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DACH Region gewinnt an Lebensqualität und guten Arbeitsbedingungen, scheitert aber bei Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung

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SWITZERLAND
M Swiet Productions via Getty Images
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Taiwan, Malta und Ecuador führen in der bereits zum dritten Mal durchgeführten InterNations Expat Insider 2016 Studie das globale Ranking der besten Länder für ein Leben im Ausland an. Mit über 14.000 Umfrageteilnehmern handelt es sich um eine der umfassendsten Studien weltweit, die sich mit der Lebenssituation von so genannten Expatriates befasst.

Die Bewertungen Österreichs haben sich seit dem 19. Rang im Jahr 2014 kontinuierlich verbessert und Österreich ist dieses Jahr mit Platz 8 von 67 erstmals unter den zehn beliebtesten Zielländern weltweit. Deutschland ist jedoch nicht unter den beliebtesten Zielländern, obwohl es immerhin den 17. Platz von insgesamt 67 Ländern belegt. Während die Schweiz 2014 noch mit einem vierten Platz beeindruckte, ist sie inzwischen auf Rang 31 abgerutscht.

Hier können Sie mehr über die drei Länder und die Hintergründe für ihr Abschneiden im internationalen Vergleich erfahren:

Deutschland
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Deutschland bietet ausländischen Arbeitskräften mit die besten Arbeitsbedingungen weltweit
Im Gesamtranking der beliebtesten Destinationen für Expatriates steht Deutschland unter 67 Ländern aus der ganzen Welt lediglich an 17. Stelle, zwischen Rumänien auf Platz 16 und Thailand auf Platz 18. Während das kühle Wetter und der ebenso frostige Empfang für Expats zu einem gewissen Teil erklären können, weshalb Deutschland nicht in den Top Ten vertreten ist, verhilft die sprichwörtliche deutsche Effizienz zu einem sehr guten dritten Platz beim Thema Arbeiten im Ausland.

Dabei wird Deutschland zwar von Taiwan und Luxemburg abgehängt, schneidet aber besser ab als alle seine weiteren Nachbarstaaten. Damit ist Deutschland die ideale Destination für alle diejenigen, die auf der Suche nach einem sicheren und erfüllenden Arbeitsplatz sind.

Fast drei Viertel aller internationalen Arbeitskräfte in Deutschland (72 Prozent) sind mit ihrer 39,9-stündigen Arbeitswoche -- die um 1,5 Stunden kürzer ist als der weltweite Durschnitt von 41,4 Stunden -- im Allgemeinen zufrieden.

Für Vollzeitarbeitskräfte ist der Unterschied zwischen der durchschnittlichen deutschen Arbeitswoche und dem globalen Durchschnitt von 44,6 Stunden sogar noch größer. Doch Expats in Deutschland schätzen nicht nur die gebotene Work-Life-Balance, sondern auch ihren sicheren Arbeitsplatz: Fünf von sieben Befragten sind mit diesem Faktor zufrieden, sodass Deutschland in der Kategorie Jobsicherheit weltweit auf Platz zwei landet.

Deutsche zurückhaltend gegenüber Expats
Das Klischee des unhöflichen und unfreundlichen Deutschen könnte in der Tat ein Körnchen Wahrheit beinhalten. Die Ergebnisse der Expat Insider Studie zeigen, dass Expats beim Umzug nach Deutschland kein besonders herzlicher Empfang bereitet wird.

In allen Umfragen der letzten drei Jahre wurde die Gewöhnung an die Kultur des Gastlandes von Expats als problematisch beschrieben, und Deutschland ist im Index zur Eingewöhnung im Ausland allmählich auf Platz 57 von 67 Ländern abgerutscht. Die meisten Probleme scheint den ausländischen Befragten die deutsche Sprache zu bereiten: Mehr als sechs von zehn Expats (62 Prozent) haben Mühe, Deutsch zu lernen, und mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) sagt, es sei eher schwer, hierzulande ohne deutsche Sprachkenntnisse zurechtzukommen.

Die zweitgrößte Herausforderung besteht darin, unter der lokalen Bevölkerung Freunde zu finden. Circa die Hälfte der Befragten (49 Prozent) bezeichnet dies als Problem, während weltweit nur ein gutes Drittel (36 Prozent) dieser Aussage zustimmen würde.

Zudem erwartet Expats, die voller Vorfreude nach Deutschland ziehen, ein eher frostiger Empfang: Jeder vierte Expat (24 Prozent) beklagt sich über den allgemeinen Mangel an Freundlichkeit, während jeder fünfte findet, dass die Deutschen zu ihren ausländischen Mitbürgern besonders unfreundlich sind.

