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Technology Excellence: Roboter und Künstliche Intelligenz verändern die Gesellschaft (Teil 2)

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Im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. August-Wilhelm Scheer: Er ist einer der prägendsten Wissenschaftler und Unternehmer der deutschen Wirtschaftsinformatik und Softwareindustrie.

Als Unternehmer und Protagonist der Zukunftsprojekte „Industrie 4.0" und „Smart Service World" der Bundesregierung arbeitet er aktiv an der Ausgestaltung der Digital Economy. Prof. Scheer hat mehrere IT-Unternehmen mit den Schwerpunkten Software-Entwicklung und IT-Beratung gegründet.

Das Flaggschiff-Unternehmen der Scheer Gruppe ist die Scheer GmbH, die als Consulting- und Software-Haus Unternehmen bei der Entwicklung neuer Businessmodelle, bei der Optimierung und Implementierung effizienter Geschäftsprozesse sowie beim verlässlichen Betrieb ihrer IT unterstützt.

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Foto und Copyright: August-Wilhelm Scheer

Wie verändert Digitalisierung Produktions- und Arbeitsprozesse in Unternehmen?

Die Digitalisierung schafft neue Arbeitsformen. Homeoffice ist in vielen Unternehmen bereits Standard. Nicht mehr die Anwesenheit ist Grundlage der Entlohnung, sondern die erbrachte Leistung; wann und wo sie auch immer erzielt wird.

Der Mitarbeiter erhält einen Vertrauensvorschuss auf seine Loyalität. Der Anteil von freelancern und Mitarbeitern mit geringer Teilzeit wird steigen.

Durch die Standardisierung vieler Arbeitsmittel wie Computer und Anwendungssoftware können sich Mitarbeiter schneller in neue Projekte einarbeiten.
Mitarbeiter werden gleichzeitig mehrere Arbeitsverhältnisse haben, an start-ups beteiligt sein oder abends noch zwei Stunden bei UBER „Taxi" fahren.

Welche Rolle wird dabei RPA, also Robotic Process Automation, spielen? Welche weiteren Technologiekonzepte werden an Bedeutung gewinnen?

Geschäftsprozesse in Unternehmen werden weiter automatisiert. Neben den in den letzten vierzig Jahren durch ERP- Systeme unterstützten allgemeinen Anwendungen werden auch immer mehr unternehmensspezifische Aufgaben betrachtet, d.h. der „long tail" der betrieblichen Aufgaben gerät in den Fokus.

Hierfür werden zunehmend interessante Konzepte und Software entwickelt. Dazu gehört Robotic Process Automation als das derzeit bekannteste Konzept. Es geht darum, menschliche Arbeitsleistung am Computer durch Software-Roboter zu ersetzen.

Hierzu werden die Tätigkeiten des Menschen analysiert, die Regeln, nach denen der Mensch die Tätigkeit ausführt, identifiziert und dann durch ein Computerprogramm (Bot) ersetzt. Der Mensch beschäftigt sich dann nur noch mit den Ausnahmefällen, die von den Regeln nicht abgedeckt sind. Durch Einsatz von Spracherkennung der KI können z.B. so in Telekommunikationsunternehmen Kundengespräche automatisiert werden. Der Kunde spricht z.B. mit einem Software-Roboter, um einen Wartungstermin für eine Problemlösung zu vereinbaren.

Mit Hilfe von Process Mining werden regelmäßig die Ausführungsdaten abgelaufener Geschäftsprozesse analysiert, um Ansatzpunkte für Verbesserungen zu finden.

Gleichzeitig wird die Einhaltung von Geschäftsregeln (Compliance) automatisch überprüft und Betrugsverdacht verfolgt. Bei dem online Process Mining werden dem Bearbeiter bei Fehlern Hilfestellungen gegeben und analog einem Autonavigationssystem gezeigt, wie lange die Prozessbearbeitung noch dauert und wie der günstigste Weg für die Weiterbearbeitung ist, um den zugesagten Endtermin zu erreichen.

Wie wird die erfolgreiche Implementierung neuer Technologien in Organisationen und Unternehmen konkret aussehen?

