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Aus Huffington Post wird HuffPost - US-Chefredakteurin Lydia Polgreen erklärt die Gründe

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LYDIA POLGREEN
Aus Huffington Post wird HuffPost - ein neues Kapitel beginnt. | Emma McIntyre via Getty Images
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Eine simple, aber mächtige Frage brachte mich vor drei Monaten zur HuffPost, nachdem ich fast 15 Jahre lang für die "New York Times" gearbeitet hatte.

Wie wäre es, eine Nachrichten-Organisation zu schaffen, die sich selbst nicht als Medium sieht, das über Menschen berichtet, die sich von der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt vergessen fühlen, sondern für sie?

Diese Frage ist jetzt besonders dringlich, in einer Zeit, in der das Vertrauen in Nachrichten auf einem historischen Tiefstand angelangt ist. Eine Umfrage des Pew Research Centers in den Vereinigten Staaten aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass nur noch grade einmal 18 Prozent der Befragten "viel" Vertrauen in nationale Medien-Organisationen haben.

Seit 1990 sind mehr als eine viertel Million Jobs im Zeitungssektor verschwunden, die meisten davon auf lokaler Ebene.

Es ist schwer, sich die Journalisten, so wie Donald Trump es beschreibt, als Feinde des amerikanischen Volkes vorzustellen, wenn sie über ein High School Football-Spiel oder eine Sitzung des Gemeinderates berichten. Aber wenn immer weniger Journalisten direkt vor Ort sind, ist es kein Wunder, dass unsere Leser uns nicht mehr vertrauen.

Wir wollen das ganze Bild zeigen

Wie viele andere Branchen auch konzentriert sich der Journalismus inzwischen hauptsächlich auf die wohlhabenden Stadtzentren. Und dennoch kann ich den Vorwurf, die Presse bestehe aus einem elitären Klüngel, nicht ernst nehmen.

Wir alle haben eine völlig verschiedene Herkunft, unsere Hintergründe sind ganz unterschiedlich. Mein Vater ist ein Tierarzt mit Behinderung und meine Mutter ist aus Afrika eingewandert.

Ich konnte nur aufs College gehen, weil ich von einem Regierungsprogramm für arme Studenten Unterstützung erhielt. Meine Großeltern väterlicherseits waren Republikaner und Anhänger des konservativen Hardliners Barry Goldwater.

Aber nach der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr fragten viele von uns Journalisten sich, warum unsere Leser uns noch vertrauen sollten.

Wie konnten wir so falsch liegen? Hatten wir den Draht zur Wirklichkeit verloren? Die Pew-Umfrage zeigt uns, dass unsere Leser schon lange, bevor die erste Stimme für Donald Trump abgegeben wurde, das Vertrauen in uns verloren hatten.

Es ist ein globales Phänomen. Die Journalisten haben auch den Brexit nicht kommen sehen. Und auch der sich ausbreitende Ethno-Nationalismus in Europa und Asien hat uns kalt erwischt.

Haben wir den negativen Auswirkungen der Globalisierung, die sich langsam angekündigt hatten, nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt? Oder auch der Angst, dass die Technologie uns Millionen von Jobs raubt?

Wir Medien haben einen großen Teil der Menschen vernachlässigt

Ich bin davon überzeugt, dass wir mehr für die Menschen tun können, die glauben, dass zu viel politische und wirtschaftliche Macht einer zu kleinen Elite zugute kommt. Wir können mehr für die Menschen tun, die von außen zusehen, wie die Globalisierung Wohlstand und technischen Fortschritt schafft.

In dem Spiel wird betrogen, die Karten sind gegen sie, es gewinnt immer die Bank. Diese Definition umfasst viele.

Sie umfasst viele Menschen, die für Hillary Clinton und Bernie Sanders gestimmt haben. Ich glaube, sie umfasst auch die Mehrheit der Menschen, die Trump gewählt haben. Und ganz sicher trifft diese Definition auch auf die Menschen zu, die für oder gegen den Brexit gestimmt haben und die sich an den Präsidentschaftswahlen in Frankreich beteiligt haben.

