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Warum aus dem netten Onkel ein Nazi wurde

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Von Manuel Weber | mw. Reichshof

Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, wie aus dem netten Onkel ein strammer Patriot wurde? Oder aus dem lustigen Arbeitskollegen ein rechter Hetzer? Warum der freundliche und stille Nachbar nun mit Pegida spazieren geht?

Es gibt bestimmt Einige, die die Gelegenheit nutzen, um jetzt auszuleben, was schon immer in ihnen schlummerte. Früher war es ja „unmodern", rechtes Gedankengut zu verbreiten. Heute ist es leider fast zur Normalität geworden, dass die Neuen Rechten ihre Propaganda über die Sozialen Netzwerke, in Talkshows oder auf Marktplätzen raus schreien.

Dann gibt es die Leute, die in ihren Augen eh immer schon die Opfer waren. Es findet sich immer Einer, der Schuld ist an ihrer Unzufriedenheit. Mal ist es die Familie, mal die Lehrer, mal die Politiker oder Bänker, die Unternehmen, die Chemtrails oder der Papst - jetzt sind es halt die Flüchtlinge.

Hauptsache man selbst ist nicht der Schuldige

Sie fallen lieber links oder rechts vom Pferd, statt selbst mal die Zügel in die Hand zu nehmen. Das sind Protestwähler, die während der Finanzkrise Linken und während der Flüchtlingskrise Rechts wählen.

Ich glaube, die große Mehrheit ist aber einfach verunsichert. Dafür kann man Einem erst mal keinen Vorwurf machen. Emotionen, wie Angst oder Sorgen, können halt schon mal auftreten. Allerdings gibt es verschiedene Arten mit diesen Emotionen umzugehen.

Reife und weise Menschen wissen, dass Angst kein guter Ratgeber ist. Also informieren Sie sich, suchen das Gespräch mit Leuten, die sich auskennen und wählen seriöse Quellen für ihre Recherchen. Und dann erkennen sie, dass ein Großteil ihrer Bedenken unbegründet war.

Weniger reife Menschen geben sich ihrer Verunsicherung hin. Und je verunsicherter sie sind, desto mehr müssen sie Recht haben. Denn daran können sie sich orientieren, das ist ihre Konstante. Ihr „Recht", ihre „Fakten" sind ihre Sicherheit.

Deswegen hört man so oft „Fakt ist", „du bist naiv" oder „informiere dich mal". Sie schaffen sich ihre eigene Realität, denn das schafft vermeintlich Sicherheit. Psychologisch erwiesen ist übrigens auch, dass einsame Menschen gerne die „Wir"-Form verwenden.

„Wir sind das Volk" klingt halt besser als „Ich bin einsam"

Natürlich macht es wenig Spaß und oft auch wenig Sinn mit diesen besorgten Bürgern zu diskutieren. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wenn man aber tatsächlich mit Ihnen diskutieren möchte, sollte man nicht versuchen herauszufinden, was sie zu einem Patrioten, Nazi oder Rassisten macht, sondern eher, was sie zu einem Menschen macht. Über Argumente, Fakten oder Statistiken wird man sie nicht erreichen.

Man sollte sie lieber daran erinnern, dass sie mal der nette Onkel, der lustige Kollege oder der freundliche Nachbar waren.

Es kommen immer weniger Flüchtlinge, die Beliebtheit der AfD geht zurück und die Politik kommt wieder zur Tagesordnung zurück. Bald wird sich die Lage in Deutschland wieder beruhigen. Und auch unsere Onkels, Kollegen und Nachbarn werden sich dann hoffentlich wieder beruhigen.

In jedem Fall aber sollten wir besonnen bleiben und uns nicht von den Hetzern, Rassisten oder Verschwörungstheoretikern beirren lassen.

Natürlich ist Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl der bessere Weg. Wer das lebt, dem geht es besser, der hat mehr Sinn im Leben und mehr Freude und Zufriedenheit. Aber wir dürfen nicht erwarten, dass Jeder das so sieht. Nationalisten, Rassisten und andere Ewig-Gestrige wird es wohl immer geben.

Natürlich muss man dagegen halten

Und darf sie nicht einfach machen lassen. Aber wer denkt, dass jeder Mensch genauso denken müsste, wie man selbst, der denkt irrational. So schön der Gedanke auch ist, in einer Welt ohne Rassisten zu leben, so unrealistisch ist er leider auch.

Das entbindet natürlich nicht von der Verantwortung, sich gegen Hetze und Ausgrenzung zu stellen, aber es macht frei davon, sich damit zu belasten. Wir haben nicht über Alles und Jeden die Kontrolle, aber wir können entscheiden, wer die Kontrolle über uns hat.

Wir sind vielleicht nicht in der Lage zu verhindern, dass der nette Onkel zum bösen Patrioten wird, aber wir können verhindern, dass er unsere Gedanken und Gefühle beeinflusst. Es reicht, wenn wir die Besorgten in unserem Land haben, wir brauchen sie nicht auch noch in unseren Köpfen.

Euer Manuel

Dieser Beitrag erschien zuerst auf deinespd.de

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