BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Marcia Sirota Headshot

Wie überfürsorgliche Eltern ihren Kindern das Berufsleben versauen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SAD CHILDREN
skynesher via Getty Images
Drucken

In den Medien wird momentan sehr viel über Helikopter-Eltern berichtet. Gemeint sind damit Eltern, die permanent um ihre Kinder herumschwänzeln und sie förmlich in Watte packen.

Durch dieses Verhalten erzeugen sie jedoch eine Schar von jungen Erwachsenen, die sowohl im beruflichen als auch privaten Leben große Probleme haben.

Helikopter-Eltern glauben, dass sie nur das Beste für ihre Kinder tun, doch tatsächlich verbauen sie ihren Kindern durch ihr Verhalten sämtliche Chancen auf Erfolg.

Genauer gesagt bedeutet das, dass es den Kindern von Helikopter-Eltern später schwerfallen wird, einen Job zu finden und diesen auch zu behalten.

Jeden Stoß abfangen, jeden Sturz verhindern

Helikopter-Eltern wollen um jeden Preis verhindern, dass ihre Kinder sich wehtun. Sie wollen jeden Stoß abfangen und jeden Sturz abfedern.

Das Problem ist, dass diese überbehüteten Kinder so niemals lernen, mit Verlust, Versagen oder mit Enttäuschungen umzugehen - dies sind jedoch unvermeidliche Erfahrungen, die jeder irgendwann einmal machen muss.

Mehr zum Thema: Hört endlich auf damit, alles perfekt machen zu wollen - denn das schadet nur euren Kindern

Wenn junge Menschen derart überbehütet aufwachsen, können sie keine Frustrationstoleranz entwickeln. Doch ohne diese wichtige Charaktereigenschaft haben junge Leute bei ihrem Eintritt ins Berufsleben einen großen Nachteil.

Helikopter-Eltern tun viel zu viel für ihre Kinder, weshalb es den Kindern später an einer gesunden Arbeitsmoral und an grundlegenden Fähigkeiten mangelt. Doch ohne diese Arbeitsmoral und die benötigten Kenntnisse können die jungen Leute viele Anforderungen, die im Beruf an sie gestellt werden, nicht erfüllen.

Kinder müssen Fehler machen

Helikopter-Eltern beschützen ihre Kinder viel zu stark und verhindern dadurch, dass die Kinder lernen, auch einmal selbst die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Dadurch verpassen sie jedoch die Gelegenheit, aus ihren Fehlern wichtige Lehren für ihr Leben zu ziehen. Und diese Lehren wiederum wären für die Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz besonders wichtig.

Helikopter-Eltern versuchen ihre Kinder vor jeglichen Konflikten mit anderen Gleichaltrigen zu bewahren. Diese Kinder haben jedoch später im Erwachsenenalter keine Ahnung, wie sie Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten am besten lösen.

Menschen lösen Probleme, indem sie etwas Neues ausprobieren und dabei Fehler machen. Sie lernen aus diesen Fehlern und versuchen es schließlich erneut. Durch diesen Prozess entwickeln sie Vertrauen, Kompetenz und Selbstbewusstsein.

Kinder von Helikopter-Eltern verpassen jedoch die Gelegenheit, all diese wichtigen Charaktereigenschaften zu entwickeln, die man benötigt, um beruflich erfolgreich zu sein.

Jedes Kind sollte einen Pokal bekommen

Helikopter-Eltern finden, dass ihre Kinder immer und überall gewinnen sollten. Bei sportlichen Wettkämpfen sollte jedes Kind einen Pokal bekommen. Bei Prüfungen sollte jedes Kind bestehen, selbst wenn es seine Arbeit zu spät abgibt oder die Aufgabenstellung nicht ordentlich erfüllt hat.

Im praktischen Berufsleben gibt es bei Wettbewerben jedoch immer nur einen Gewinner, und es wird auch nur gute Arbeit belohnt.