Dies lässt sich am vorgenannten Beispiel von RPA recht eindrucksvoll erläutern. Roboter arbeiten selbstständig rund um die Uhr, zeigen keine Ermüdung, arbeiten fehlerfrei, in gleichbleibender Qualität, können ihre Arbeit vollständig dokumentieren und sind im Rahmen ihrer Funktionalität flexibel auf neue Tätigkeiten zu trainieren.

Vor dem Hintergrund dieser Eigenschaften werden mit dem Konzept Robotik Process Automation nun auch für Verwaltungsfunktionen Roboteransätze entwickelt.

Zwar sind in vielen betrieblichen Funktionen wie Logistik, Einkauf oder Vertrieb durch den Einsatz von IT viele Bearbeitungsschritte automatisiert worden, sie benötigen aber immer noch für die Bearbeitung von Sonderfällen, das Treffen von Entscheidungen, die Verknüpfung von Daten aus unterschiedlichen Medien sowie die Klärung von Fehlern usw. den menschlichen Einsatz. Um weitere Rationalisierungserfolge zu erzielen, wurden in den letzten zwei Jahrzehnten viele Routineanwendungen in sogenannte Billiglohnländer „outgesourced".

Geeignete Anwendungen hierfür sind z.B. die Steuerung von IT-Systemen, Lohnabrechnung, Finanzbuchführung oder Einkauf. Sie sind stark durch Regeln definiert und Mitarbeiter können leicht eingewiesen werden. Hier setzt auch das Prinzip von RPA an. Einfache Anwendungsfälle, die sich häufig wiederholen, in großer Zahl anfallen, durch gesetzliche oder Geschäftsregeln gesteuert werden und nur wenige, unbedingt von Menschen zu bearbeitende Ausnahmen enthalten, können einer weiteren automatischen Bearbeitung zugeführt werden. Der menschliche Bearbeiter wird dann in weiten Teilen, wie in der Fertigung, durch einen Roboter ersetzt.

Die Anwendung von RPA ist derzeit noch nicht generell im Unternehmensalltag angekommen. Immer mehr erfolgreiche Projekte weisen jedoch den Weg und machen deutlich, dass ein neues Softwarekonzept zur Unternehmenssteuerung entsteht, das die Dgitalisierungsstrategie der Unternehmen stark bestimmen wird. In dieser neuen, von Robotern und Künstlicher Intelligenz geprägten Arbeitswelt werden sich die Menschen zunehmend auf Aufgaben konzentrieren, die mit der Lösung von Problemen, der Umsetzung von Aktivitäten, der Entwicklung und dem Einsatz von Kreativität zusammenhängen. Die Herausforderung ist nun, Menschen für das digitale Zeitalter zu qualifizieren. Der Erwerb digitaler Kompetenzen wird zu einem zentralen Faktor für die erfolgreiche digitale Transformation in Deutschland.

Die Beratung ist traditionell ein zutiefst menschenzentriertes Segment der Dienstleistungsbranche - revolutioniert moderne Technologie auch hier Angebote und Prozesse?

Ja, Beratungsleistungen werden stärker digitalisiert werden und führen dadurch dann zu neuen Arbeitsformen.

So werden Spezialisten über entsprechende Plattformen leichter gefunden und für kleinere Arbeitspakete ad hoc in Anspruch genommen. Die Spezialisten werden bewertet und bieten sich damit den Interessenten transparent an. Dadurch kann ein festes Kernteam bei einem Beratungsprojekt ständig durch geeignete Spezialisten ergänzt werden.

Alle Arbeitsergebnisse stehen den Beteiligten in einer Projektdatei zur Verfügung und werden ständig aktualisiert. Viele Tätigkeiten werden durch Videokonferenzen ortsunabhängig erledigt, so dass Reisekosten gesenkt werden. Ergebnisse können durch Virtual Reality- Techniken realitätsnah präsentiert werden.

Durch Monitoring und Process Mining der Systeme des Kunden können Beratungsleistungen im Abonnement bezogen werden, so dass die Erkennung des Beratungsbedarfs zur Aufgabe des Beraters wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

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