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Innere Haltung: Lebensbalance und wertorientierte Unternehmensführung

29/03/2017 11:16 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 15:09 CEST

Im Gespräch mit Christine Pehl: Sie ist Business Coach, Beraterin und Dozentin für werteorientierte Unternehmensführung und Corporate Social Responsibility (CSR). Frau Pehl war viele Jahre CSR-Referentin des Arzneimittelunternehmens betapharm, das in dieser Zeit als Leuchtturm für CSR galt und dafür zahlreiche Awards erhalten hat.

Eine prägende Erfahrung war die Geschäftsleitung des elterlichen Maschinenbaubetriebs und die Begleitung der Firmenübergabe an die Mitarbeiter.

Seit 2010 ist sie selbständig und unterstützt Organisationen, die sich nachhaltig entwickeln und Ihre CSR-Aktivitäten kommunizieren möchten. Als Dozentin lehrt sie an Hochschulen, leitet sie Seminare, hält sie Vorträge und teilt ihre Expertise in Buchbeiträgen, u. a. in der Reihe „CSR und Organisationsentwicklung" des Springer Gabler Verlags. Zudem hat Christine Pehl eine körpertherapeutische Ausbildung und coacht Menschen in Berufs- und Lebensfragen.

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Foto und Copyright: Regine Laas

Wie sieht für Sie ein gutes Leben aus und welche Rolle spielen dabei Arbeit und die persönliche Lebensbalance?

Gutes Leben bedeutet für mich tun zu können, was sich für mich stimmig anfühlt. Ich versuche mich auf das zu konzentrieren, was mir wirklich wichtig ist, dazu gehören Begegnungen, die eigene innere Mitte und meine Arbeit.

Kürzlich las ich den Begriff Seelen Business. Das hat mir gefallen, weil er ein inneres Anliegen mit äußerem Handeln verbindet, im Sinne „wo die Gaben, da die Aufgaben". Viele Menschen trennen für mein Empfinden Leben und Arbeit künstlich voneinander, um eine sogenannte Work-Life-Balance herzustellen. Für mich gehören beide Bereiche zusammen und ich mag stattdessen die Haltung der Lebensbalance. Das gute alte Kompositum „Arbeitsleben" in einem neuen, ganzheitlichen Sinn: ein gutes Leben mit stimmiger Arbeit. Wenn uns das vorschwebt, dann stehen wir an der Schwelle zu neuen Unternehmungen.

Wie können wir gut zusammenleben und -arbeiten?

Ich bin überzeugt, dass gutes Leben nur von innen nach außen entstehen kann. Alles ist bereits angelegt, in der Natur und Umwelt ebenso wie in jedem von uns. Die Herausforderung ist, diese Potentiale in die Handlung zu bringen. Wer innerlich eine positive Haltung hat, sich selbst mag und entsprechend seinen wichtigsten Werten lebt, wird sich aus eigenem Antrieb engagieren, in seinen Unternehmungen nachhaltige Leistung bringen, mit Freude an der Arbeit und am Leben. Die Wege dorthin sind sattsam bekannt, das Instrumentarium der Trainer und Coaches ist üppig.

Was verstehen Sie unter werteorientierter Unternehmensführung und was haben die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Responsibility (CR) damit zu tun?

Werte sind die Folge einer inneren Haltung und bestimmen unser Handeln. Eine werteorientierte Unternehmensführung bedeutet für mich eine verantwortliche und zukunftssichernde Perspektive. Die Grundfrage lautet: „Wie können Unternehmen wert-schöpfen und wie können gesellschaftliche Herausforderungen gelöst werden?". Der Dreiklang Ökonomie, Ökologie und Soziales findet hier seinen konkreten Ausdruck. Im Idealfall gibt es mit dieser unternehmerischen Einstellung viele Gewinner: das Unternehmen selbst, die Kunden und Partner sowie die Umwelt und Gesellschaft.

Welche Verbindung sehen Sie zwischen den beiden Aspekten Nachhaltigkeit und inneres Gleichgewicht?

Im biblischen Kontext gibt es sinngemäß die Haltung „Kümmere dich um dein Königreich im Innern, der Rest wird dir dazu gegeben" oder salopper formuliert „wie innen so außen". Wer gut für sich selber sorgen kann, sein Innenleben sortiert, der wird Halt finden. Dieses Wort steckt auch in der Nach-Halt-igkeit. Das ist ein permanenter Prozess mit Feinjustierung. In diesem Sinne bedeutet Nachhaltigkeit für mich eine wert-schätzende innere Haltung nach außen zu bringen.

Wie unterstützen Sie Ihre Coachees und Klienten dabei dieses Bewusstseins und letztlichen diesen Zustand zu erreichen, um gesünder, resilienter und sinnerfüllter zu leben und motivierter und leistungsfähiger zu arbeiten?

Die Coachings sind individuell angepasst. Es gilt zu erspüren worum es wirklich geht. Gemeinsam erörtern wir die Fragen „Was macht für Sie persönlich Sinn und welche Werte sind Ihnen wichtig?". Hierfür empfehle ich drei Schritte. Erstens: Gehen Sie jeden Tag in die Stille - haben Sie ein Rendezvous mit sich selbst. Wie fühlt sich Ihr Körper gerade an? Welche Gedanken und Emotionen kommen auf? Es geht um bewusste Wahrnehmung des eigenen Zustands. Im zweiten Schritt folgt die „heilsame Reduktion". Was könnten Sie in Ihrem Leben einfach weglassen? Gerümpel im Keller und Altlasten im Büroschrank, unsinnige Gewohnheiten und Einstellungen? Ziel ist es, freie Räume zu schaffen. Diese freien Räume können - in einem dritten Schritt - mit neuen Inhalten gefüllt werden, die für Sie persönlich Sinn stiften oder einfach Freude und Genuss bringen.

Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Begriffe Fokussierung, Entschleunigung, Entlastung und Klärung in unserer modernen VUKA-Welt und welche Rolle spielen dabei ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und professionelles Gesundheitscoaching-Angebot in Organisationen?

In meiner Wahrnehmung geht es auch hier wieder um den Zusammenhang von innerer Arbeit und äußerem Handeln. Der Mensch ist kein „homo oeconomicus". Wer mit sich selbst wert-schätzend umgeht ist auch verantwortungsvoll mit seiner Umwelt. Das will gelernt sein. Die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme nimmt stark zu, hier braucht es Hilfestellung. Ich behaupte das eigene Innenleben zu sortieren kann genauso erlernt werden, wie gelungene Kundenansprache. Betriebliches Gesundheitsmanagement und professionelles Coaching sind gute Möglichkeiten, diese Klärungsprozesse anzustoßen.

Was bedeutet der Begriff „psychologisches Nachhaltigkeitscoaching" und was halten Sie davon?

Ich verwende diesen Begriff nicht, finde ihn jedoch nachdenkenswert und passend zu den obigen Inhalten. Nach meinem Empfinden geht es wieder um die Verbindung der inneren Haltung mit konkretem nachhaltigem Handeln. Finden Führungskräfte hier Klarheit, spüren das auch die Menschen im Umfeld - es überträgt sich. Der Begriff lässt erahnen, dass verantwortungsvolles Leben und Wirtschaften bei der eigenen Persönlichkeit beginnt und schließlich das ganze System positiv beeinflussen kann - im Sinne „gehe bewusst mit dir selbst um und du agierst nachhaltiger".

Vielen Dank für das Gespräch.

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