen zusammen leben könnt, die es nicht sind. So mancher wünscht sich ja einen 10 Punkte Plan, wie man seine Mitmenschen zu Minimalisten macht. Dann passt mal gut auf.

Als ich meine Partnerin kennen lernte, war ich schon seit drei Jahren dabei meinen Haushalt auszumisten. Ich war gerade bei dem Kinderspielzeug angekommen. Bis auf einen einziges Teil, habe ich sämtliches Kinderspielzeug bei Ebay verkauft. Die Ratschläge meiner Eltern und meiner Mitmenschen hatte ich natürlich in den Wind geschlagen. Was ist denn, wenn ich selbst einmal Kinder haben sollte? Die üblichen Einwände eben.

Meine Partnerin selbst habe ich als (wie drücke ich das aus) weniger aufgeräumt kennen und lieben gelernt. Ich mochte den Gedanken als Minimalist damit entspannt umgehen zu können. Außerdem würde mein genialer Lebensstil ja ohnehin bald auf sie abfärben.

Heute, neun Jahre später. Meine Partnerin noch immer (wie drücke ich das aus) sehr reich an Besitztümern aller Art. Wir: Ein gemeinsames Kind (Mädchen), das gerade mit den Unmengen an geschenkten Spielzeug auf dem Wohnzimmerboden beschäftigt ist. Ich: Habe so wenig eigenen Besitz wie noch nie in meinem Leben und wohne doch in einer großen Wohnung, die mir manchmal etwas voll gestellt erscheint.

Hier und jetzt also die Weisheiten meines bisherigen Lebens als Minimalist mit Frau und Kind:

1. Es kann sein, dass euer Partner sich von eurem Minimalismus anstecken lässt. Muss aber nicht sein.

2. Seinen eigenen Minimalismus (oder andere Weltanschauung) dem eigenen Kind aufzuzwingen, ist gefährlicher Mist. Lasst das sein. Es wäre ein sinnloser Kampf, denn ihr selbst wart wohl kaum als Kinder schon Minimalisten. Gebt euren Kindern die Chance, das selbst zu entdecken. Außerdem ist Vorleben (Lernen am Modell) die stärkste Art der Erziehung.

3. Lebt den Minimalismus für euch und euer Leben und seid glücklich darüber, wenn euer Partner Teile davon mit für sich übernimmt. Meine Partnerin ist mir so lieb in Puncto Minimalismus, weil sie den ganzen Kram nicht bräuchte, wenn es darauf ankäme.

4. Minimalismus nicht so verbissen sehen. So mancher übertreibt es maßlos. Man kann natürlich 80 Prozent der Bevölkerung der westlichen Industrieländer als blöde Schafe betrachten, die brav vor sich hin konsumieren und hätte damit vermutlich auch recht. Die sind dann alle Schuld am Weltuntergang usw. Glücklich macht einen das aber nicht. Ich sehe das mittlerweile etwas egoistischer. Ich freue mich darüber, wenn alle anderen ihre Kraft und ihr Geld für Blödsinn ausgeben, denn je schwieriger alle anderen sich ihr Leben machen, desto leichter ist mein eigenes.

5. Bevor ihr jemanden anderen vom Minimalismus überzeugen wollt (ungefragte Ratschläge kommen übrigens meistens nicht gut an), fragt euch, ob ihr selbst schon ganz fertig seid mit eurer Mission. Denn weniger geht doch irgendwie immer.

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Aber wie geht man denn jetzt damit um, wenn der Partner und die Kinder einem die Wohnung zumüllen? Ganz einfach: Findet euren eigenen Weg. Es ist doch klar, dass es keine ideale Lösung oder Anleitung gibt, die für jeden gilt.

Humor hilft mir beim Minimalismus

Es hat sich aber als günstig erwiesen, humorvoll an die Sache heranzugehen. Das garantiert lebenslanges Lernen. Das fällt mir nämlich bis heute schwer. Na klar nerven all die Dinge, die erst angeschafft werden und die dann vergammeln, verstauben und nur rumstehen, die Schubladen voll machen und den Gedanken an einen Umzug zu einem Höllentrip in Gedanken machen.

Aber tatsächlich fühle ich mich nur äußerst selten in der Stimmung, mich um diese zugestaubten Dinge zu kümmern. Und manchmal mache ich dann doch die welken Blätter an den Palmen ab oder wische den Staub von den schweren Wohnzimmermöbeln. Liebe bedeutet manchmal eben auch Dinge zu tun, die man selbst nicht will, aber dem anderen Freude bereitet.

Daher habe ich innerlich auch laut lachen können, als meine Freundin mir vor ein paar Tagen einen Gürtel geschenkt hat, weil ihr ein brauner Gürtel an mir gut gefallen würde (vergleiche „Was schenkt man einem Minimalisten").

Ich würde mich über eine angeregte Diskussion in den Kommentaren sehr freuen.

Der Autor des Beitrags betreibt den Blog marco-mattheis.com.

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