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Nur Mut, liebe Damen: Warum die Frauenquote überflüssig ist

28/02/2014 08:25 CET | Aktualisiert 30/04/2014 11:12 CEST
dpa

CDU und SPD haben im Koalitionsvertrag die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote beschlossen. Denn der Frauenanteil in Aufsichtsgremien liegt aktuell bei 21,9 Prozent - deutlich hinter den 40 Prozent, die EU-Justizkommissarin Viviane Reding europaweit anstrebt. Noch dramatischer ist die Situation bei den Aufsichtsratsvorsitzenden, den "Schaltstellen der Macht", wie Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapiere e.V. sie nennt. Hier liegt der Frauenanteil sogar nur bei 12,5 Prozent. Im kommenden Jahr werden die Unternehmen deshalb verpflichtet, ihre Zielgrößen für die Erhöhung des Frauenanteils in den Chefetagen zu erhöhen. 2016 soll der Anteil dann 30 Prozent betragen.

Brauchen wir die Frauenquote?

Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster und behaupte: Wir benötigen prinzipiell gar keine Quote. Schon heute nicht. Und in Zukunft noch viel weniger. Denn wir Frauen besitzen eine geheime Waffe, die den Herren der Schöpfung weitestgehend fremd ist: Die Fähigkeit zum Multitasking. Der renommierte Politikprofessor James Flynn aus Neuseeland geht sogar so weit, zu behaupten: Frauen haben im Vergleich zu Männern das höhere Intelligenzpotential und sind besser auf die zunehmende Komplexität der modernen Welt vorbereitet. Sie scheinen viel routinierter darin, sowohl berufliche als auch private Leistungen parallel zu erbringen.

Multitasking: Ein zweischneidiges Schwert

Die Fähigkeit zum Multitasking ist allerdings nicht automatisch ein Segen. Falsch eingesetzt, wohnt ihr eine Gefahr inne, die ich überspitzt „Multitasking-Falle" nenne. Ein Karrierehemmnis, mit dem sich Frau ziemlich schnell konfrontiert sehen kann. Sofern Sie nicht genügend auf sich Acht gibt. Psychologisch funktioniert die Falle so:

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Die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, ist auch bei uns Frauen leider begrenzt. Besonders stark ist das Arbeitsgedächtnis bei der Ausführung von Routine-Aufgaben. Besonders schwach bei der Bearbeitung komplexer Vorgänge. Gut zu bewältigen wäre also eine Mischung aus unterschwelligen Routine- und denkintensiven Komplexaufgaben. Springt man allerdings zwischen zwei komplexen Aufgaben hin und her, bilden sich „Zeitlöcher", da man sich bei jedem Wechsel wieder neu einarbeiten muss. Und je konzentrierter wir gerade arbeiten, desto schwieriger wird es, abzubrechen und sich auf eine weitere komplexe Aufgabe einzulassen. Tatsächlich erledigen wir die einzelnen Aufgaben dann schlechter als wenn wir sie der Reihe nach abgearbeitet hätten. Erkennen Sie sich wieder?

Mehrere anspruchsvolle Aufgaben im Multitask-Verfahren erledigen zu wollen, führt zu einem permanent hohen Stresslevel, zur Frustration, Angst vor neuen Aufgaben und sinkendem Selbstbewusstsein. „Echte Aufgaben brauchen ungeteilte Aufmerksamkeit" weiß auch die Philologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Manuela Macedonia zu berichten.

Multitasking richtig angewandt

Die Segnung des Multitaskings wird also dann zum Fluch, wenn man sich zu vielen komplexen Aufgaben widmet. Dabei hat jede Frau ihre ganz persönlichen Gründe, warum das geschieht. Um diese aufzudecken, sollte sie sich folgende Fragen ehrlich beantworten:

• Könnte dahinter Ihr Wunsch stehen, perfekt sein zu wollen und es allen recht zu machen? Also einfach nicht Nein sagen zu können?

• Ist das Multitasking als Lebensstil nur eine willkommene Gelegenheit, um sich mit wichtigen Themen des Lebens nicht auseinandersetzen zu müssen?

Die Gewohnheit, sich ablenken zu lassen oder dem Druck von außen zu erliegen, zeugt wiederum häufig von mangelnder Selbstachtung. Ich rate dazu, sich in die Position stabilen Selbstbewusstseins zu bringen und so die Negativspirale zu stoppen. Versuchen Sie deshalb

• Nicht ausschließlich ökonomisch zu denken, sondern daran, was in diesem Moment gerade wichtig ist.

• Nie akut und überhastet zu reagieren, sondern sich intensiv mit etwas zu beschäftigen, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Quality Time".

• Unbedingt auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und eine Aufgabe Schritt für Schritt zu erledigen.

• Sich selbst eine Begründung dafür zu geben, warum Sie die Aufmerksamkeit innerhalb eines Arbeitsschritts „verweigern". Das stärkt auch die Transparenz und das Vertrauen beispielsweise in einer Beziehung.

Frau muss also lernen, äußere Einflüsse richtig zu filtern, zu priorisieren und gezielter auf sie zu reagieren. Wenn sie es schafft, sich in Achtsamkeit gegenüber sich selbst zu üben und ihre Multitasking-Gabe clever anzuwenden, wird sie in allen Bereichen glänzen. Dann wird sie diese Fähigkeit bis hinauf in die obersten Führungspositionen katapultieren. Ohne jede Quote. Da bin ich mir sicher. Nur Mut, liebe Damen!

Mehr zum Buch „Achtsamkeit statt Multitasking" finden sie hier.

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