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Die Quadratur des Kreises: Digitalisierung mit Nachhaltigkeit verbinden

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ROBOTS DIGITAL
Seth Wenig / Reuters
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Im GesprĂ€ch mit Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy: Er leitete von 1989 bis 2015 als ordentlicher Professor fĂŒr Informatik am Institut fĂŒr Informatik der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen den Lehrstuhl Software & Systems Engineering.

Seine Forschung zielt auf die Beherrschung der Evolution leistungsstarker Software-Systeme durch den Einsatz wohldurchdachter Prozesse und Modelle, langlebiger flexibler Softwarearchitekturen und moderner Werkzeuge auf Basis mathematisch und logisch fundierter Methoden.

Er grĂŒndete das Forschungsinstitut fĂŒr angewandte Forschungstechnik fortiss. Seit Januar 2016 ist der GrĂŒndungsprĂ€sident des Zentrums Digitalisierung.Bayern. Durch die unter der Leitung von Professor Broy erarbeitete acatech-Studie agenda cyber-physical systems wurden maßgebliche Initiativen auf nationaler Ebene wie Industrie 4.0 angestoßen.

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Foto und Copyright: Manfred Broy

Was sind die globalen Megatrends, welche die Arbeits- und Lebenswelt fundamental verÀndern werden?

Die oftmals genannten Megatrends wie Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung stehen letztlich in einem engen Wechselspiel. Einer der dominanten Trends ist das Thema der Digitalisierung, das ja die Automatisierung einschließt und in weiten Teilen der Treiber fĂŒr die Globalisierung ist.

Internet und Worldwide Web, der mobile Zugriff auf diese Informationswelten und die alles ĂŒberragende FunktionalitĂ€t durch eingebettete Systeme gerade im Verkehr sind die zentralen Treiber. Allein der Umstand, dass unsere Welt durch das Internet so transparent geworden ist, ist ein wesentlicher Bestandteil der Globalisierung, auch der Umstand, dass scheinbar von jedem Ort aus jeder Information, soweit sie im Web erfasst ist, verfĂŒgbar ist.

Welche Auswirkungen wird dies auf die Gesellschaft und die Organisationen haben?

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft und Organisationen sind in ihrer langfristigen Tragweite gar noch nicht abzuschĂ€tzen. Gerade das Thema der ArbeitsplĂ€tze wird außerordentlich kontrovers diskutiert. Unzweifelhaft ist, dass eine ganze Reihe von heutigen ArbeitsplĂ€tzen in Zukunft in dieser Form nicht mehr benötigt werden.

Andererseits werden neue ArbeitsplĂ€tze entstehen. Wie das von der Bilanz her aussieht, muss man abwarten, aber wie bei der ersten großen industriellen Revolution, der Revolution der Produktionsmaschinen, ist bei der nun anstehenden zweiten großen Revolution, der Revolution der Informationsmaschinen, gesellschaftlicher Konsens nötig, wie wir mit diesen neuen Möglichkeiten und Anforderungen umgehen. Was das viel schwieriger macht als bei der ersten industriellen Revolution, ist die Geschwindigkeit, mit der das Ganze von statten geht.

Welche Innovationen werden die Gesellschaft und Unternehmen in den nÀchsten Jahren betreffen bzw. umwÀlzen?

Software wird im Sinne des „Software is eating the world" in allen Anwendungsgebieten dramatische VerĂ€nderungen auslösen.

Werden Menschen durch kĂŒnstliche Intelligenz, Machine Learning bzw. Deep Learning und Automatisierung ersetzt werden und werden neue Aufgaben entstehen?

Ich glaube nicht, dass Menschen durch kĂŒnstliche Intelligenz oder Machine Learning oder Deep Learning ersetzt werden. Darum geht es auch nicht. Es werden bestimmte Aufgaben und TĂ€tigkeiten, die heute von Menschen durchgefĂŒhrt werden, stĂ€rker von Maschinen ĂŒbernommen. Dabei ist es aber auch erforderlich, dafĂŒr zu sorgen, dass eine entsprechende Konzeption solcher Maschinen passiert.

Es wird also eine ganze Reihe von Herausforderungen und Positionen in diesem Bereich geben. Wie das Gleichgewicht schließlich ausschauen wird, kann heute niemand so wirklich sagen. Zu vieles in diesem Thema ist heute Spekulation. Wie weit die kĂŒnstliche Intelligenz wirklich trĂ€gt, wird die Zukunft zeigen. Klar ist aber, dass heute Dinge möglich sind, die vor zehn, zwanzig Jahren undenkbar waren in einer Kombination aus sehr viel höherer LeistungsfĂ€higkeit der heutigen Rechner und auch einer weiteren Perfektion der Methoden.

Wo treffen die Erfolgsfaktoren Digitalisierung und Nachhaltigkeit aufeinander und wie können beide miteinander verbunden werden?

Auf den ersten Blick sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit zueinander im Widerspruch. Nachhaltigkeit steht fĂŒr BestĂ€ndigkeit, StabilitĂ€t, ZukunftsfĂ€higkeit - also ein Wirtschaften, das darauf ausgerichtet ist, dass ein langfristiges Gleichgewicht angestrebt und gehalten wird. Dies ist radikal im Gegensatz zur heutigen Digitalisierung mir seiner Ausrichtung auf disruptive VerĂ€nderung.