Wenn Kinder in dem Glauben aufwachsen, dass sie am Ende sowieso gewinnen, ganz egal, was sie tun, lernen sie dabei nicht, dass man in Wirklichkeit Erfolg nur durch harte Arbeit erzielen kann.

Mehr zum Thema: Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, richten erheblichen Schaden an

Diese verwöhnten jungen Leute sind am Boden zerstört, wenn sie bei Wettbewerben als Verlierer herausgehen, wenn sie ein Vorstellungsgespräch vermasseln oder wenn sie ihren Job verlieren.

Sie wissen nicht, wie sehr man sich tatsächlich anstrengen muss, wenn man in der Arbeitswelt zu den Gewinnern zählen will.

Diesen Kindern mangelt es an Kompetenz

Da diese jungen Menschen nie gelernt haben, ihre Probleme selbst zu lösen oder ein Projekt ganz allein durchzuziehen, mangelt es ihnen später an Kompetenz und Tatkraft.

Sie erwarten, dass andere diese Aufgaben für sie erledigen, da ihre Eltern das ja auch immer so gemacht haben. Im Grunde genommen sind sie unfähig, eigenständig zu denken oder zu handeln.

Helikopter-Eltern bringen ihren Kindern eine ganze Reihe von schlechten Eigenschaften bei. Ihre Kinder wachsen damit auf, vom Erfolg verwöhnt zu werden, und zwar unabhängig davon, wie viel Zeit oder Energie sie investieren.

Außerdem sind sie der Meinung, dass sie immer bevorzugt behandelt werden sollten. Mit diesen beiden Einstellungen kommen sie jedoch weder bei ihren Kollegen, noch bei ihren Chefs besonders gut an.

Es könnte zukünftige Arbeitgeber abschrecken, wenn ein junger Mensch beim Vorstellungsgespräch so derart von sich selbst eingenommen auftritt, obwohl es ihm sogar an den grundlegendsten Kenntnissen fehlt.

Junge Menschen, die eine gewisse Ignoranz und Inkompetenz ausstrahlen und dabei jedoch die Erwartungshaltung an den Tag legen, dass sie unabhängig von ihren Leistungen immer sofort und ordentlich belohnt werden, werden in Vorstellungsgesprächen für gute Stellen mit ziemlicher Sicherheit scheitern.

Helikopter-Eltern richten Schaden an

Wenn Eltern meinen, ihren Nachwuchs auch mit Mitte zwanzig noch zum Vorstellungsgespräch begleiten zu müssen, untergraben sie damit jegliches Vertrauen, das ein Arbeitgeber in seinen zukünftigen Angestellten fassen könnte.

"Wenn ein Bewerber seine Mami oder seinen Papi mit zum Vorstellungsgespräch bringt, ist er vermutlich selbst eher noch ein Kind als ein Erwachsener", könnte der Arbeitgeber sich denken.

Der Schaden, den Helikopter-Eltern anrichten, zeigt sich jedoch auch in kleinen Dingen. So kann es passieren, dass Kinder von Helikopter-Eltern als Erwachsene eine Kaffeepause machen und danach den Pausenraum verlassen, ohne vorher ihre Sachen wegzuräumen oder ihre Tasse abzuspülen.

Dass sie mit diesem Verhalten bei ihren Kollegen Unmut auslösen, ist selbstverständlich.

Diese jungen Menschen gehen davon aus, dass schon "irgendwer" hinter ihnen herräumen wird, denn als Kinder mussten sie schließlich auch nie selbst aufräumen. Sie verstehen nicht, dass plötzlich keiner mehr da ist, der ihr Chaos beseitigt - und zwar weder auf physischer oder zwischenmenschlicher, noch auf beruflicher Ebene.

