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Warum uns die Legalisierung eigenverantwortlicher macht

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CANNABIS
PETER PARKS via Getty Images
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Selbstgefährdung ist erlaubt

Täglich tun wir viele Sachen, die nicht gut für uns sind. Wir wissen das und machen es trotzdem. Weil es uns gefällt, weil wir es selbstbestimmt und eigenverantwortlich machen, weil es unsere Freiheit als Erwachsene ist.

Weder sind riskante Sportarten verboten, noch zu fettiges oder zuckriges Essen. Alkohol, Zigaretten und Koffein werden tagtäglich genossen und konsumiert. Warum das bei Drogen anders sein soll, verstehe ich nicht.

Ja, sie schädigen! Doch solange nicht andere geschädigt werden, ist das keine Frage des Strafrechts. Allein die Fremdgefährdung gehört weiter bestraft. Wie das Fahren unter Alkoholeinfluss strafbar ist, so sollte auch Fahren unter dem Einfluss von Drogen strafbar sein; mit denselben Konsequenzen.

Und genauso wie ein Bierkasten im Auto transportiert werden darf, so sollte das Mitführen von kleinen Mengen an Drogen wie Cannabis auch nicht bestraft werden.

Einen Anfang machen: Cannabis entkriminalisieren

Sicher lassen sich nur Mehrheiten für eine schrittweise Änderung unseres Betäubungsmittelrechts finden. Deshalb sollten wir erstmal mit Cannabis anfangen. Kiffer sind weitestgehend harmlos.

Allerdings grenzt Kriminalisierung sie aus und verbaut ihnen viele Chancen. Holen wir die Menschen zurück in die Gesellschaft! Wenn die Strafbarkeit fällt, dann wird auch eine wirkliche Suchtprävention und ein ehrliches Zugehen auf Drogenkranke möglich.

Einstieg in Kriminalität beenden

Immernoch geistert der Glaube an Cannabis als Einstiegsdroge durch die Welt. Das war und ist falsch, auch wenn es immer wiederholt wird. Wer bewusstseinsverändernde Substanzen nehmen will, der probiert es zunächst mit Tabak oder Alkohol.

Er beginnt damit nicht gleich eine Drogenkarriere, sondern sucht sich einfach, was er will und wird es weiter tun. Was hingegen stimmt ist, dass die Kriminalisierung von Cannabis zu Karrieren als Straftäter führen kann. Denn wer Drogen nimmt, ist eigentlich nicht kriminell, sondern wird vom Staat zum Kriminellen gemacht.

Das Verbot zwingt den harmlosen Konsumenten, sich auf dem Schwarzmarkt seinen Eigenbedarf zu besorgen, hier muss er mit zwielichtigen Dealern und Verbrechern in Kontakt treten, die nicht sein Wohl, sondern nur den eigenen Profit im Blick haben.

Dies trifft insbesondere Menschen, die auf die medizinische Wirkung, von zum Beispiel Cannabis, angewiesen sind. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen.

Polizei und Justiz entlasten

Rund fünf Prozent des Personals bei Justiz und Polizei verfolgt mittlerweile Drogendelikte, ein Großteil davon Menschen, die Cannabis konsumieren. Sorgen wir dafür, dass sie entlastet werden. Es fehlen so oder so ausreichend Polizistinnen und Polizisten. Sollen die wenigen, die wir haben, sich doch um die wirklichen Probleme kümmern, um Einbruchsdelikte, Diebstahl oder Terrorismus.

Drogenkranke zurückholen

Wenn wir den Konsum von Cannabis entkriminalisieren, gibt es die Chance, ganz anders auf Abhängige zuzugehen, Therapien anzubieten, Ausstiege zu ermöglichen. Erst mit dem Wegfall der Kriminalisierung können sie sich Vertrauten öffnen, ohne Angst verfolgt zu werden. Dies bietet neue Zugänge.

Hören wir endlich auf, weiter mit der altbackenen Drogenpolitik gegen die Wand zu fahren. Lenken wir um. Portugal zeigt, dass es anders geht. Der Besitz von Drogen ist dort keine Straftat mehr, sondern eine Ordnungswidrigkeit. Selbst harte Drogen wie Heroin oder Kokain dürfen konsumiert werden.

Wo früher das Justizministerium zuständig war, ist jetzt das Gesundheitsministerium zuständig. Ergebnis: Die Zahl der Abhängigen geht zurück und die Verwahrlosung nimmt ab. Die Drogenkonsumenten können selbstbestimmter leben als zuvor. Und darum muss es uns doch gehen, dass die Menschen freier leben können.

Jugendschutz ist ein Muss

Klar ist, dass Cannabis bis ungefähr zum 25. Lebensjahr die laufende Hirnentwicklung schädigt. Deshalb muss weitere Aufklärung betrieben werden und deshalb muss der Verkauf und die Weitergabe an Jugendliche weiter verboten sein.

Ab der Volljährigkeit sollte allerdings gelten, was auch in anderen Bereichen gilt: Eigenverantwortung. So wie es nicht verboten, aber dumm ist, sich das Hirn als Erwachsener wegzusaufen, so sollte es auch einfach nur dumm sein, sich das Hirn wegzukiffen. Nicht mehr und nicht weniger.

Cannabis-Entkriminalisierung nur ein Anfang

Die Entkriminalisierung von Cannabis kann nur der Anfang einer anderen Drogenpolitik sein. Maßstab dabei: Wer sich nur selbst gefährdet wird nicht bestraft, dem wird geholfen, selbstbestimmter, drogenfreier leben zu können.

In diesem Sinne gilt es, das Betäubungsmittelrecht zu ändern, Stück für Stück. Nach der Entkriminalisierung von Cannabis trauen wir uns dann vielleicht an die kontrollierte Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige, denen Methadon nicht hilft. Und bis dahin sorgen wir für einheitliche, hohe Freigrenzen beim Besitz zum Eigenbedarf und Anbau von Cannabis.

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