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Erziehen wir eine undankbare Generation?

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TEEN FIGHTING PARENTS
David Pereiras Villagrá via Getty Images

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Diskussion mit meinem jüngsten Sohn. Er hatte sich über die angespannte finanzielle Situation unserer Familie beschwert und kam auch gleich zur Sache. Er verstehe zwar, dass ich es als Schriftstellerin schwer habe, Geld zu verdienen. Aber er frage sich auch, wann ich endlich einem vernünftigen Beruf nachgehen würde. Die Diskussion geriet schnell außer Kontrolle und ich stellte mir die Frage, warum ich mich überhaupt vor einem streitlustigen Teenager rechtfertigen sollte.

Aber sein schlimmster Vorwurf sollte erst noch kommen. Er fragte mich, was ich jemals für ihn und unsere Familie getan hätte. Die Frage traf mitten ins Schwarze. Ungläubig starte ich ihn an und konnte nur unter größten Anstrengungen den Klumpen in meinem Hals herunterschlucken.

Ich habe vier Kinder groß gezogen, während ich von zu Hause aus drei Jobs nachgegangen bin. Alles, um unsere Familie zu unterstützen. Ich habe eine Karriere als Schriftstellerin aufgegeben, weil ich rund um die Uhr beschäftigt war, Nasen abzuputzen, Windeln zu wechseln und Babys zu stillen.

Was habe ich für meine Kinder getan? Tausende Essen gekocht, ihre Pausenbrote gepackt, Wäsche gefaltet, das Haus geputzt, mich in der Schule engagiert, bei Hausaufgaben geholfen, Gutenachtgeschichten vorgelesen, die Monster unter dem Bett verscheucht, ihre Tränen getrocknet, habe sie zur Chor-Probe gefahren, zur Kirche, zur Schule und zu ihren Freunden nach Hause. Ich bin die ganze Nacht wach geblieben, wenn sie Fieber hatten und habe mich darum gekümmert, dass sie immer ein Dach über dem Kopf, saubere Kleidung im Schrank, und jeden Abend einen vollen Bauch hatten.

Es gibt da draußen zu viele Teenies, die sich fragen, was ihre Eltern für sie getan haben. Sie überschreiten damit eine Grenze. Das hätte ich mir in meiner Jugend niemals erlaubt. In unserer Wegwerf-Gesellschaft haben alte Werte Platz gemacht für Egoismus und Gier. Soziale Netzwerke und Annonymität hinterm Laptop haben unsere Kinder dazu gebracht, ihre Manieren zu vergessen. Populäre Fernsehsunden heißen Respektlosigkeit gegenüber Autoritäts-Personen gut, in dem sie Erwachsene abwerten.

Ich bin in einer anderen Generation aufgewachsen, in der Nettigkeiten mit Dankbarkeit und Liebe belohnt wurden anstatt mit finanzieller Entschädigung. Wenn wir etwas besonderes wollten, haben wir es uns durch Fleiß und harte Arbeit verdient. Eltern und die von ihnen gesetzten Grenzen haben wir respektiert. Die Regeln zu brechen, hatte immer harte Konsequenzen. Es blieb nie bei leeren Drohungen.

Unsere Generation ist ausgezeichnet ohne Smartphones, Computer und Hochgeschwindigkeits-Internet ausgekommen. Wir brauchte keine Videospiele und 500 TV-Kanäle, um Spaß zu haben - wir waren zu beschäftigt mit unseren Nachbarn Völkerball zu spielen, bis es dunkel wurde. Egal ob unsere Familie arm oder reich war, wir wussten immer das Essen auf dem Tisch und die Kleidung, die wir trugen, zu schätzen. Leute wurden nach ihrer Leistung und ihrem Verhalten bewertet, nicht nach den Marken, die sie trugen, oder der Größe ihres Bankkontos.

50 Jahre später hat diese Gesellschaft eine Generation, die das Neuste vom Neuen für selbstverständlich hält. Die Leute haben keine Geduld mehr, sich das, was sie wollen, zu erarbeiten. Schlichtheit spielt keine Rolle mehr. Es geht nur noch um Extravaganz. Das ist nicht die Welt, in der unsere Kinder und Enkelkinder aufwachsen sollten.

Ich habe es nie bereut, meine Schriftsteller-Karriere auf Eis zu legen und zu Hause bei meinen Kindern zu bleiben. Manchmal haben wir finanziell darunter gelitten, aber ich bin stolz darauf, dass meine Kinder ohne einen silbernen Löffel im Mund aufgewachsen sind. Meine älteren Kinder kennen den Wert eines Dollars und das hart arbeiten wichtig ist. Meine Jüngster muss noch seine Grenzen kennen lernen, aber ich hoffe dass er all das, was wir getan haben, zu schätzen lernt.

Was habe ich für meine Kinder getan? Ich war für sie da, wann immer sie mich gebraucht haben. Ich habe sie bedingungslos geliebt. Ich habe sie durch die Pubertät begleitet und ihnen Zukunftsängste genommen. Ich habe sie verwöhnt mit Umarmungen und Komplimenten, anstatt sie ins Einkaufscenter zu fahren. Ich habe sie Unabhängigkeit gelehrt, stolz auf ihre Arbeit zu sein und zu den Erwachsenen zu werden, von denen ich immer wusste, dass sie es werden könnten.

Unsere Familie hatte vielleicht viel während sie aufwuchsen, aber was sie hatten war ein Überfluss an Lachen und Liebe. Das lässt sich mit keinen Geld dieser Welt bezahlen. Meine meine Kinder werden deswegen reicher sein.