Österreich
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Gute Work-Life-Balance, aber kaum Freunde zur Freizeitgestaltung
Expats arbeiten gerne in Österreich: 80 Prozent sind mit der hiesigen Wirtschaftslage zufrieden, und das Land liegt in der Kategorie Jobsicherheit auf Rang 7 von 67. Unter den Befragten äußern sich 71 Prozent positiv zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit.

Dies dürfte unter anderem der arbeitnehmerfreundlichen Arbeitswoche in Österreich geschuldet sein, die mit 39,7 Stunden pro Woche deutlich kürzer ist als der globale Durchschnitt von 41,4 Arbeitsstunden. Die entsprechende Freizeit so zu gestalten, dass sie Freude macht, dürfte jedoch schwer fallen: Nach Angabe der ansässigen Expats ist Österreichs große Schwachstelle die mangelnde Gastfreundlichkeit der Einheimischen.

Beim Thema Eingewöhnung im Ausland liegt Österreich sogar unter den 15 Ländern, die weltweit am schlechtesten abschneiden. Über ein Viertel der Studienteilnehmer (26 Prozent) sind mit der Einstellung der lokalen Bevölkerung Expats gegenüber nicht zufrieden und fühlen sich nicht willkommen.

Zudem finden nur 12 Prozent der Expats, dass die Österreicher sehr freundlich zu ihren ausländischen Mitbürgern sind -- halb so viel wie der weltweite Durchschnitt von 24 Prozent. Dies trägt zum Teil zu Österreichs unterdurchschnittlichem Abschneiden auf Platz 58 von 67 in der Kategorie Freundlichkeit bei. Darüber hinaus scheint es Expats auch schwer zu fallen, in Österreich Freunde zu finden: Hier liegt das Land auf Platz 56. Nur ein Drittel der Befragten ist der Ansicht, dass man unter der einheimischen Bevölkerung leicht Freunde finden kann, wohingegen sich 45 Prozent aller Teilnehmer weltweit hierzu positiv äußern.

Die Schweiz
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Die Schweiz für Expats: Sicherheit, teuer erkauft
Gerade in diesen bewegten Zeiten gewinnt das Thema persönliche Sicherheit immer mehr an Bedeutung. Während 11 Prozent aller Expats weltweit mangelnde Sicherheit im Zielland als möglichen Nachteil des Umzugs ins Ausland betrachteten, machen weniger als 0,2 Prozent der Befragten ähnliche Angaben zur Schweiz. Im Gegenteil: Beeindruckende 61 Prozent der inzwischen dort lebenden Expats sahen die Sicherheit im Gastland vielmehr als potenziellen Vorteil -- wesentlich mehr als der globale Durchschnitt von 43 Prozent. Nach ihrer Ankunft in der Schweiz wurden ihre Erwartungen zudem vollumfänglich erfüllt: Lediglich ein Prozent aller Expats in der Schweiz beurteilen den Faktor persönliche Sicherheit negativ, im Vergleich zu einem weltweiten Durchschnitt von zwölf Prozent.

Die zweite gute Nachricht: Die Einkommensverhältnisse der in der Schweiz lebenden Expats liegen ebenfalls weit über dem globalen Durchschnitt. Mit 29 Prozent aller Umfrageteilnehmer in der Schweiz umfasst die größte Einkommensgruppe alle Befragten mit einem jährlichen Bruttohaushaltseinkommen von 100.000 bis 150.000 USD (globaler Gesamtdurchschnitt: 10 Prozent).

Zwölf Prozent der dort ansässigen Expats fallen sogar in die noch höhere Einkommensgruppe von 150.000 bis 200.000 USD pro Jahr, im Vergleich zu einem weltweiten Durchschnitt von lediglich fünf Prozent. Ähnliches gilt für jährliche Haushaltseinkommen von mehr als 200.000 USD brutto, wo der Anteil von 14 Prozent der Befragten in der Schweiz fast das Dreifache des weltweiten Ergebnisses von 5 Prozent beträgt.

Zu den beliebtesten Berufsfeldern für erwerbstätigen Expats in der Schweiz zählen Informationstechnologie (13 Prozent), die pharmazeutische Industrie sowie Finanzen, Immobilien und Versicherungen (jeweils 12 Prozent).

Den hohen Einkommen zum Trotz sehen viele Expats in der Finanzierung ihres Lebensunterhalts in der Schweiz eine Herausforderung. Dies liegt an den beträchtlichen Lebenshaltungskosten, welche 65 Prozent der Umfrageteilnehmer für zu hoch halten. Dies spiegelt sich auch im Abwärtstrend der Schweiz im Index zum Thema persönliche Finanzen im Ausland wider: Während die Schweiz 2014 noch in den Top 10 thronte, rutschte sie 2015 auf Platz 18 ab und ist dieses Jahr auf Platz 29 von 67, zwischen Kenia (Rang 28) und Österreich (Rang 30), zu finden.

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