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Die große Gier: Wie Deutschlands zweitgrößter Vermieter die Menschen abzockt

15/11/2017 18:23 CET | Aktualisiert 15/11/2017 18:23 CET
Kai Pfaffenbach / Reuters

Die Deutsche Wohnen SE ist mit 163.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten der zweitgrößte private Vermieter in Deutschland. Die Mietpolitik der Wohnungsgesellschaft ist umstritten - und scheint nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet zu sein.

Ein Blick auf die Neunmonatsbilanz

Am 14. November präsentierte die Wohnungsgesellschaft ihr Neunmonatsergebnis.

Sie konnte ihren Gewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr noch einmal drastisch steigern: nämlich um ganze 43,4 Millionen Euro - 706 Millionen Euro.

Die Vertragsmieten stiegen in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf 553,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrugen sie 526,1 Millionen Euro.

Die durchschnittliche monatliche Vertragsmiete im Gesamtbestand betrug in diesem Zeitraum 6,33 Euro pro Quadratmeter.

Die "Deutsche Wohnen" verzeichnete im Vermietungsbestand ein Mietwachstum von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - in Berlin waren es sogar knapp fünf Prozent.

Der Leerstand befindet sich auf einem anhaltend niedrigen Niveau von 1,7 Prozent - davon sind rund 0,5 Prozent investitionsbedingt.

Gewinnmaximierungsstrategie versus Mieterschutz

Diese Bilanz der "Deutsche Wohnen" war zu erwarten. Der Alternative Mieter- und Verbraucherschutzbund e.V (AMV) kritisiert, dass die "Deutsche Wohnen" dafür bekannt sei, eine aggressive Mieterhöhungspolitik zu Lasten ihrer Mieterinnen und Mieter zu fahren.

Sie fordert bei Mieterhöhungen teilweise Mieten oberhalb der Obergrenze des Mietspiegels und erkennt den Berliner Mietspiegel 2017 nicht an. Mehr noch: Die Wohnungsgesellschaft greift diesen neuerdings sogar vor dem Verfassungsgerichtshof Berlin in mehreren Verfahren an, wie Simone Köhler, Sprecherin des Verfassungsgerichtshofs Berlin am 1. November rbb 24 bestätigte.

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Sie scheut nicht davor zurück, die Mietpreisbremse bei Neuvermietungen nicht einzuhalten, wie das Urteil des Amtsgerichts Lichtenberg vom 28. September 2016 in dem Verfahren 2 C 202/16 belegt.

Die Instandhaltung und Instandsetzung wird vernachlässigt, teure Modernisierungen werden durchgeführt und der Mieter-Service läßt zu wünschen übrig. Kein Wunder, dass die "Deutsche Wohnen" ein Negativimage hat.

"Deutsche Wohnen" lässt sich nicht auf Kompromisse ein

Der AMV steht mit seiner Kritik nicht alleine da. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass das Verhältnis der börsennotierten Unternehmen zu ihren Mietern als angespannt und konfliktbeladen bezeichnet werden kann.

Bei den Betriebskostenabrechnungen gebe es mit allen börsennotierten Anbietern häufig Auseinandersetzungen. Unternehmen mit einer aktiven Modernisierungsstrategie hätten außerdem Konflikte um modernisierungsbedingte Mieterhöhungen zu bewältigen.

Zudem ließen sich organisatorische Mängel im Hinblick auf Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Reaktionsgeschwindigkeit bei den Unternehmen feststellen. In der Studie heißt es:

"Hinsichtlich der Konfliktbereitschaft der Unternehmen sind Unterschiede erkennbar, so in Berlin zwischen der Deutsche Wohnen und der Vonovia. Die Deutsche Wohnen lässt sich nicht auf Kompromisse ein und ficht stattdessen Streitigkeiten mit den Mietern vor Gericht aus. Besonders mit der Tochter GSW seien Kompromisslösungen vor- und außergerichtlich schwer zu erreichen. Die Vonovia fordert zwar Mietrückstände und speziell Nebenkostenrückstände in Berlin konsequent ein, klagt in diesen Fällen aber seltener als die Deutsche Wohnen. Die Vonovia hat außerdem angekündigt, sich an den Berliner Mietspiegel halten zu wollen, während die Deutsche Wohnen als einziges Unternehmen massiv gerichtlich gegen den Mietspiegel vorgeht."

Sozial-verträgliche Mietenpolitik gefordert

Anstatt weiter im großen Stil auf Einkaufstour zu gehen und ihren Jahresgewinn zu steigern, sollte die "Deutsche Wohnen" endlich eine sozialverträgliche Mietpolitik einführen, ihre Immobilien auf Vordermann bringen, den Mieterinnen und Mietern einen besseren Service bieten sowie ihr Kapital für den Wohnungsneubau verwenden.

In Deutschland werden eine Million neue Wohnungen dringend benötigt. Da kann von der Wohnungsgesellschaft verlangt werden, dass sie sich am Wohnungsneubau verstärkt beteiligt.

Die Ballungsgebiete - insbesondere Berlin - benötigen dringend neue Wohnungen und keine börsennotierte Miet-Hai-SE.

Mehr zum Thema: Um aus der Wohnungsnot der Menschen Profit zu schlagen, machen Unternehmen vor nichts mehr halt

Die Politik muss eingreifen

Die "Deutsche Wohnen" erlangt immer mehr eine marktbeherrschende Stellung in Berlin, die einen wirksamen Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt zum Nachteil der Wohnungsmieterinnen und Wohnungsmieter erheblich behindert und den Berliner Mietspiegel massiv beeinflusst.

Der AMV appelliert bereits seit längerem an die Politik auf Bundes- und Landesebene, die Mieterinnen und Mieter der "Deutsche Wohnen" nicht im Stich zu lassen, sondern einzugreifen und sie vor steigenden Mieten zu schützen.

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