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Exzellenzfaktoren 4.0: Sinn, Authentizität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit (Teil 2)

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Im Gespräch mit Prof. Dr. Anabel Ternès: Sie steht für die Themen Digitalisierung & Work 4.0, Strategische Kommunikation sowie Nachhaltiges Management mit den Schwerpunkten Human Resources Management, Gesundheitsmanagement und Leadership.

Als Gründerin und Mentorin geht es ihr dabei auch immer um nachhaltige Geschäftsmodelle und Startup-Bildung. Sie vereint Gründergeist, Führungserfahrung in internationalen Großunternehmen und soziales Engagement mit praxisnaher Forschung.

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Foto und Copyright: Anabel Ternès

Welche Verbindungen gibt es zwischen den Themen Nachhaltigkeitsmanagement, Menschlichkeit, Gesundheit und Sinnstiftung?

Das Thema Nachhaltigkeit steht zwar bereits seit einiger Zeit auf den Agenden von Wirtschaft und Politik, muss aber konsequent bis zu Ende gedacht werden: Es geht ja, ganz allgemein gesprochen, um Systeme und Konzepte, die einerseits den ökologischen Raubbau beenden und andererseits soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit überwinden, indem beispielsweise alle Schichten stärker am gesellschaftlichen Prozess beteiligt werden.

Wenn also Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt ihre Philosophie und Strategie an nachhaltigen Kriterien ausrichten, gehören Menschlichkeit und Gesundheit zwingend dazu.

Es kann und darf einerseits nicht nur um Profit, Zahlen und Statistiken gehen, wenn Erfolge gemessen werden, sondern um den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen.

Andererseits müssen wir über unsere Generation hinaus schauen, das Vorgehen darf nicht nur auf kurzfristige Effekte abzielen.

Damit sind wir bei der Sinnstiftung: Sich verantwortungsbewusst mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, heißt auch, die Sinnorientierung zu überdenken und neu auszurichten. Der Wunsch nach einer interessanten Arbeit und vor allem Mitgestaltung muss als menschliches Grundbedürfnis erkannt werden. Menschen wollen sich weiterentwickeln, etwas bewegen, sich gestalterisch beteiligen - mit einem Wort: etwas tun, das Wert hat und Sinn ergibt.

Werden Leidenschaft geweckt, Talente und Fähigkeiten gefordert, Lernprozesse ausgelöst und von Wertschätzung begleitet, macht die Arbeit Spaß und ungeahnte Ressourcen werden freisetzt.

Wie Karl Jaspers sagte: "Menschen sind das, was sie sind, durch eine Sache oder Aufgabe, die sie ganz zu ihrer eigenen machen können." Dabei trägt Sinn weder den Zwang zur Maximierung noch zur Konkurrenz in sich, er ist sich selbst genug und macht frei - Anne M. Schüler brachte dies schön auf den Punkt.

Welchen Beitrag können bzw. sollten Organisationen hier im Rahmen ihrer Corporate Responsibility bzw. eines umfassenden Nachhaltigkeitsmanagements, welches auch das Betriebliche Gesundheitsmanagement umfasst, leisten?

In diesem Zusammenhang ist die Organisation die entscheidende Größe: Will sie wirklich ein umfassendes Nachhaltigkeitsmanagement realisieren, muss sie sich mit sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien befassen - nach innen und nach außen.

Es geht also darum, Arbeit insgesamt interessanter zu machen, statt lediglich Soll-Ist-Abweichungen oder Marktanteile zu messen: Je intensiver die Mitarbeiter sich mit ihrer Aufgabe und natürlich auch dem Unternehmen identifizieren können, je mehr Wertschätzung sie dafür erfahren, dass sie sich kreativ und konstruktiv einbringen, desto effizienter werden sie arbeiten.

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Genau an diesem Punkt liegt einer der leider noch oft vernachlässigten Schwerpunkte in Bezug auf Corporate Responsibility: Arbeitsleistungen müssen die Chance auf Gelingen, Erfolg und daraus resultierender Wertschätzung haben, dann lösen sie Motivation, einen gewinnbringenden Lernprozess und neue Erkenntnisse in Bezug auf die Sinnorientierung aus.

Ein bedarfsgerechtes Betriebliches Gesundheitsmanagement unterstützt diese Entwicklung gleich in mehrfacher Beziehung: Einerseits drückt sich Wertschätzung aus, wenn Mitarbeiter in der Praxis erfahren, dass ihre Gesundheit dem Unternehmen wichtig ist. Andererseits fördern die Maßnahmen die Leistungsfähigkeit und Teambildung - und das auf lange Sicht.

Damit wird auch der demografischen Entwicklung Rechnung getragen, denn die Erwerbstätigkeit dehnt sich zunehmend bis ins Rentenalter hinein aus. Im Alter gesund und aktiv zu bleiben, eröffnet nicht nur den Mitarbeitern Vorteile, sondern auch den Unternehmen, die sich auf profunde Erfahrungen und eine hohe Einsatzbereitschaft verlassen können.

Zwingende Voraussetzung ist jedoch, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement nicht nur als eine weitere statistische Größe behandelt wird, die es abzuhaken und auszuwerten gilt: Die Maßnahmen müssen auf den reellen Bedarf zugeschnitten werden - auch hier muss der Mensch im Fokus stehen.

Welchen Beitrag kann das Thema Nachhaltigkeit und Sinnorientierung für Business Excellence bzw. den nachhaltigen Unternehmenserfolg leisten?

Nur mit diesem Perspektivwechsel lässt sich Business Excellence überhaupt erreichen, letztendlich geht es um Kunden-, Mitarbeiter- und Ergebnisorientierung, aber eben auch um Verantwortung für die Gesellschaft. Die unterschiedlichsten Talente und einzigartigen Fähigkeiten der Mitarbeiter zu identifizieren und zu fördern, steigert die Motivation und Leistungsbereitschaft.

Hier eröffnet sich der Zugriff auf ein enormes Innovationspotenzial, denn die Mitarbeiter verfügen über das praxisbezogene Knowhow, um die relevanten Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen optimieren zu können.

Werden sie wertschätzend in die Gestaltung einbezogen, sehen sie einen echten Sinn in ihrem Engagement. Es profitieren sowohl die Mitarbeiter selbst als auch die Kunden und unter dem Strich das nachhaltig erfolgreiche Unternehmen.

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