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Wie man Kinder erzieht, die nicht weinerlich und nervig sind

07/08/2015 12:41 CEST | Aktualisiert 07/08/2016 11:12 CEST

In einer aktuellen Umfrage der US-Sendung "TODAY" unter Müttern sagten 42 Prozent, dass sie "manchmal unter Pinterest-Stress leiden."

Laut Today.com sind Symptome dieser Erkrankung, bis nachts um drei Uhr Fotos von reizenden, handgemachten Geburtstagsparty-Mitbringseln anzuklicken, obwohl du am Ende deine eigenen im Ein-Euro-Laden kaufst, oder still in einen angebrannten Haufen teurer Zutaten zu weinen, die für niedliche Häschenkekse für den Plätzchenverkauf der Schule gedacht waren."

Das nenne ich gern Erste-Welt-Probleme. Bist du sauer weil die Valentinstagsdekorationen, die du zwei Wochen lang für die Party deines Kindes gebastelt hast, von denen einer anderen Mama ausgestochen wurden? Dein Teenager weigert sich, ein passendes T-Shirt für deine gründlich geplanten Familienfotos anzuziehen? Erste-Welt-Probleme.

Ich gebe zu: Ich wurde auch schon in den Sog von Pinterest und den Freuden, die es verspricht, hineingezogen. Mein selbstgeschnittener Pony stellte sich als Gehäcksel heraus.

Meine supereinfachen Lebkuchenmänner am Stiel sahen aus wie Lebkuchenzombies. Und das tolle idiotensichere Dessert, das mir alle verlinkt haben, hat kläglich versagt. Es wurde Suppe daraus. Und unsere Gäste bestanden höflich darauf, es zu probieren und ihren Kuchen wie Eintopf aus der Schüssel zu schlürfen, weil sie aus dem mittleren Westen kommen.

"Es schmeckt nach Pudding", sagte einer unserer Freunde freundlicherweise. Sie sind seitdem nicht mehr zu uns gekommen. Ich glaube, Pinterest versucht mich umzubringen. Aber weißt du was? Erste-Welt-Probleme.

Ich sage das auch zu meiner Tochter. Sie ist zwei und blond und wird von einer Menge toller Leute geliebt. Wenn sie also weint, weil ihre Erdbeerpfannkuchen zu viele Erdbeeren enthalten, oder weil ich "Mickey Mouse" ausschalte -- und sie weint nicht nur, sondern wirft sich mit dem Zorn der Gerechten zu Boden -- habe ich drei Worte für sie übrig, bevor ich weggehe: Erste. Welt. Probleme.

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Direkt nach meiner Hochzeit lief bei der "Today Show" ein Segment über Post-Hochzeits-Depression. Ein Zustand, in dem Bräute in eine Krise geraten, weil sie nicht länger der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sind.

"Weißt du, wie man das nennt?", sagte mein Vater, als ich ihm den Artikel zeigte. "Verjammerte Mädchen Krankheit!"

Jetzt bin ich eine Mutter und wir jammern alle über die Mama-Wettstreits, Pinterest-Stress und all die Dinge, über die sich gut genährte Mittelklasseleute mit iPhones Gedanken machen.

Mama-Wettstreits? Weißt du, wer Mama-Wettstreits hat? Frauen mit genug Zeit und verfügbarem Einkommen, um die Tatsache beklagen zu können, dass andere sie dafür "verurteilen" wie sie ihre Kinder ernähren. Pinterest-Stress? Das bekommst du, wenn du dringend ein Problem brauchst.

Ich ziehe Kinder in einer privilegierten Welt groß. Wir haben Nahrung. Geld, das wir für eine Ausbildung sparen können. Mit zwei Jahren hat meine Tochter ein Zimmer, das größer ist als jedes Zimmer, das ich jemals in meinem Leben bewohnt habe.

Wir können uns das schicke Kleid für Ostern leisten. Wenn wir einen schlechten Tag haben, können wir uns eine kleine Belohnung leisten. Ich bin froh, dass ich ein Kind unter diesen Bedingungen großziehen kann.

