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Alltagsheldin: Kind, Job und kranken Mann

14/10/2015 10:55 CEST | Aktualisiert 14/10/2016 11:12 CEST

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MamaWahnsinnHochDrei freut sich sehr, euch heute wieder eine Alltagsheldin vorstellen zu dürfen. Denn das ist die sympathische Jana zweifelsfrei - die wirklich sehr starke und bodenständige Frau hatte und hat es nicht immer einfach.

Die Mama der entzückenden Seraphina (4 Jahre) kommt ursprünglich aus der Nähe von Osnabrück und hat in Enschede in den Niederlanden Sozialpädagogik studiert. Doch es kam anders als gedacht: Sie musste das Studium wegen finanzieller Probleme abbrechen und schlug einen komplett anderen Weg ein. Heute lebt sie - weit weg von ihrer Heimat - in Kärnten und arbeitet in einer Gärtnerei, um sich und ihre kleine Familie über Wasser zu halten, ihr Mann ist nämlich schwer krank*.

Ich möchte wissen, woher sie ihre Kraft nimmt, denn so ganz nebenbei versucht sich die 29-jährige auch als freie Autorin und Schriftstellerin. Lest selbst, wie sie ihren Alltag heldenhaft meistert!

MamaWahnsinnHochDrei: Wie sieht dein Tag aus? Du bist bestimmt ziemlich eingeteilt! Wann stehst du auf?

Jana: Organisation ist alles! Es ist wirklich oft ein Drahtseilakt, gerade seit meine Tochter in den Kindergarten geht. Da kommt es auf jede Minute an, damit ich es pünktlich zur Arbeit schaffe. Bei einer 6-Tage-Woche nicht immer so leicht, wobei ich zweimal um 6:00 Uhr anfange.

Dann stehe ich gegen 4:00 Uhr auf.

Viel bereite ich schon abends vor, so habe ich morgens weniger Stress. Zwischen Kaffee kochen, Frühstück richten und den verzweifelten Versuchen, Tochter wie auch den Papa aus dem Bett zu bekommen, richte ich mich einigermaßen markttauglich her (zumindest probiere ich es).

Im Anschluss benötige ich jemanden, der meine Tochter in den Kindergarten bringt. Am Samstag brauche ich zusätzlich eine Betreuung, da mein Mann (wenn er kann) oft am Wochenende arbeiten muss. Derzeit düse ich durch die halbe Stadt, um sie bei ganz lieben Freunden unterzubringen, die es sich tatsächlich antun, um 5:30 Uhr für mich parat zu stehen. Ohne solche Freunde sowie Familie würde das Ganze aber auch gar nicht funktionieren.

MamaWahnsinnHochDrei: Bewundernswert! Tatsächlich ein Drahtseilakt für die gesamte Familie! Wie geht es weiter?

Jana: Nach der Arbeit hole ich meine Tochter, dann erfolgt der ganz normale Wahnsinn als Hausfrau und Mutter. Von waghalsigen Experimenten in meiner viiiieeel zu kleinen Küche bis hin zum Wäsche aufhängen zwischen Kind und vier Katzen, versuche ich ganz viel in meinen Tag zu packen - um die Hälfte doch wieder zu vergessen 😉 .

Abends sitze ich oft über meiner Arbeit als Texterin, bearbeite Textaufträge für diverse Kunden und übernehme kleinere Korrekturarbeiten. Häufig arbeite ich mit einer lieben Freundin, einer Grafikerin, zusammen. Momentan dreht sich aber auch viel um meinen Mann und den Versuch, eine adäquate Behandlung für ihn zu finden.

MamaWahnsinnHochDrei: Du bist wirklich ein Wahnsinn! Hut ab! Du arbeitest sehr viel. Dein Mann ist krank. Was motiviert dich? Woher nimmst du deine Kraft?

Jana: Das wurde ich komischerweise schon oft gefragt! Ich bin ein von Grund auf sehr zufriedener Mensch und habe keine großen Ansprüche, was materielle Dinge angeht. Das macht vieles deutlich leichter. Ich brauche keinen Urlaub, kein dickes Auto. Aber ich bin ein absoluter Naturmensch. Eine große Kraftquelle ist deshalb mein Garten.

Und dann ist da natürlich vor allem meine Tochter! Es ist unglaublich, wie viel solch ein kleiner Mensch im eigenen Leben verändert. Durch sie habe ich eigentlich fast im Vorbeigehen gelernt, die ganz kleinen Dinge und Erlebnisse zu schätzen und daraus Kraft zu tanken.

