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Brief eines Scheidungskinds an alle Mütter, die ihre Kinder ohne Vater erziehen wollen

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SCHEIDUNG
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Ich bin ja manchmal ziemlich stolz auf meine Tochter. Sie hatte mal, nachdem sie in einem Facebook-Forum Sätze wie "Seit Anbeginn der Menschheit und im gesamten Säugereich spielt die Mutter eine übergeordnete Rolle. Diese Tatsache kann kein Vater der Welt und auch kein Familienrichter einfach unter den Tisch kehren. Das wäre einfach nur wider die Natur!" gelesen hat, einigen alleinerziehenden Müttern, die sich über die neuen Sorgerechtsregelungen beklagt haben, die Meinung gesagt.

Den Text hat sie jetzt im Zuge der gegenwärtigen Diskussion z.B. im Deutschlandradio Kultur noch einmal überarbeitet und mich gebeten, ihn zu veröffentlichen:

Guten Tag meine werten Damen und Herren,

NEIN, mein Vater hat mich nicht hinterhältig manipuliert. Ich bin einfach nur eine moderne 16-jährige Teenagerin, die das Gefühl hat, dass KEIN MENSCH (und offenbar ganz besonders die Frauen) eigentlich eine Ahnung hat, was für einen riesigen Bockmist ER SIE ES in der Diskussion um das gemeinsame Sorgerecht von sich gibt.

Ich bin ein Scheidungskind und hab all das, wovon hier offensichtlich ahnungslos gesprochen wird, durchgemacht und gefühlt. Man bekommt das Gefühl, hier wird nicht über einen lebenden, atmenden und vor allem sensiblen und fühlenden kleinen Menschen geredet, sondern mehr über einen Preis, den es zu gewinnen gilt.

Das ist etwas vollkommen Unmögliches, denn, wenn ich das mal so erwähnen darf, Jahrhunderte lang haben sich die Frauen beschwert, verkauft oder verlost zu werden und kein Mitspracherecht zu besitzen und ganz genau das tun Sie gerade mit Ihrem Trennungskind.

Dass das Kind alleinig der Mutter zugesprochen wird, ist einer der verheerendsten Mythen des 21. Jahrhunderts, denn er richtet mehr Schaden an als manche wahrnehmen.

Frauen sind, nach meiner Erfahrung, oft sehr viel manipulativer und aggressiver als Männer. Sie lästern, und das ist kein Vorurteil, das ist nun mal einfach eine Begebenheit. Auch wenn wir Frauen sagen "NEIN ICH LÄSTER DOCH NICHT" tauchen die Situationen, in denen wir es tun, immer wieder auf.

Das sage ich aus eigener Erfahrung, und zwar nicht nur von mir, wie ich betonen darf. Die Ausrede lautet immer "Sonst tu ich das ja nicht aber...". Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, Sie sitzen mit Ihren Freundinnen in einem schönen Kaffeekränzchen und Ihr kleines Kind spielt still neben ihnen und Ihre Freundin fragt Sie, wie es denn so mit dem Ex laufe und DAS ist der Anfang vom Ende der glücklichen Vater-Kind Beziehung (die für Kinder sehr wichtig ist!).

Denn egal ob Sie glauben, Ihr Kind verstehe sowieso nicht, was für einen Dreck Sie über den Vater des Kindes reden, glauben Sie mir eins, den Namen kennt das Kind schon mit einem Jahr. Und da Kinder, wie wir alle in der Schule gelernt haben, vom 1.-4./5. Lebensjahr noch in ihrer sensiblen Phase sind (was bedeutet, Sie nehmen Eindrücke und Gefühle besonders stark wahr) verbinden Sie automatisch den Namen ihres Vater mit dem Gefühl, das im Raum steht.

Beim Lästern, seien wir ehrlich, sind das NIE positive Gefühle. Das Kind entwickelt Abneigung dem Vater gegenüber, wer weiß, vielleicht sogar Angst und BUMM: SIE sind Gewinner des neuen Preises, der da heißt "Alleiniges Sorgerecht". DAS IST DIE SCHLIMMSTE MANIPULATION ÜBERHAUPT.

