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Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit: Strategien, Ansätze, Methoden und Tools

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MANAGEMENT
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Im Gespräch mit Prof. Dr. Anja Grothe: Sie ist Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement, Mitgründerin des INa (Institut für Nachhaltigkeit) und akademische Direktorin für den Studiengang Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement (NaQM) an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin. Ebenfalls ist sie Senior Consultant bei SUSTAINUM Consulting.

Frau Grothe berät hier Unternehmen bei der Implementierung von wirksamen Nachhaltigkeitsmanagement-Systemen und bei der systemischen Organisationsentwicklung. In Ihrem aktuellen Buch „Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit: Modelle und Methoden zur Selbstbewertung" erfährt man, wie die Nachhaltigkeitsleistung und die Qualität der eingesetzten Managementinstrumente professionell bewertet und ein exzellentes Nachhaltigkeitsmanagement erreicht werden kann.

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Foto und Copyright: Anja Grothe

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, einen Wertekonsens darüber zu haben, dass verantwortungsvolles und damit zukunftsfähiges Wirtschaften nur dann möglich ist, wenn dieses die Bedürfnisse der Menschen als auch die Grenzen des Umweltraumes achtet.

Warum ist das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen und die Gesellschaft von so entscheidender Bedeutung?

Weil unser Umgang hier mit dem „selbstverständlichen Verbrauch" von Ressourcen natürlich alles andere als selbstverständlich ist und nur auf Kosten von Anderen (Ländern, Menschen, Externalisierung von Verbräuchen) so - in diesem Wohlstand - möglich ist. Wir sind alle aufgewachsen mit dem Postulat und dem Gleichklang von der Notwendigkeit des grenzenlosen Wachstums. Das dieses an seine Grenzen stößt ist überall erfahr- und auch schon erlebbar. Nachhaltigkeit klingt deshalb für viele immer noch „so unbequem", da damit immer ein Innehalten und kein „weiter so, wie bisher" gemeint ist. Deshalb muss das Thema immer wieder in das Bewusstsein der Menschen kommen.

Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für die Umsetzung eines exzellenten Nachhaltigkeitsmanagements?

Das Wichtigste ist, dass es integriert ist und nicht ein extra Bereich. Dann ist meistens nur 1 Person dafür verantwortlich und alles andere läuft ohne Bezug zum Thema so weiter wie bisher. Exzellentes Nachhaltigkeitsmanagement heißt die Integration von Nachhaltigkeit in alle Unternehmensfunktionen und als klarer Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Unternehmenskultur zeigt dann immer, ob Nachhaltigkeit wirklich auch innerhalb des Unternehmens gelebt wird. Sie stellt die Basis für das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar.

Was verbindet die Themen Nachhaltigkeit und Qualität in Organisationen?

Das Qualitätsmanagement stellt für mich ein sehr wichtiges Fundament dar. Nur wenn meine Prozesse stimmen, transparent und effektiv sind, kann ich meine Leistung nach Innen und Außen verbessern. QM und Nachhaltigkeit kombiniert, zeigt den Mitarbeitern vor Ort auf, was Nachhaltigkeit mit ihrem Arbeitsplatz zu tun hat und welcher Nutzen sich für den Einzelnen daraus ergeben kann, beides gut umzusetzen. Wenn ich die DIN ISO 9001 und die DIN ISO 14001 Zertifizierung nur „leidig" mache, weil meine Kunden das erwarten ohne selber einen Nutzen daraus zu generieren, ist das doch unglaublich unwirtschaftlich und schädlich für die Unternehmenskultur. Da versuche ich gegen zu wirken und die Chance von dem Nutzen daraus mit den Menschen im Unternehmen zu erarbeiten.

Welche Bedeutung hat die Nachhaltigkeitsbewertung für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen systematischen Nachhaltigkeitsmanagements in Organisationen?