Wir machen den Haushalt in kleinen Teilen gemeinsam, beschäftigen uns mit ganz banalen Dingen und versuchen so, die wenige gemeinsame Zeit qualitativ toll zu verbringen. Mit ihr die Vögel zu füttern, im Garten zu werkeln, im Wald zu spielen, erdet mich auf ganz besondere Weise.

Und bei jedem Rückschlag, der mir erst einmal den Boden unter den Füßen nimmt, brauche ich sie nur anzuschauen, und weiß wieder, warum ich das alles tue. An manchen Tagen bleibt leider gerade mal ein hastig eingenommenes Abendessen und eine Gute-Nacht-Geschichte. Gerade dienstags, wenn ich in der Regel von 7:00 Uhr bis 18:00 Uhr arbeite. Und das ist das wirklich Anstrengende für mich - dass ich zu wenig Zeit für und mit meiner Tochter habe.

MamaWahnsinnHochDrei: Du lebst mit deiner kleinen Familie in Kärnten, weit weg von deinen Eltern. Hast du außer deinen tollen Freunden, die dir die Kleine frühmorgens abnehmen, noch Unterstützung?

Jana: Ja, die habe ich hier glücklicherweise! Und ich bin dankbar für diese Menschen, die für uns da sind, gerade seit mein Mann so schwer erkrankt ist. Besonders wichtig ist meine Schwiegermama, die immer ein offenes Ohr und eine offene Tür hat.

Wir wohnen zusammen in einem Haus, aber jeder für sich. Man hilft sich gegenseitig. Ich übernehme die Gartenpflege, Schneeräumen und kleinere Reparaturen und sie nimmt mir meine Tochter ab, wenn ich jemanden brauche.

Hinzu kommen einige Freunde, ganz besonders aber ein guter Freund aus den Kindertagen meines Mannes. Er hat uns schon oft Kontakte vermittelt, die extrem wertvoll waren.

MamaWahnsinnHochDrei: Verrate uns bitte dein Motto!

Jana: Es ist keine Kunst, einen Menschen zu formen und Idealen anzugleichen. Es ist Kunst, ihm genau den Freiraum zu gewähren, den er braucht, um zu werden was er ist - ohne zu fallen. (von mir selbst)

MamaWahnsinnHochDrei: Sagen wir, du triffst Kinder-like ein Einhorn und hast drei Wünsche frei.

Jana: Oje, genau die richtige Frage für mich, wo ich doch nie weiß, was ich mir wünschen soll 😉

Es ist wirklich keine leichte Frage. Da ich in jeder Schwierigkeit zugleich auch eine Herausforderung und ein Lernfeld sehe, denke ich oft, dass alles schon seine Richtigkeit hat.

Aber hätte ich wirklich drei Wüsche frei, so wäre wohl der erste Gesundheit! Für meine Familie, allen voran jedoch für meinen Mann. Eine schwere Krankheit belastet enorm und es ist nicht gerade einfach, sich in meinem Alter immer wieder die Frage stellen zu müssen, was passiert, wenn bei einer OP etwas schief geht. Da lernt man, Gesundheit und ein halbwegs funktionierendes Gesundheitssystem erst richtig wert zu schätzen.

Der Zweite wäre ein kleiner, uriger Bauernhof, mit irre viel Platz, Tieren und großem Garten.

Der dritte Wunsch wäre gleich daran gekoppelt 😉 Ein kleiner Hofladen mit einem gemütlichen Café dabei, wo jeder vorbeischauen und auf einen kleinen Tratsch verweilen kann - und den ganzen Stress, die Hektik und oft genug die Einsamkeit vor der Tür lassen kann.

Ich glaube für mich wie auch für meine Tochter gäbe es kaum etwas Schöneres als so ein Herzstück!

In diesem Sinne vielen, vielen herzlichen Dank für deine offenen Worte, liebe Jana! Ich bin wirklich beeindruckt von deiner positiven humorvollen Art. Mögen alle deine Wünsche und noch viel mehr in Erfüllung gehen! Fühl dich umarmt!

*Janas Mann ist an Krebs erkrankt.

PS: Wer ist eure Alltagsheldin? Vielleicht eine sehr gute Freundin, eure Schwester, die eigene Mama, eine liebe Cousine oder die nette Nachbarin? Ich suche tolle Frauen, die den Alltag mit Kids & Co. immer mit einem Lächeln meistert! Schreibt mir eine E-Mail und verratet mir mehr über diese besondere Lady! Es würde mich sehr freuen, sie hier im Blog vorzustellen. Als kleines Dankeschön bekommt ihr beide ein Kristall-Armband von Gedankenkraft. Meine E-Mail-Adresse: mamawahnsinnhochdrei@gmail.com

PPS: Mehr über MamawahnsinnHochDrei erfährt ihr hier.

Video: Das sind die wichtigsten Warnsignale für Krebs

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