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Sustainable Technologies: Nachhaltige Antriebstechnologien mit der Oswald Elektromotoren GmbH

23/09/2017 14:27 CEST | Aktualisiert 23/09/2017 14:27 CEST

Im Gespräch mit Johannes Oswald: Er ist Experte für nachhaltige Innovationen im Bereich elektrische Antriebstechnologien und Geschäftsführer der Oswald Elektromotoren GmbH. Zusammen mit seinem Vater Bernhard Oswald steht er für revolutionäre Entwicklungen im Bereich Elektromotoren.

Herr Oswald wurde dafür mit dem renommierten Deutsche Umweltpreis, der höchstdotierten Umweltauszeichnung in Europa ausgezeichnet. Für die beiden Innovatoren und Visionäre gilt das Elektroauto als Auto der Zukunft, da es umweltentlastend, geräuschlos und antriebsstark ist. Der Technologie-Trendsetter und Ingenieur Johannes Oswald hat Elektrotechnik mit Schwerpunkt Energietechnik studiert.

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Foto und Copyright: Johannes Oswald

Herr Oswald, stellen Sie doch sich und Ihre Arbeit kurz vor.

Ich bin ein Familienmensch, Teamplayer und vielseitig interessiert. Innovation und Entwicklung machen mir viel Spaß, der Zeitgeist in dem ich groß geworden bin ist eindeutig die grüne Idee. In der Arbeit bin ich Organisator, Entscheider, Innovator oder auch Streitschlichter. In meinem Unternehmen arbeitet ein geniales Team aus Ingenieuren, Technikern, Handwerkern und Kaufleuten.

Meine Mitarbeiter vertrauen mir und ich vertraue ihnen. Kurze Wege, große Entscheidungsspielräume, Flexibilität im Kopf und beständige Bereitschaft zum Wandel kennzeichnen unsere Arbeit. Meine Entscheidungen fallen irgendwo im Spannungsverhältnis zwischen Intuition und kühlem Kopf. 24 Jahre Motorenentwicklung und -bau lehren mich: „Der Laden läuft, solange wir mit Begeisterung am Puls der Zeit sind.

Beständig gibt es Dinge zu entdecken und umzusetzen: Neue Materialien, bessere Verfahren, einfachere Strukturen, bessere Automatisierung, intelligentere Software. Am liebsten machen wir vieles selber. Selber und natürlich besser als der ‚state of the art'. Dazu gehört das Vertrauen diese Welt mitgestalten und nicht nur konsumieren zu können: „Mutig machen ist allemal besser als zögerlich nur wollen - und es darf auch mal was schief gehen".

Ich glaube, ich bin ein Menschenfreund, das ist für mich eine Grundvoraussetzung für jede Personalpolitik und fürs Unternehmersein. Vor allem begeistern mich Interesse, Mut und Freude unserer jungen Mitarbeiter an ihren jeweiligen Aufgaben. Nachdem wir alle viel Zeit in der Arbeit verbringe lautet mein erklärtes Motto: „Arbeitszeit ist Lebenszeit.

Wer keinen Spaß an den täglichen Aufgaben hat sollte dringend etwas daran ändern. Dabei lohnt sich neben dem Blick nach außen vor allem ein erster Blick nach innen. Diesem gilt mein besonderes Interesse z.B. mit den Fragen, Warum sind wir Menschen so wie wir sind und was hat uns die Evolution mit auf den Weg gegeben?"

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Vor einigen Jahren hatte ich die Gelegenheit im Rahmen des BKU mit einer interessanten Runde von Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete ein Positionspapier zur Nachhaltigkeit zu erarbeiten. Das für mich beste Ergebnis ist der daraus entstandene Unternehmer - Nachhaltigkeitsspiegel. Hier haben wir kritische Fragen zur Nachhaltigkeit zusammengestellt, die mich immer wieder neu anregen und nach Lösungen suchen lassen.

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass wir die drei Säulen der Nachhaltigkeit Ökonomie, Ökologie und Soziales als Einheit verstehen müssen um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Jeweils eines ohne die anderen führt in die Irre. Weltpolitisch gehören diese drei durch den erklärten Willen zum Frieden und einem „Mehr" an Gerechtigkeit ergänzt.

Im Unternehmensalltag geht es um ein faires und menschenwürdiges Arbeiten und Miteinander. Die einfachste soziale Frage im Unternehmensalltag richtet sich an den Unternehmer, an mich selbst: „Was brauche ich, was wünsche ich mir oder was fehlt mir, um mich an meinem Arbeitsplatz wohlzufühlen?

Ganz ähnliche Bedürfnisse haben meine Mitarbeiter auch und ich kann mir überlegen, wie ich sie erfülle. Beim Umgang mit Ressourcen, Flächenverbrauch und Energie ist der einfachste Blick, der auf unsere Fauna und Flora. Alles wird wiederverwendet, nichts wird verbraucht. Ein derartiger Blickwinkel verändert heute unsere technischen Ansätze und muss langfristiges unser Ziel sein. D.h. im Unternehmensalltag in Kreisläufen denken, wirtschaften und handeln.

