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Brief an Donald Trump: "Sie sind ein empathieloser Idiot"

16/11/2015 11:44 CET | Aktualisiert 16/11/2016 11:12 CET
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Lieber Donald Trump,

Sie glauben also , dass es zwischen den strengen französischen Waffengesetzen und den Angriffen des IS auf Paris einen Kausalzusammenhang gibt, wenn Sie auf Twitter verkünden:

Ist es nicht Interessant, dass die Tragödie in einem der Länder mit den strengsten Waffengesetzen statt fand?

Eigentlich ist das nicht wirklich interessant.

Viel interessanter finde ich, dass in einem Land, wo es so ziemlich die lockersten Waffengesetzte der Welt gibt, erst dann die "guten Kerle" mit Waffen auftauchen, wenn ein einzelner Amokläufer auch ohne Sprengsätze ausgestattet, bereits 32 Menschen getötet hat, (wie in Blacksburg, Virginia 2007) oder 27 Menschen wie am 14,December 2012 in der Sandy Hook Elementary School - Newtown, Connecticut, oder 23 Menschen wie in Killeen, Texas oder ... oder... oder....

Eine Liste mit den letzten 28 Massshootings in Amerika gibt es hier und bei den meistens ist Quote Opfer/Attentäter auch ohne Sprengstoffeinsatz höher als jetzt in Paris gewesen.

Was vielleicht "interessant" wäre, wäre zu sehen, wie viele Opfer solche Selbstmordattentäter des IS in einer Stadt wie New York City oder Dallas produziert hätten, bevor sie von den "good guys with guns", sprich den netten Menschen mit Pistolen gestoppt worden wären. Ich bezweifle, dass ihnen Ihre lockeren Waffengesetze da wirklich irgendwie geholfen hätten. In der Vergangenheit haben sie es zu mindestens nicht.

Die meisten von der Pariser Attentäter mussten nicht einmal von einem zufällig vorbeikommenden Waffennarren gestoppt werden: Die meisten haben sich nämlich, bevor sie die erste Kugel abgekommen haben, in die Luft gesprengt haben, und damit ein Großteil ihrer Opfer erzeugt.

Moment der Überraschung

Eure lockeren Waffengesetze haben zum Beispiel auch nicht das Oklahoma City Bombing verhindert, bei dem zwei Täter auf eurem Grund und Boden mehr Opfer erzeugt haben (168 Tote, 680 Verletzte), als die IS-Krieger in Paris mit Sprengsätzen und AK47 im koordinierten Großeinsatz zusammen.

Eure Waffengesetze haben auch nicht 9/11 oder den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon verhindert, denn es ist in der Natur solcher Anschläge, dass sie aus dem Moment der Überraschung die meisten ihrer Opfer generieren und da hilft leider nur selten ein zufällig vorbeikommender Second Ammendment-Fanatiker.

Ich weiß, ihr seid auf euren zweiten Verfassungszusatz wahnsinnig stolz, und ich vermute, dass Sie als Präsident vermutlich eine Legistlaturperiode mit wochentlichen Massakern eher akzeptieren würden, als ihren Lobbyfreunden von der Waffenindustrie das Geschäft zu verderben.

Vielleicht schauen Sie einfach mal nach Australien, und stellen dann fest, dass auch in einem Land was Jahrhunderte lang auf ihre lockeren Waffengesetzte stolz waren, nicht in Chaos, Anarchie oder Diktatur versinken, nur weil nicht mehr jeder Idiot eine AR-15, M-16 oder seine 44er zu Hause liegen haben darf, denn mit der Menge an Schusswaffenopfer, welche die Vereinigten Staaten jedes Jahr in die Statistik einbringen, glaube ich nicht, dass Ihr ein gutes Beispiel dafür seid, dass frei verfügbare Waffen die Kriminalitäts- oder Gewaltraten senken.

2013 hattet ihre 33.636 Schusswaffentote. dass ist mehr als 85% eurer Orte jeweils an Einwohnern haben. Selbst Orte wie Beverly Hills haben kaum mehr Einwohner.

Strenge Schusswaffengesetze

Sie werden es vielleicht nicht glauben wollen, aber eines der Länder mit den strengsten Schusswaffengesetzen der Welt, wo nicht einmal jeder Polizist eine Waffe tragen darf, ist weder in Anarchie versunken noch von einer Diktatur geplagt. Ebensowenig hat es eine besonders hohe Quote an Schußwaffenopfern, weil nicht genug gute Jungs mit Waffen bereit stehen um die bösen junge mit Waffen zu stoppen.

Im Gegenteil: Das ist nämlich Großbritannien, wo auf 400.000 Einwohner nur 1 Schusswaffenopfer kommt. Dass ist nur ein Viertel von den Schusswaffenopfern Deutschlands, und nur 2,5% von eurer Quote von 40,8 Schußwaffenopfer auf 400.000 Einwohner.

Vielleicht denken Sie mal drüber nach, bevor Sie wieder so einen Unfug reden.

Und vielleicht hören dann Menschen wie Sie auf, bei jedem Drama, Amoklauf oder Terroranschlag in der Welt reflexartig danach zu brüllen, dass jeder Bürger (zu denen nebenbei bemerkt meist auch die amoklaufenden Idioten gehören) mehr Waffen kaufen sollte.

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