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"Wir haben, was Nigeria braucht: Energie und frische Perspektiven!"

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NIGERIA YOUNG WOMAN
Jane Sweeney via Getty Images
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Während des OECD-Forums in Paris trafen sich Anfang Juni 250 ONE-Jugendbotschafter aus sieben europäischen Ländern zu einem Gipfel gegen extreme Armut. Dabei wurden sie von afrikanischen Aktivisten unterstützt und so lernte die deutsche ONE-Jugendbotschafterin Lynn Kaiser die nigerianische ONE-Aktivistin Oyeronke Oyebanja kennen. Unter anderem ist dieses Interview aus der Begegnung entstanden.

Lynn will von Oyeronke wissen, wie es sich in Nigeria lebt, was sich seit dem Amtsantritt von Präsident Buhari vor gut einem Jahr verändert hat und was passieren muss, damit sich Nigeria besser entwickelt.

L. Kaiser: Aus welchem Teil Nigerias kommst du? Was ist besonders schön an deiner Heimat und wo siehst du die größten Probleme?

O. Oyebanja: Ich komme aus dem Distrikt Kwara im zentralen Norden Nigerias, aber ich lebe in der Hauptstadt Abuja. Am meisten liebe ich an meinen Landsleuten, dass sie widerstandsfähig und dabei glücklich sind. Trotz vieler Herausforderungen verzweifeln wir nicht und trotz des Zustands unseres Landes finden wir immer wieder Wege das Leben zu genießen. Ich glaube, das ist eine seltene Gabe. Nigerias größtes Problem ist die weit verbreitete Korruption. Die ist wiederum Auslöser vieler anderer Probleme wie zum Beispiel die schwache Wirtschaft, der marode Gesundheitssektor, die große Schere zwischen arm und reich. Sogar die ausgeprägte Geschlechterungleichheit hängt damit zusammen.

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Die nigerianische ONE-Aktivistin Oyeronke Oyebanja.

L. Kaiser: Warum engagierst du dich bei ONE? Was sind deine Pläne als ONE-Aktivistin und worum geht es der Organisation speziell in Nigeria?

O. Oyebanja: Meine Leidenschaft für das Ehrenamt und mein Bedürfnis, eine aktive Stimme des Wandels in meinem Land zu sein, haben mich dazu gebracht „ONE Champion" zu werden. Dieses Programm hat mir genau die Plattform geboten, die ich zu der Zeit gesucht habe. Eine Plattform, über die ich sichtbaren und messbaren Wandel herbeiführen kann. Ich will die Anzahl der ONE-Unterstützer in Nigeria erhöhen, damit der politische Druck, den die 3 Millionen nigerianischen ONE-Unterstützer bereits ausüben, noch stärker wird. Ein wichtiges Ziel unserer diesjährigen Kampagne ist es, das Gesundheitssystem in Nigeria zu verbessern. Adressat unserer Aktivitäten ist die Regierung. Wir fordern, dass sie 15 Prozent ihres Budgets für 2017 in das Gesundheitssystem investiert. Diese Quote von 15 Prozent wurde schon 2001 versprochen, als Nigeria neben vielen anderen afrikanischen Staaten die Erklärung von Abuja unterschrieb.

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L. Kaiser: Was war dein Eindruck vom ONE-Jugendbotschaftergipfel gegen Armut in Paris? Wie können junge Aktivisten wie wir die globale Politik am besten dazu bewegen, mehr in nachhaltige Entwicklung zu investieren?

O. Oyebanja: Der Gipfel in Paris gehört zu den aufregendsten Dingen, die ich je erlebt habe. Es war großartig, Gleichgesinnte zu treffen, gemeinsam zu lernen, zu arbeiten und sich im Kampf gegen extreme Armut und Hunger vereint zu wissen. Ich war zum ersten Mal in Frankreich und noch nie zuvor habe ich an einer so großen Versammlung teilgenommen, wo so viele verschiedene Nationalitäten vertreten waren. Wir Jungaktivisten haben der älteren Generation etwas voraus, nämlich Energie und frische Perspektiven! Wir sind smart und innovativ und wollen die Welt, in der wir leben, mitgestalten. Diese Qualitäten gebündelt in Aktivismus kann globale Politik beeinflussen und für eine gerechtere Welt sorgen. Wenn wir weiterhin die Entscheider antweeten, sie zu Gesprächen treffen, ihnen Petitionen überbringen und ihnen Briefe schreiben, dann werden wir die Welt verändern.

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Die deutsche ONE-Jugendbotschafterin Lynn Kaiser.

L. Kaiser: Wo siehst du Herausforderungen und wo Potential bei der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Afrika und dem „globalen Norden"?

O. Oyebanja: Die größte Herausforderung ist, Transparenz und Rechenschaftspflicht zu bewahren. In Nigeria, wie auch in anderen Ländern, sind Hilfsgelder wiederholt von korrupten Führungskräften zweckentfremdet worden. Meistens kommen diese Leute ungeschoren davon und leidtragend ist nur die Bevölkerung. Bei der Entwicklungszusammenarbeit sollte daher verstärkt darauf geachtet werden, dass Hilfen denen zugutekommen, für die sie gedacht sind und dass diejenigen, die Gelder verschwinden lassen, dafür bestraft werden. Es gibt viele Beispiele und Beweise für das Potential von gleichberechtigten Partnerschaften zwischen Nord und Süd, die signifikant zu der Entwicklung Afrikas beitragen - darauf sollte aufgebaut werden.

L. Kaiser: Wie kann der neue Präsident Muhammadu Buhari zur Entwicklung Nigerias beitragen? Worauf sollte er sich konzentrieren?

O. Oyebanja: Die Antwort ist klar: die Stärkung öffentlicher Institutionen. Buhari sollte sich insbesondere darauf konzentrieren, Partnerschaften in- und ausländischer Unternehmen zu fördern, Strukturen zu schaffen und somit das politische und wirtschaftliche Gefüge zu stärken. Dies ist insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Gesundheit und Bildung wichtig. Durch Jobs können sich die Nigerianer selbst aus der Armut befreien. Es ist die größte Chance, aber gleichzeitig auch die größte Herausforderung, eigene Strukturen zu schaffen.

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