Für mich verläuft die größte Kluft in den USA und auch in der Welt zwischen denen, die Macht haben und denen, die keine Macht haben. Und das lässt sich nicht so einfach auf unsere roten und blauen Parteifarben oder rechte und linke Politik übertragen.

Die Medien haben die Geschichten auf der einen Seite der Kluft vernachlässigt. Sie haben die wütenden Menschen, die Menschen ohne Stimme und ohne Macht vernachlässigt.

Wir wollen unserem Publikum einen besseren Dienst erweisen

Fakten und Wahrheiten sind die Grundpfeiler der Berichterstattung. Aber das alleine reicht nicht aus. Gefühle, Humor und Empathie sind ebenso wichtige Zutaten des Journalismus, die einem dabei helfen, die Realität zu erkennen. Es ist keine Überraschung, dass so viele Menschen sich heutzutage durch Comedy-Shows informieren.

All diese Überlegungen haben mich zur HuffPost gebracht.

Als eine der ersten digitalen Medien-Organisationen hat die HuffPost einem Journalismus den Weg bereitet, der durch sein breites Netzwerk von Gastautoren auch zuhört. Dieser Journalismus verbindet die Menschen, das breite Publikum, auf einer tiefen und persönlichen Ebene und liefert eine lebendige Berichterstattung voller Energie.

Jetzt, da wir einen neuen Namen launchen, gehen mir viele dieser Fragen durch den Kopf. Wie können wir zu besseren Zuhörern werden? Wie können wir unserem Publikum einen besseren Dienst erweisen?

Das sind die ersten Antworten, die mir in den Kopf kommen:

Wir bauen unseren aussagekräftigen, spritzigen Stil noch weiter aus, wir servieren die Nachrichten mit einer Prise Humor, Entrüstung und Empathie. Wir nehmen auch Vorschläge unserer Leser in aller Welt entgegen und legen uns ganz offiziell einen neuen Namen zu, einen kürzeren Namen, der seit Jahren schon von vielen verwendet wird: HuffPost.

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Internationale HuffPost-Ausgaben werden noch enger zusammenarbeiten

In den kommenden Monaten werdet ihr sehr viel mehr eigenen Journalismus aus dem ganzen Land bei uns sehen. Wir bauen auch Highline, unser ehrgeiziges digitales Magazin, weiter aus, damit wir euch mit einem neuen Format regelmäßiger tiefgehende und lange recherchierte Arbeit liefern können.

Wir werden noch mehr Menschen mit unterschiedlichen Ansichten bitten, sich unserem Netzwerk von Bloggern und Gastautoren anzuschließen.

Und unsere Ausgaben in aller Welt werden noch enger zusammenarbeiten, um von den großen, durchschlagenden Ereignissen unserer Zeit zu berichten: dem wiederauflebenden Nationalismus, dem Terrorismus und dem Klimawandel, den Herausforderungen der weltweiten Flüchtlingskrise, dem Kampf für Menschenrechte überall auf der Welt.

Wir blicken auch hinter die Schlagzeilen, wir investieren in einen Journalismus, der darüber berichtet, wie die Menschen leben.

Wir setzen unseren Fokus neu und schauen auf die Dinge, die uns Freude bereiten und die das Leben leichter machen, wie beispielsweise Kultur, Prominente und Unterhaltung.

Und wir bauen starke Communities von Bloggern rund um die Themen auf, die unser Publikum interessieren: Identität, Erziehung, gesunder Lebenswandel, ein erfülltes Leben - ganz egal, wo ihr lebt und wieviel Geld ihr habt.

Als HuffPost erreichen wir jeden Monat fast 200 Millionen Leserinnen und Leser in aller Welt. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, diese unglaubliche Plattform zu einer Nachrichtenquelle für Menschen überall auf der Welt auszubauen.

Darum haben wir große, ehrgeizige Pläne: Wir wollen ganz neu auf Nachrichten blicken und damit die Medien wieder zu einem unverzichtbaren und glaubwürdigen Teil im Leben eines jeden Menschen machen.

Welche Geschichten werden von den Medien - auch der HuffPost - nicht abgedeckt? Sagt es uns unter Blog@huffingtonpost.de.

Dieser Blog erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(lk/ben)