Ich denke, es ist notwendig die Digitalisierung sehr viel stĂ€rker einem Wertesystem und nicht nur einem wirtschaftlichem Imperativ zu unterwerfen. Heute entwickelt sich die Digitalisierung vergleichsweise wild, im Wesentlichen getrieben von ökonomischen Interessen, gerade auch großer US-amerikanischer Konzerne, die mit hoher AggressivitĂ€t die Themen vorantreiben. Hier ist es wichtig, diese Entwicklung einzufangen und die Möglichkeiten der Digitalisierung fĂŒr Nachhaltigkeit zu nutzen.

Was unterscheidet die aktuelle digitale Transformation von einer klassischen Business-Transformation?

Was an der digitalen Transformation so unterschiedlich ist zur klassischen Business-Transformation, ist die hohe Synergie zwischen TechnizitÀt und unternehmerischem Handeln. Digitale Business-Modelle bestehen immer darin, dass man den technischen Anteil, insbesondere die Software durch und durch beherrscht, klare Vorstellungen davon hat, wo die LeistungsfÀhigkeit liegt und wie man durch Softwaretechnik GeschÀfte umsetzen kann, also die ganz neue Innovation ist hier die enge Verbindung von Technikgestaltung und GeschÀftsmodellgestaltung.

Welche neuen AnsĂ€tze aus Wissenschaft und Praxis liefern wertvolle UnterstĂŒtzung fĂŒr die konkrete Gestaltung der notwendigen Transformationsprozesse?

Insgesamt denke ich, dass viele der Erfahrungen, die wir im Bereich der Software-Entwicklung gemacht haben, von viel generellerer Bedeutung sind. Wir mĂŒssen also die Erfahrungen dort ĂŒbertragen auf die Wissenschaft und Praxis. Dies erfordert ein deutlichen Umdenken und eine VerĂ€nderung in den erforderlichen Kompetenzen.

Wo stehen Europa und Deutschland bei der Digitalisierung und was macht das Silicon Valley so erfolgreich?

Europa und Deutschland haben in der Digitalisierung einen besonderen Vorteil. Die Digitalisierung hat die Eigenschaft, dass sie alles verstĂ€rkt, Armut und Reichtum. Damit ist sie, wenn sie ungezĂ€hmt auftritt, eben im Gegensatz zur Nachhaltigkeit. Sie schafft Ungleichheit, langfristig vielleicht sogar soziale InstabilitĂ€t. Europa und Deutschland haben ĂŒber viele Jahrzehnte eine Gesellschaft entwickelt, in denen die StabilitĂ€t von höchster Bedeutung ist.

Das kann gerade bei fortschreitender Digitalisierung nĂŒtzen. Wir mĂŒssen die Digitalisierung ergĂ€nzen durch eine stabile Gesellschaft und auch politische Organisation. Nur so kann sie langfristig erfolgreich sein. Kurzfristig sind sicher gerade die amerikanischen Firmen erfolgreich, die sich durch außerordentliche AggressivitĂ€t auszeichnen und auch LĂŒcken in der heutigen Gesetzeslage bedenkenlos ausnutzen, um geschĂ€ftlich erfolgreich zu sein.

Was sind die Aufgaben des Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B), dessen GrĂŒndungsprĂ€sident Sie sind?

Das Zentrum Digitalisierung Bayern ist insbesondere auf das Thema Innovation ausgerichtet. Dazu ist eines der Hauptaugenmerke, dass wir die schnelle Weiterentwicklung der Hochschulen und UniversitÀten vorantreiben, die durch die Geschwindigkeit der Digitalisierung in der Regel nicht schnell genug reagieren können.

Dazu haben wir zwanzig neue Professuren eingerichtet und zehn Nachwuchsprofessuren und auch eine Reihe von weiteren Maßnahmen umgesetzt, um Hochschulen und UniversitĂ€ten schneller mit dem Thema Digitalisierung vertraut zu machen. Der andere Bereich der Innovation ist die Wirtschaft, d.h. der Umsetzung neuer Ideen. Hier sind wir gleichermaßen ausgerichtet auf die DurchfĂŒhrung von Projekten im Bereich der Digitalisierung, auf UnterstĂŒtzung der Unternehmen bei der digitalen Transformation aber auch das Thema Start-Ups ist fĂŒr uns von zentraler Bedeutung.

Wie bereitet man Organisationen und die Menschen, z.B. Studenten, auf diese neue Arbeitswelt vor und welche Kompetenzen werden benötigt?

Wenn es um das Thema Kompetenzen geht, so ist das relativ einfach. Wir brauchen viel mehr Software-Kompetenz in den deutschen Unternehmen und Organisationen, allerdings nicht in der Form wie wir es oft erleben, in der Umsetzung von Software-technischen Aufgaben, sondern in dem VerstÀndnis um die enorme Innovationskraft dieser Technologie, den Möglichkeiten, diese in neue GeschÀftsmodelle umzusetzen. Gleichzeitig ist es erforderlich, dass man die Potentiale der Technologie richtig einschÀtzt und an den erforderlichen Stellen entsprechende Risikovorkehr trifft wie z.B. im Bereich der Cyber Security.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.

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