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Maiyra Siddiqui Headshot

Denkt an die, die auch stets an euch dachten

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OLD MUSLIM COUPLE
The Washington Post via Getty Images
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Iqbal lässt die Würfel auf das Spielfeld von "Mensch-Ärgere-Dich-Nicht" fallen, läuft mit seiner Figur und lacht vor Freude auf, als er eine Figur vom gegnerischem Team eliminieren darf. Amina, seine Ehefrau, freut sich über den kleinen Triumph ihres Ehemannes und genießt weiter ihren Schwarztee mit Milch. Beide sind schon seit 52 Jahren verheiratet, und können sich nur noch über kleine Dinge, wie einen Gewinn im Brettspiel freuen.

Als es an der Tür klingelt, bleibt Aminas Herz für einen kurzen Augenblick stehen. Hat am heutigen Tag doch eines ihrer Kinder oder Enkelkinder an sie gedacht? Amina läuft zögerlich zur Tür, ihre alten Augen sehnen sich heute auch noch nach dem Familienbund, den sie jahrelang gelebt haben, die Hoffnung hat sie nicht aufgegeben. Als sie die Tür öffnet, erwartet sie nur der Postbote, der die tägliche Zeitung bringt.

Amina betrachtet über seine Schultern hinweg die Familien, die nach dem Id-Ul-Fitr-Gebet (dem gemeinsamen Gebet nach der Fastenzeit) aus der Moschee austreten. Sie beobachtet einen kleinen Jungen, der an der linken Hand seinen Opa fest umklammert und an seiner rechten seine Oma. Beim Anblick derer Glückseligkeit und Freude empfindet auch Aminas Herz eine vollumfängliche Wärme.

Aminas Augen schlagen mit Trauer zu Boden und füllen sich mit Tränen. Am heutigen Festtag des Fastenbrechens, an welchem alle Familien den Tag gemeinsam verbringen, schöne Kleider tragen, ein großes Festmahl vorbereitet wird und am wichtigsten, die Zeit gemeinsam verbracht wird - verbringen Iqbal und Amina den Festtag alleine in ihrem 1-Zimmer-Apartment des Altenheimes in Lahore (Pakistan). Während Amina zurück ins Zimmer geht, denkt sie an die vergangene Zeit zurück.

Ihre zwei Söhne schoben den finanziellen Aufwand für die Lebenshaltung der Eltern als Begründung vor, und brachten beide an einem Morgen in das 70 km entfernte Altenheim. Hierbei handelt es sich um eine Wohltätigkeitseinrichtung, die finanziell nur durch Spendenbeiträge und minimale Aufnahmegebühren aufrecht erhalten wird.

Beide hatten an diesem Tag vor zwei Jahren, nicht mal die Zeit erhalten, sich von ihren Enkelkindern zu verabschieden, dass hätte die Abfahrt noch weiter hinausgezögert. Beide sollten so schnell wie möglich deren Haus, das bisher wie in Pakistan üblich von mehreren Generationen bewohnt wird, verlassen.

Iqbal schaut zu Amina auf, sie schüttelt nur den Kopf um ihm zu signalisieren,dass auch am heutigen Tag keiner daran gedacht hat, sie zu besuchen. Den Schmerz den Iqbals Augen zu diesem Moment wiedergeben, ist für Amina klar erkennbar. Beide nehmen es ihren Kindern dennoch nicht sehr übel, vielleicht hatten sie zu viel zu Erledigen am heutigen Feiertag. Beide sprechen dennoch ständig Bittgebete für ihre Kinder aus, dass sie stets gesund, glücklich und voller Zufriedenheit ihr Leben genießen können.

Iqbal versucht die Situation zu überdenken: Vielleicht empfinden seine Kinder ein Schamgefühl, ihre Eltern an solch einem Ort zu besuchen? Wieso haben es ihre Söhne so weit kommen lassen? Welches Gedankengut muss in ihnen umher schweifen, welches es soweit gebracht, hat die eigenen Eltern abzustoßen?

Gesellschaftlicher Wandel

Mit dem Wandel der Zeit verändern sich auch gesellschaftliche Normen und Werte. Die Zahl der Registrierungen in einem Altenheim, die durch die eigenen Kindern vorgenommen werden, steigt jährlich weltweit an. Es ist gar zum Trend geworden, die Fürsorge der Eltern im hohen Alter in die Hände staatlicher Institutionen zu übergeben.

Wie viel Gutes der Staat auch leisten mag, er wird Amina und Iqbal niemals die innere Ruhe, Zufriedenheit und Geborgenheit geben können, die Menschen in diesem Alter nötig haben! Die heutige Gesellschaft ist so unter dem Einfluss moderner Bestrebungen gefangen, dass die Fürsorge der eigenen Eltern als Last empfunden wird.

Der Eltern, die das eigene Kind mit so viel Liebe und Geborgenheit aufziehen, die ihre Nächte und ihren Schlaf für die Fürsorge opfern, diese Eltern werden dann, wenn das eigene Kind selbstständig ist, auf eigenen Füßen steht, als Plage wahrgenommen.

Islamische Lehre

Der Islam lehrt die Muslime "Erweise GĂĽte den Eltern; Wenn eines von ihnen oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, sage nie "Pfui!" zu ihnen, und stoĂźe sie nicht zurĂĽck, sondern sprich zu Ihnen ein ehrerbietiges Wort. Und neige gĂĽtig gegen sie den Fittich der Demut und sprich: Mein Herr, erbarme Dich ihrer, so wie sie mich als Kleines betreuten" (Koran 17:24-25).

Der Güte gegenüber den Eltern ist ein hohes Maß zugesprochen worden. Die Verse sprechen von Momenten, wenn das Verhalten einer oder beider Eltern(teile) äußerst anstrengend und manchmal anstößig wird.

Als Erwiderung hierauf sollte nicht einmal auch nur der geringste Laut von Abscheu über die Lippen kommen. Der Umgang mit ihnen sollte möglichst durch Liebe, Fürsorge und Geborgenheit geprägt sein. Aus diesem Grund lehrt die Gesellschaftsphilosophie, Generationenkonflikte zu vermeiden.

Der Islam vermittelt, eine bestmögliche Beziehung zwischen Eltern und Kind aufzubauen. In der islamischen Gesellschaft wird die Liebe zwischen beiden derart nachdrücklich betont, dass es einem Kind unmöglich ist, seine Eltern dann, wenn sie ein hohes Alter erreicht haben, nur dem eigenen Vergnügen zuliebe abzuschieben.

In muslimisch geprägten Ländern wie Pakistan, sollte man dieser neuen Entwicklung entgegenwirken. Einer der besten Lösungsansätze ist hier, die Lehren des Islams gründlicher zu studieren, diese zu beherzigen und zu praktizieren. Zudem sollte die Vernachlässigung von religiösen Geboten vermieden werden.

Lasst uns an Lösungen arbeiten, die diesem neuen gesellschaftlichen Trend entgegenwirken. Gebt euren Eltern auch die Liebe und Fürsorge zurück, mit welcher sie euch als Kleines versorgt haben! Gebt ihnen die Hand, die sie Euch auch gaben als Ihr noch nicht auf Euren eigenen Beinen stehen konntet.

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