Als letztes die Ökonomie: Ich habe nichts gegen Wachstum, Umsatz und Gewinn, sonst hätte ich meinen Beruf verfehlt. Wenn sich unsere Ziele oder unsere Moral jedoch auf diese drei Messgrößen zu sehr fokussieren oder gar beschränken, machen wir sicher etwas falsch.

Wie sieht die Strategie im Bereich Nachhaltigkeit bzw. Nachhaltigkeitsmanagement bei Oswald aus?

Für uns heißt das zunächst den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen indem wir im Unternehmensalltag Umwelt-, Energie-, Wertstoff- und Abfallmanagement ernst nehmen. Wichtig und gleichzeitig vielfach furchtbar bürokratielastig. Wir machen all das, aber wem macht es schon Vergnügen, Vorschriften zu erfüllen?

Deshalb tun wir gerne einiges darüber hinaus. Immer verbunden mit der Gefahr, dass gute Beispiele vom Monster Bürokratie vereinnahmt und mittelfristig zur Vorschrift werden. Was tun wir konkret über die Regelwerke hinaus? Dieses Jahr haben wir einen ambitionierten Nachhaltigkeitsbericht verfasst, ohne dass uns jemand dazu aufgefordert hat. Derzeit automatisieren wir unseren Umgang mit Metallspänen in der mechanischen Werkstatt, so dass die Luft noch besser wird, sich die Sauberkeit erhöht und die Arbeit einfacher wird.

Seit langem visualisieren unsere Energieverbräuche für uns und unsere Mitarbeiter und können inzwischen interessante Optimierungen vornehmen. Prozesswärme erzeugen wir seit Jahren mit Kraftwärmekopplung. Wir fördern aktiv das Radfahren bei unseren Mitarbeitern. Ok, das waren ein paar Beispiele.

Aus der Überzeugung heraus, dass Waffen nur selten den Frieden fördern, tatsächlich jedoch beständig neues Leid, Vertreibung, Terror und Umweltzerstörung verursachen, beteiligen uns an keinen Rüstungsprojekten.

Weshalb gehören die Themen Nachhaltigkeit und Elektromotoren zusammen und sind für Unternehmen und die Gesellschaft von so entscheidender Bedeutung?

Verschiedene Studien zeigen auf, dass etwa 30% des europäischen oder auch deutschen Energieverbrauchs auf den Einsatz von Elektromotoren zurückzuführen sind. Sie bilden eine wesentliche Grundlage unserer Wirtschaft und unseres Wohlstandes, indem sie pumpen, heben, pelletieren, pressen, mischen, bohren, schneiden, waschen etc.. Die Studien kommen zu dem Schluss, dass durch den Einsatz drehzahlvariabler Motoren und energieeffizienterer Normmotoren deutliche Einsparungen erreicht werden können.

Wir bedienen ein drittes äußerst effektives Feld, indem wir bestehende Hauptantriebe von Industriemaschinen, Energieanlagen und mobilen Fahrzeugen zu Wasser und zu Land durch Torquemotoren, also Direktantriebe, ersetzen. Typischerweise ersetzen wir Getriebemotoren, Riemen- oder Hydraulikantriebe. Das Ergebnis ist branchenübergreifend ähnlich.

Die Effizienz oder Produktivität steigt enorm und die Energieverbräuche fallen im zweistelligen Bereich, typischerweise zwischen 20% und 60%. Es freut uns ganz besonders, dass unsere Produkte massiv zur Energieeinsparung und Ressourcenschonung auf dieser Welt beitragen. Für unseren Nachhaltigkeitsbericht haben wir vielfach gerechnet und kommen, abzüglich aller Verbräuche zur Motorherstellung auf eine Jahresersparnis von ca. 1,5 Terawattstunden. Das entspricht etwa dem persönlichen Energieverbrauch von etwa einer Million deutschen Bürgern pro Jahr.

In welchen Bereichen ist Oswald Weltmarktführer und wie haben Sie das erreicht?

Das sind die eben erwähnten Hauptantriebe für Maschinen. Sucht man z.B. Torquemotoren im Bereich von 10.000 bis 200.000 Nm, oder 300kW bis 3MW so kommt man kaum an uns vorbei. Mit 180 Mitarbeitern produzieren wir jährlich etwa 2000 - 3000 Motoren. Damit statten wir einen nicht unerheblichen Teil der weltweiten Produktionsmaschinen aus.