Denn das Kind weiß gar nicht, wie ihm geschieht, es verliert die Kontrolle und kann sich auch keine eigenen Meinung mehr bilden, da die Angst bereits da ist. Da könnten Sie Ihrem Kind gleich ins Gesicht schlagen, und sogar das wäre harmloser, da körperliche Wunden heilen, mentale jedoch nie ganz verschwinden.

Wenn Sie eine Tochter haben, können Sie sich ziemlich sicher sein, dass diese es sehr schwer mit Beziehungen haben wird. Schlussendlich fällen Sie damit das Urteil, dass Ihre Tochter das gleiche Schicksal wie Sie ereilt. Und sein wir mal ehrlich: Als Junge eine gestörte Beziehung zu Männern zu haben, ist auch ziemlich scheiße, oder?!

Ich will jetzt nicht sagen, dass Frauen die ganze Schuld am Leiden der Kinder tragen. Doch da Frauen aus unbestimmten Gründen immer als die beste Wahl fürs Kind betrachtet werden, ist die Wahrscheinlichkeit und die Möglichkeit, dass die Frauen dem Kind vielleicht auch unbemerkt wehtun, sehr viel größer, als dass der Mann dies tut. Und da frage ich mich immer, wieso dürfen alle Menschen Kinder bekommen?

Wenn man daran interessiert ist, aus der Opferrolle rauszukommen und dafür zu sorgen, dass das Kind später glücklich werden kann und nicht irgendwann zum Terroristen wird. Dann sollte Sie ganz klar dafür sorgen, dass Sie und Ihr Mann Ihre Beziehung so weit aufarbeiten, dass Sie sich nicht an die Gurgel gehen, wenn es an die Kindesübergabe fürs Wochenende geht.

Weitergehend muss man die Scheidung 1. nicht VOR dem Kind austragen, 2. nicht so tun, als hätte das Kind weder Gefühle noch irgendein relevantes Bedürfnis auf unbeschwerten Umgang mit dem Vater und 3. EINFACH MAL DIE KLAPPE HALTEN oder denken, bevor man spricht (was man eigentlich im Kindergarten gelernt haben sollte).

Denn auch mit dem Argument, "Mütter sind nun mal auch in der Vergangenheit in den ersten Lebensjahren immer elementar wichtig" kann man einfach heute nicht mehr kommen. Alle Feministinnen auf dieser Welt beschweren sich, dass Frauen noch immer in die Hausfrau-Mutter-Rolle gedrängt werden. Ganz genau das tun Sie alle hier gerade selber.

Als selbstbewusste Frau des 21. Jahrhunderts, wenn Sie so wahrgenommen werden wollen, können Sie dieses Argument einfach nicht bringen. Da es nun mal so ist, dass Männer sich mehr kümmern und das auch in den ersten Jahren tun wollen. Sie versuchen es zumindest, viele Frauen lassen Sie dann auch einfach nicht, weil Sie sich in der Hausfrau-Mutter-Rolle scheinbar doch ziemlich wohl fühlen und sich dann gerne am Abend beklagen "Er hat wieder die ganze Wand mit seinem guten, gesunden Spinat vollgeschmiert und ICH musste natürlich wieder alles wegmachen".

Wenn Sie sich mal klar artikulieren und damit dann ausdrücken, was Sie eigentlich wirklich wollen, würde all dies hier viel runder ablaufen.

Denn schlussendlich habe ich nicht das Gefühl, Sie streiten sich hier um das Wohl eines Kindes, das von all diesen Dramen eigentlich gar nichts mitkriegen sollte, sondern vielmehr darum, wer soll die Scheidung gewinnen. Kinder haben Gefühle und das Bedürfnisse danach, alles kennenzulernen - nicht nur die Mutter und die Oma, sondern auch ihren Vater, denn der gibt Ihnen noch einmal ein ganz anderes Lebensgefühl.

