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Wir sind die Eltern, über die niemand spricht

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SAD PARENTS
AleksandarNakic via Getty Images
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Neun Monate lang ist im eigenen Körper ein neues Leben herangewachsen. Es wurde Spielzeug gekauft und unzählige Mengen an Kleidung und Dekoration angeschafft. Man hat alle Bücher gelesen und weiß genau über die Vorzüge verschiedener Erziehungsmethoden Bescheid.

Man ist gewappnet und bereit. Ungeduldig und aufgeregt. Bald schon wird das kostbare Bündel purer Freude ankommen. Die Zukunft kann nicht schnell genug beginnen, sie wird von Freude erfüllt sein, so viel steht fest.

Wir alle haben Artikel, Blogbeiträge und Dokumentationen darüber gesehen, wie schwer es ist, Eltern zu sein. Manche sind sehr ernst, in anderen Artikeln schwingt ein gewisser Humor mit. Die schlaflosen Nächte, die die eigene Beziehung an die Grenzen des Belastbaren treiben, der endlose Kreislauf von füttern und Windeln wechseln. Aber dann wird es besser - so ist es doch immer, oder?

Mehr Zeit im Krankenhaus als zuhause

Das Kind rollt sich das erste Mal auf den Bauch, es lächelt zum ersten Mal. Es schläft das erste Mal die Nacht durch und spricht sein erstes Wort. Die anstrengende Anfangszeit erscheint plötzlich weit weg und ist nur noch eine blasse Erinnerung. Kinder blühen auf und werden zu wunderbaren kleinen menschlichen Wesen.

Vielleicht klammern sie, vielleicht sind sie gleich unabhängig. Vielleicht kann man nicht einmal in Ruhe auf die Toilette gehen, weil Kinder nun einmal neugierig sind und Angst haben, etwas zu verpassen. Letztendlich aber beobachtet man voller Glück, wie kleine Kinder sich zu wundervollen jungen Menschen entwickeln, die ihre ganz eigene verschmitzte Persönlichkeit haben.

Aber was ist mit den Familien, die diesen Luxus nicht erleben dürfen? Familien, deren Kinder ernsthaft krank sind oder Familien, die so sehnsüchtig auf die ersten Meilensteine warten und diese nie eintreten? Familien, die mehr Zeit im Krankenhaus als zuhause verbringen?

Familien, die voller Ungeduld darauf warten, dass ihr Kind seine eigene besondere Persönlichkeit entwickelt, weil sie keine ruhige Minute haben, nicht einmal auf der Toilette?

Leben mit einem kranken Baby

Wir alle sehen überall die Plakate, die auf die Wichtigkeit des Stillens hinweisen. Milchpulver scheint dieser Tage fast schon verflucht. Aber was ist mit den Kindern, die einfach nicht die Fähigkeit oder die Kraft haben, gestillt zu werden? Babys, die eine besondere Milch benötigen oder künstlich ernährt werden müssen, weil sie einfach nicht an Gewicht zulegen?

Manche Babys sind seh- oder hörbehindert, sie brauchen besondere Unterstützung, da sie sich nicht selber helfen können. Manche Babys sind geistig behindert und können sich nicht so mitteilen, wie sie es gerne würden. Diese traurige Liste ist lang.

Vielleicht kommen einem diese Dinge gar nicht in den Sinn, wenn das eigene Baby gesund ist. Das ist sicher aus vielerlei Gründen so.

Ich aber habe grade das härteste Jahr meines Lebens hinter mir (aber auch das beste Jahr, denn ich durfte meinen wunderbaren Sohn auf der Welt begrüßen), und ich musste feststellen, dass es nicht besonders viel Unterstützung, Literatur oder überhaupt Ratschläge dazu gibt, wenn das Leben eine andere Richtung einschlägt, als man erwartet hatte.

Mehr zum Thema: Mein Kind hat eine unheilbare Krankheit - aber ich werde mich nie damit abfinden

Ich kann das Leben mit einem kranken Baby nur so beschreiben, dass es herzzerreißend ist. Es zerstört die Seele und öffnet einem doch gleichzeitig die Augen. Und wenn ich krank sage, dann meine ich chronisch krank. Es gibt ein gesundheitliches Problem, oder auch viele Probleme, für das es nie eine Lösung geben wird.

Erschöpfung, Trauer und Sorgen

Man muss sich anpassen, denn es bleibt einfach keine Zeit dafür, sich nicht anzupassen. Ein Kind braucht seine Eltern. Aber schon bald gewinnen die unglaubliche Erschöpfung und die Sorgen die Oberhand. Man wird von einer unglaublichen Trauer erfasst, sobald man einmal alles in sich aufnimmt - aber es muss weiter gehen, es muss.

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Niemand möchte daran denken, dass das eigene Kind krank sein könnte oder das Leben einfach nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Es ist unheimlich und beängstigend, es ist die große Unbekannte. Aber vielleicht müssen wir alle diese Möglichkeit etwas mehr normalisieren, denn es passiert weit öfter, als man uns glauben machen will.

Eine gute Gesundheit ist so zart und zerbrechlich und doch nehmen wir sie als selbstverständlich hin - bis etwas passiert. Erst dann begreifen wir, wie glücklich wir doch sind.

Ich bin mir sicher, dass es viele Kinder auf der Welt gibt, denen es noch schlechter geht als meinem Baby (inzwischen ist es ein Kleinkind), aber es könnte dennoch viel besser sein. Ich verstehe durchaus, dass das hier kein leichtes Thema ist, und dass es von sehr viel Traurigkeit begleitet wird. Aber es ist ein Thema, von dem ich glaube, dass es offen und ehrlich angesprochen werden kann.

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Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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