In einem Artikel von WebPsychology schreibt Barb Nefer:

"Die Generation Y ist besonders stark von Depressionen betroffen. Einer von fünf Berufstätigen aus dieser Generation leidet an Depressionen, die durch den Job ausgelöst wurden. Im Vergleich dazu sind bei der Generation X und bei den Baby-Boomern gerade mal 16 Prozent aller Berufstätigen betroffen."

Nefer fährt fort:

"Laut einer Studie von Bensinger, DuPont & Associates funktionieren Arbeitnehmer aus der Generation Y im Job oft schlechter als ihre Kollegen und sie melden sich häufiger krank.

Zudem stecken sie öfter in Problemen und werden auch häufiger schriftlich abgemahnt. Und all diese Dinge können ihren beruflichen Erfolg beeinträchtigen."

Mehr Depression, weniger Belastbarkeit

In einem Artikel von Brooke Donatone in der "Washington Post" heißt es, dass die Fachzeitschrift Journal of Child and Family Studies in einem Artikel aus dem Jahr 2013 zu dem Ergebnis kommt, dass "College-Studenten, die von Helikopter-Eltern großgezogen wurden, häufiger an Depressionen leiden."

In dem Artikel der Washington Post heißt es weiter, dass durch "überfürsorgliche Erziehung die Entwicklung von Unabhängigkeit und Kompetenz beeinträchtigt wird. Die Kinder von Helikopter-Eltern sind also letzten Endes abhängiger von ihren Eltern und es fällt ihnen schwerer, ohne die Unterstützung ihrer Eltern bestimmte Aufgaben zu erfüllen."

Manchmal ist man am besten "für sein Kind da", indem man nicht da ist

Die oben erwähnten Artikel machen deutlich, dass die Erziehungsmethoden von Helikopter-Eltern dazu führen können, dass die Depressionsrate bei jungen Menschen steigt und dass sie am Arbeitsplatz schlechter zurechtkommen.

Wenn du möchtest, dass deine Kinder später als Erwachsene im Beruf Erfolg haben, solltest du darauf achten, ob du oder dein Partner oder deine Partnerin dazu neigt, euch wie Helikopter-Eltern zu verhalten.

Sein Kind zu lieben bedeutet, dass man es anleitet, dass man es beschützt und dass man es unterstützt. Es bedeutet jedoch nicht, dass man sein Kind erdrückt und überbehütet, oder dass man so viel für das Kind tut, dass es später nicht mehr in der Lage ist, eigenverantwortlich zu handeln, sich mit Herausforderungen auseinanderzusetzen und mit Enttäuschungen oder Fehlern klarzukommen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Das liebevollste, was Eltern für ihre Kinder tun können, ist einfach mal einen Schritt zurückzutreten und ihrem Kind dabei zuzusehen, wie es hinfällt, wie es mit sich selbst kämpft und wie es schließlich seine eigenen Lehren daraus zieht.

Manchmal ist man am besten "für sein Kind da", indem man nicht da ist. Denn dadurch hilfst du ihm, Vertrauen, Kompetenz, Selbstbewusstsein und emotionale Intelligenz zu entwickeln.

Die jungen Leute heutzutage brauchen Eltern, die ihnen zeigen, wie man als Erwachsener im Leben klarkommt. Das bedeutet, dass wir weniger um unsere Kinder herumschwänzeln und sie nicht andauernd in Watte packen sollten.

Stattdessen sollten wir sie dazu ermutigen, Dinge selbst zu tun und ihre eigenen Lehren zu ziehen und wir sollten ihnen beibringen, ihre Probleme ganz allein zu lösen.

Hier kannst du dich für meinen monatlich erscheinenden kostenlosen Wellness-Newsletter registrieren. Im Juni verrate ich dir die besten Tipps für den Sommer.

Höre dir hier meinen neuesten Podcast an. Dr. Jordan Peterson zeigt, dir, wie du am besten mit düsteren Gefühlen umgehst und zu deiner wahren Stärke findest.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huff Post Kanada und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.