Das Gefühl, dass es auch mal was riskieren kann, was nicht nur wichtig für das Privatleben, sondern auch für das Berufsleben ist. Frauen, und das kann ich als Frau nachvollziehen, sind nun mal ängstlicher, wenn es um ihre Sprösslinge geht. Und NEIN, damit will ich Ihnen jetzt nicht die Vorlage für einen Kommentar, wie "Männer sind unzuverlässig und fahrlässig " geben, denn das sind Sie nicht.

Ich will Ihnen damit nur sagen, dass Kinder im jungen Alter beginnen müssen, das Leben von allen Seiten zu betrachten, was nicht möglich ist, wenn Sie an ein Geschlecht gebunden sind (aus diesem Grund sollten auch Männer nicht das Alleinige Sorgerecht bekommen).

JA, das Leben ist oft scheiße und es ist schwer, vernünftig mit solchen komplizierten Konflikten umzugehen, doch ich denke, wenn Ihre Kinder Ihnen wirklich etwas bedeuten, ist es das wert. Denn nur durch eine friedliche und vernünftige Auseinandersetzung miteinander wird es Ihnen möglich sein, sich später Therapiesitzungen oder Besuche in einer Psychiatrische Klinik zu ersparen (nein das ist nicht überdramatisiert, das ist schlicht und einfach die Wahrheit).

Für ein Kind zu kämpfen ist edel, doch um ein Kind zu streiten, ist eitel und selbstgerecht. Deshalb ist das, was die Väter hier tun, nur zu unterstützen, da Sie nicht für sich selber kämpfen, sondern für ihr Kind. Es ist weder falsch noch manipulativ, ich finde es schlicht weg richtig, sich für die gesunde Entwicklung seines Kindes einzusetzen.

Natürlich kann die Situation auch anders herum auftreten (dass die Mutter für ihr Kind kämpft). Sich zu scheiden ist nichts Schlimmes und oft ist ein klarer Schnitt besser als irgendein Gemurkse, wo die Eltern meinen, Sie tun es ihrem Kind zuliebe. Doch wenn die Situation kommt, in der sich die Wege trennen, sollte man im Sinne aller handeln und nicht so, wie man selber meint, dass es für einen gerade passt. Denn all der Streit und viele Tränen und Narben können einem so erspart bleiben.

So, das war es nun von mir. All dies, was Sie nun gelesen haben, weiß ich nur, weil ich selber das Schlimmste durchgemacht habe. Glauben Sie mir, als Kind ist das GAR NICHT witzig. Ich hätte wirklich viel Zeit sparen können, die ich mit Therapie verbracht habe, wenn meine Eltern damals vernünftiger gewesen wären.

Ich will niemanden an den Pranger stellen und wenn Sie das Gefühl hatten, ich hätte das getan, sollten Sie sich vielleicht fragen, ob Sie sich nicht doch in all dem wiederfinden. Eltern scheinen nie zu wissen, was für eine Wirkung eine Scheidung oder auch nur ein Streit auf ein Kind hat.

Denn Kinder geben sich an allem die Schuld (glauben Sie mir, wirklich an allem, sogar wenn Sie in keiner Weise etwas damit zu tun hatten). Wenn Sie liebende und fürsorgliche Eltern sind (und ich glaube, das sind Sie), dann hören Sie endlich auf, dieses Thema zu diskutieren, denn es sollte NIE darum gehen, ob generell Mutter oder Vater besser für das Kind sind, denn gut für das Kind sind Sie nur beide zusammen.

Es wird ja schon einen Sinn haben, dass wir von Natur aus keine Einzelgänger sind. Das Beste für Ihr Kind ist, wenn Sie sich als Eltern vertragen (als ELTERN nicht als PAAR).

Mit freundlichen Grüßen

Paula Bierend

Video:Erziehungstipps für heikle Kinderfragen: "Mama, was bedeutet eigentlich Wichser?" - Expertin hilft bei der Antwort

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