Tatsächlich haben mein Mann und ich damit gewartet Kinder zu bekommen, damit wir uns Sachen wie einen Urlaub in Florida leisten können. Aber jetzt wo wir hier angekommen sind, frage ich mich, ob ich die Dinge richtig mache...

Ich erinnere mich, dass ich mich als Teenager einmal aufgeregt habe, weil meine Eltern mir versprochen hatten, mich einen Film anschauen zu lassen und dann in letzter Sekunde zurückgerudert sind. Ich habe mich aufgeführt wie Nordkorea mit einer Rakete. "Das ist so ungerecht!", jammerte ich. "Ihr könntet wenigstens den Anstand haben, eure Versprechen einzuhalten."

Mein Vater ist ausgerastet. "Weißt du, was ungerecht ist? Eine Beerdigung für deine ältere Schwester planen zu müssen, die mit 17 gestorben ist, weil deine Eltern zu sehr trauern, um sich darum zu kümmern."

Ich hätte aufhören sollen. Habe ich aber nicht. "Das ist ja wohl kaum der Standart, den wir in dieser Situation anwenden sollten..."

"GEH IN DEIN ZIMMER!"

Ich habe diesen Kampf verloren und bin froh darüber.

Und während ich hoffe, dass meine Tochter niemals den Schmerz echter Probleme erfährt, frage ich mich, wie ich einen Menschen in dieser gesegneten Umgebung, in der ihr dieses bockige, verjammerte Verhalten eingeimpft wird, erziehen kann.

Schmerz ist natürlich relativ. Und finanzielle Sicherheit schützt einen nicht vor echten Problemen. Aber wie soll ich meinen Kindern beibringen, dass nichtige Probleme ihre Zeit nicht wert sind?

Dass Versagen einen stärker macht und dass man, wenn man sich mit sozialen Netzwerken langweilt, wahrscheinlich am besten den Computer ausschaltet und ein Buch liest - ein echtes Buch.

Ich sage das alles nicht, um grausam zu sein. Ich liebe meine Kinder. Ich will mit jeder Faser meines Körpers das Beste für sie. Aber jeder Wutanfall darüber, dass ich die billigen Goldfisch Cracker gekaut habe, zeigt mir die größeren Zusammenhänge auf.

Ich kenne die Antwort auf die Frage nicht, wie man ein Kind großzieht, das nicht jammert und nervt und das nicht denkt, dass Pinterest-Stress wirklich etwas ist, worüber man sich beklagen sollte. Aber ich weiß, dass sie mit mir als Elternteil beginnt.

Ich setze die Grenzen fest. Wir lesen nicht "Elf on the Shelf", weil Mama schon genug damit zu tun hat, Weihnachtsplätzchen zu backen. Die Zahnfee bringt nur 25 Cent. Die Rate wird nicht an die Inflation angepasst.

Dein Geburtstagskuchen wird wahrscheinlich ein gekaufter sein, genauso wie deine Valentinskarten für die Schule. Ich habe keine Baby-Mokkasins gekauft, nur weil der Wert dieser Investition ein gutes Instagram-Bild ist. Dein Essen wird nicht immer Bio sein.

Ja, ich habe Pulvermilch benutzt. Lauf in die Schule. Es gibt kein zweites Frühstück oder besonderes Abendessen für dich. Ich habe keine Deckchen für den Einkaufswagen oder antiseptische Tücher.

Es ist mir egal, ob dieses Kind dir dein Spielzeug weggenommen hat. Hol es dir selbst wieder, so funktioniert Selbstjustiz. Es ist mir egal, ob der Nachbar dich angeniest hat, die Grippe kommt vor. Eine Auszeit kann dich immer und überall treffen, also sei auf der Hut.

Da beginnen wir.

Meine Verweigerung, mich selbst mit den anderen Müttern, die ich im Internet sehe, zu vergleichen und ein Leben aufzubauen, das das Wichtige begrüßt und das Kleinliche ablehnt. Und ich hoffe nur, dass die Lektion sich verbreitet. Wenn nicht, lege ich einen Vorrat von "Oh, du willst ungerecht sehen?"-Vorträgen an. Nur zur Sicherheit.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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