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Warum man trotzdem Feministin ist, wenn man nicht Merkel wählt

09/03/2016 14:27 CET | Aktualisiert 10/03/2017 11:12 CET
ASSOCIATED PRESS

Im Hochkochen der Debatte um den Feminismus habe ich viel mit meiner Verlobten darüber diskutiert, ob junge Frauen heute Hillary Clinton oder Angela Merkel wählen müssen, weil sie Frauen sind. Die Frage war auch, ob junge Frauen heute nicht die Altfeministinnen verraten würden, wenn sie deren Kampf auf ihre Art und Weise nicht weiterführen müssten. Hier ist ihre Antwort:

"Wir leben im Jahr 2016, in einer Zeit, in der eine Frau Bundeskanzlerin ist, eine Frau Präsidentin des IWF ist und es in deutschen Dax Unternehmen mittlerweile sechzehn weibliche Vorstandsmitglieder gibt. Gleichzeitig können wir Frauen wie jeder Mann wählen, studieren und unser Leben selbst bestimmen."

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Ja, für uns ist das normal, wir sind damit aufgewachsen.

Ja, wir wissen diese Art der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu schätzen.

Ja, wir haben nicht vergessen, dass dies nicht immer so war und wem wir das zu verdanken haben.

Nämlich allen Frauen, die sich in vergangenen Jahrzehnten für genau diese Werte eingesetzt haben. Dafür gekämpft haben, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen dürfen, in der die Gleichberechtigung von Mann und Frau Realität geworden ist.

Wir haben unser Leben noch vor uns, und vielleicht ist es der Vorzug der Jugend auf das zu schauen, was kommt, nicht das, was war.

Verraten junge Frauen heute die Altfeministinnen?

Für uns als junge Frauen heißt dies aber auch, dass wir uns in dieser Gesellschaft beweisen wollen und müssen. Wir möchten teilnehmen am intellektuellen Wettkampf, den die Männer in früheren Zeiten unter sich ausgetragen haben.

Wir möchten unsere Qualifikation nutzen und als gleichwertiger Teil der Gesellschaft angesehen werden. Weil wir es selbst schaffen. Wir junge Frauen brauchen keinen Feminismus, der die moralische Deutungshoheit für sich beansprucht und meint, zu glauben und bestimmen zu können, was für uns gut ist.

In letzter Konsequenz heißt das aber auch, Vorstandsposten oder politische Ämter nach Qualifikation zu besetzen, denn unsere Gesellschaft braucht die besten Führungspersonen. Ganz unabhängig vom jeweiligen Geschlecht.

Es darf nicht verwerflich sein, als Frau einen männlichen Kandidaten zu unterstützen, wenn man diesen eben für besser geeignet hält. Wenn die amerikanischen Altfeministinnen jungen Studentinnen vorwerfen, Sanders zu unterstützen und damit die Ideale eben dieses Altfeminismus zu verraten haben sie nicht verstanden, dass Sie ihre Ziele erreicht haben.

In der Aussage ‚Ich weiß, dass irgendwann eine Frau Präsidentin sein wird' steckt keine Missachtung der Frau. Diese jungen Studentinnen wählen denjenigen, von dem sie glauben, dass ihre Ideale und Vorstellungen am besten vertreten werden. Egal ob es ein Mann oder eine Frau ist.

Vorstandsposten oder politische Ämter sollen nach Qualifikation besetzt werden.

Der Preis, den wir für diese Freiheiten bezahlen müssen, ist zu lernen mit Niederlagen umzugehen und eine Wahl, die zugunsten eines Mannes ausgeht, nicht direkt auf unser Geschlecht zu beziehen.

Es wäre falsch zu glauben, dass es in unserer Gesellschaft keine Probleme mehr gibt und dass wir uns zurücklehnen können und aufhören sollten, uns für Verbesserungen in der Gesellschaft einzusetzen.

Wir müssen lediglich das Engagement deutlich verändern. Dabei müssen wir aufhören zu glauben, wir können die Gesellschaft nur durch einen verbitterten Kampf von Frauen gegen Männer verändern.

Wir müssen uns bewusst sein, dass es auch in der heutigen Zeit für eine eher introvertierte Frau ohne großes Netzwerk schwerer ist, schnell auf der Karriereleiter aufzusteigen. Für einen Mann mit denselben Attributen gilt dies allerdings genauso.

Daher muss der Fokus vielmehr auf einer Förderung der Chancen junger Talente liegen. Egal ob diese weiblich, männlich, homo- oder transsexuell sind.

Eine der größten Errungenschaften für uns junge Frauen ist sicherlich die Freiheit, mit unserem Leben das zu tun, was wir möchten. Die Gesellschaft und gerade auch wir Frauen selbst sollten sie uns nicht nehmen, indem wir darüber urteilen, was eine Frau mit dieser Freiheit macht.

Wir müssen lediglich das Engagement deutlich verändern.

Ob sie sich ausschließlich ihrer Karriere widmen möchte, sich entschließt sich zuhause um die Kinder zu kümmern oder eben beides zu kombinieren. Es gibt kein Richtig oder Falsch.

Daher sollte die Gesellschaft jeder Frau darin die beste Unterstützung zukommen lassen, die es für sie gibt. Egal ob Förderung im Job, Kinderbetreuungsangebote oder Erziehungszeit für Väter, vor allem die Akzeptanz für ihre Entscheidung ist heute gefordert."

Bianca Buchenberg

(22, Studentin der Betriebswirtschaftslehre, Mitglied des FDP Landesvorstands in Bayern)

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