Um Nachhaltiges Wirtschaften im Unternehmen prozessual zu verbessern, ist die Analyse der unternehmerischen Nachhaltigkeit der erste notwendige Schritt. Die Selbstbewertung mit geeigneten Instrumenten hat das Ziel, dass das Unternehmen eigene Defizite in seiner Nachhaltigkeit aufdecken kann. Die Bewertung stellt häufig eine wichtige Basis der Nachhaltigkeitsanalyse dar. Schließlich gilt es, nicht nur eigenen unternehmerischen Handlungsbedarf mit der Zielrichtung Nachhaltiges Wirtschaften aufzudecken, sondern daraus resultierende Maßnahmen im Unternehmen zu planen, Mitarbeiter für das Thema zu motivieren und an der Umsetzung der Projekte zu beteiligen und letztendlich vielleicht einen transparenten Nachhaltigkeitsbericht oder eine Entsprechungserklärung für den deutschen Nachhaltigkeitsrat zu erstellen.

Wie kann ein Nachhaltigkeitsbewusstsein und eine echte Nachhaltigkeitskultur in den Organisationen etabliert werden?

Die Nachhaltigkeitsbewertung kann mittlerweile als wichtiger Teil dafür verstanden werden, in dem auch Workshops, Teamarbeit und Beratung durch Dritte eine Rolle spielen können. Hier kann der Bewertungsprozess auch relevante Stakeholder mit einbeziehen und insbesondere die Mitarbeiter und Führungskräfte durch Befragung und Teilnahme an Workshops beteiligen. Wenn dann eine breite Beteiligung der Mitarbeitenden erfolgt kann eine Innovationskultur entstehen, die systematisch und kontinuierlich wichtige Chancen und Herausforderungen aufgreift. Mitarbeitende können erfassen, was Sie mit dem Thema zu tun haben, welche Schnittstellen sich (neu) bilden und wie sie gemeinsam zur Verbesserung - auch des Arbeitsklimas - beitragen können.

Welche Bewertungsmethoden und Werkzeuge sind für Organisationen empfehlenswert?

Bei der Bewertung der Nachhaltigkeit stehen Unternehmen oftmals vor der Herausforderung, Datenverfügbarkeit und -qualität zu gewährleisten und den Betrachtungsrahmen genau zu definieren. Hinsichtlich der Messung mit Kennzahlen sind nicht alle ökologischen und sozialen Aspekte mess- und quantifizierbar. All dies spielt eine Rolle, wenn man die Aussagekraft der gewonnenen Daten interpretieren möchte.
Bestehende Bewertungsinstrumente versuchen, dieses komplexe System entsprechend einzugrenzen und mit Hilfe von Indikatoren operationalisierbar darzustellen. Dabei ist es notwendig, eine gute Mitte zu finden zwischen der Eingrenzung der Komplexität und der Aussagekraft der Nachhaltigkeitsindikatoren, denn der Nutzen eines Schnelltests kann unter dem Gesichtspunkt der Aussagequalität erheblich angezweifelt werden. Also ist den Unternehmen sehr zu raten sich tatsächlich eine nachhaltige Selbstdiagnose zu stellen, die auch einen Wert darstellt, mit dem die Führungskräfte aber auch die Mitarbeiter etwas anfangen können. Damit die Diagnose einen Sinn macht, kommt es zum einen auf die richtige Frage beispielsweise ein richtiges Anliegen an, damit dafür auch die geeignete Methode ausgewählt werden kann.
In meinem Buch „Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit" werden dazu ja sehr unterschiedliche Instrumente vorgestellt. Gemeinsam ist aber allen, dass Nachhaltigkeit mindestens als Gesamtheit der drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Sozialem verstanden wird. Ansonsten unterschieden sich die Methoden schon sehr.

Welche Rolle spielt die Sustainability Balanced Scorecard und mit welchen weiteren Tools kann sie optimal kombiniert werden?

Die Sustainability Balanced Scorecard (SBSC) dient zur Überprüfung der Wirksamkeit der Nachhaltigkeitsstrategie und damit zur strategischen Steuerung von Nachhaltigkeitsaspekten im Unternehmen, während andere Instrumente, wie beispielweise das von mir mitentwickelte KIM (Kriterien- und Indikatorensystem zur Bewertung von Nachhaltigkeit) die Nachhaltigkeit eines Unternehmens insgesamt anhand von Kennzahlen und einer qualitativen Mitarbeiter- und Führungskräftebefragung entlang der Dimensionen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Governance bewertet. Beide Instrumente ergänzen sich wunderbar, da sie zu ganz unterschiedlichen Fragen Antworten ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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