Das Erfolgsgeheimnis unserer Produkte lässt sich am einfachsten mit ein paar Schlagworten beschreiben: Innovation, Kundenorientierung, Kleinserie, Konzentration und Spezialisierung auf ein Produkt, kombiniert mit Flexibilität, Mut und Entscheidungsfreude. Fehlt nur noch eine Portion Gottvertrauen und Glück. Damit sind wir ein typischer deutscher Mittelständler ein klassisches Familienunternehmen.

Von dieser Art gibt es zahllose innovative Firmen in Deutschland, die beständig und mutig an technischen Verbesserungen arbeiten. Sie bilden einen wesentlichen Teil unseres sehr erfolgreichen Maschinenbaus. Ein Segment unserer Marktwirtschaft, das typischerweise nachhaltig ist, denn wir stehen persönlich für unseren Produkte, denken langfristig und Energie- und Materialeinsparung fördern unseren wirtschaftlichen Erfolg. Wenn Marktwirtschaft dann noch sozial ausgerichtet ist und die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen geeignete Leitplanken bilden, haben wir schon vieles richtig gemacht.

Welche Vorteile bieten die einzigartigen Oswald-Motoren?

Stationäre Antriebe sind sobald es Stromnetze gibt immer elektrisch. Warum? Ganz einfach, weil ihre Performance um ein vielfaches besser ist als die von Verbrennern. 100% Drehmoment schon bei null Drehzahl, fünf- bis zehnfache Lebensdauer, ölfrei, geräuscharm, vibrationsfrei, wartungsarm, Wirkungsgrade zwischen 90% und 98%. Verbrenner haben all das nicht und werden typischerweise mit 10% bis 35% Wirkungsgrad betrieben. Drüber hinaus erzeugen Verbrenner Abgase, also CO2, NOX oder Feinstaub direkt vor Ort, z.B. in unseren Städten.

Folgerichtig boomen alternative, hybride oder rein elektrische Antriebe zu Wasser am Land und bald auch in der Luft. Allein die Energiebereitstellung bleibt mobil schwierig. Warum? Ein Liter Benzin hat etwa den 80 fachen Energiegehalt von einem Liter einer modernen Batterie. Wir rüsten Nutzfahrzeuge und Schiffe mit Elektroantrieben aus. Im Dieselhybridbereich lassen sich dadurch Verbräuche um 20% bis teilweise 70% reduzieren.

Rein elektrisch muss man natürlich überlegen, aus welchem Energiemix der jeweilige Strom erzeugt wurde. Doch das sollte uns nicht von der Elektrifizierung vieler mobiler Einsatzfelder zurückschrecken lassen. Wenn wir erst auf einen 100%ige erneuerbare Energieversorgung warten, würden wir sinnvolle Entwicklungen um Jahrzehnte verzögern. Je mehr wir uns jedoch der LIPO - Batterietechnik zuwenden, umso schneller müssen wir uns mit geeigneten Recyclingverfahren befassen.

Was sind aktuelle und zukünftige Projekte und Kooperationen?

Ok, wir arbeiten parallel an einer ganzen Reihe von Forschungsprojekten mit verschiedenen europäischen Projektpartnern, Instituten und Universitäten. Hier geht es teils um Produktentwicklungen und teils auch um Fertigungsoptimierung in Forschungsprojekten oder auch in Form von Bachelor- oder Masterarbeiten. Beispielweise arbeiten wir an Teilelektrifizierung von LKW-Aufliegern, am Ersatz von Hydrauliksystemen in Straßenreinigungsfahrzeugen, an der Flexibilisierung und Optimierung von Halbprodukte, an Themen der Laserbearbeitung, in Bereichen der Medizintechnik, es läuft ein Logistikprojekt und ein Konzept zur Energieoptimierung des Gesamtunternehmens OSWALD. Darüber hinaus arbeiten wir an zwei Projekten zum Thema Supraleitung.

Wie könnte die Zukunft im Bereich elektrische Antriebssysteme und Elektromobilität aussehen?

Eines der beiden Projekte zielt auf die Entwicklung hybrider Vortriebstechnik für Verkehrsflugzeuge. D.h. die Flugzeugindustrie hofft in Zukunft z.B. große Fanantriebe elektrisch betreiben zu können. Dazu entwickeln wir in einem europäischen Konsortium einen supraleitenden Vortriebsmotor mit extremen Eigenschaften. Z.B. versuchen wir die Leistungsdichte dieses Motors auf den für Elektromotoren schwindelerregenden Wert von 20 kW/kg hochzuschrauben. Ein solches Vorhaben können wir nicht aus eigenen Kräften stemmen und freuen uns, dass wir hier ein von der EU gefördertes Forschungsprojekt leiten dürfen. Die konkreten Ziele dieses Projekt sind, Verbrauch, Abgase und Geräusche von Verkehrsflugzeugen um mehr als 50% zu reduzieren. In drei Jahren werden wir erste Ergebnisse vorlegen können.

Vielen Dank für das Gespräch.