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Zum internationalen Tag des Umweltschutzes: Verbote bringen nichts, wir müssen eigenständig umdenken

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Diogo Salles via Getty Images
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Nur wenige Tage vor Weihnachten 1970 schritt der damals 43-jährige ans Rednerpult des deutschen Bundestages. "Nichts Geringeres als die Würde des Menschen wird durch die Zerstörung und Schädigung seiner Umwelt angetastet.

Der faktisch erste Umweltminister

Bei dem Redner handelte es sich um niemand geringeren als Hans-Dietrich Genscher. Im Kabinett Brandt I war er damals Innenminister der sozialliberalen Regierung. Genschers Worte besitzen heute noch dieselbe Gültigkeit wie damals - und diese Gültigkeit werden sie auch nie verlieren.

Warum Umwelt- und Klimaschutz von einer so zentralen Wichtigkeit für uns sind, muss ich hier nicht explizit erörtern. Ich möchte jedoch aufzeigen, warum Genscher bereits vor fast einem halben Jahrhundert fortschrittlicher dachte als die heutige Umweltpolitik.

Genscher machte Umweltpolitik in Deutschland überhaupt erst salonfähig. Er begriff rasch, wie groß die Relevanz des bis dato wenig beachteten Themas "Umweltschutz" war. Seine Idee von der Verwirklichung dessen gründete jedoch nicht auf Verzicht und Verboten, sondern auf komplett liberalen Überzeugungen.

Realitätsferne Verbotsfantasien

Betrachten wir die Problematik an einem aktuellen Beispiel. Die Grünen, bei denen ja aktuell nicht alles rund läuft, haben in letzter Zeit zumindest mit einer Symboldebatte auf sich aufmerksam gemacht. Sie wollen den Vebrennungsmotor ab 2030 verbieten. Und hier liegt der Kern des Problems. Es gibt zwei Möglichkeiten, Umweltpolitik zu gestalten.

Entweder man schränkt durch Verbote das Handeln des Menschen ein und versucht auf diesem Weg Umweltprobleme zu lösen. Oder man setzt auf den Dialog mit den Betroffenen und sucht nach einem Lösungsansatz, der aus einer Mischung zwischen Technischem Fortschritt und selbstbestimmter Verhaltensänderung liegt.

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Der zweite Weg ist in meinen Augen der richtige. Wir wissen heute noch nicht, ob wir Verbrennungsmotoren in 13 Jahren nicht noch weiter verbessern können oder ob die Filter und Treibstoffe, die wir haben, jetzt schon das Non-Plusultra technischer Entwicklung sind (wobei ich das nicht glaube).

Anstatt jetzt über ein Verbot nachzudenken, sollten wir die 13 Jahre lieber nutzen, um Geld und Zeit in technologischen Fortschritt und die Entwicklung zu stecken. Und das geht natürlich nur gemeinsam mit der Automobilwirtschaft.

Sinnvoller Umweltschutz kann nur im Einklang von Ökologie, Ökonomie und der sozialen Lebenswirklichkeit unserer Gesellschaft funktionieren.

Der Staat kann planen so viel er will, er kann verbieten wie er will und er kann subventionieren wie er will. Aber der Staat kann weder in die Zukunft schauen, noch Innovation nach seinen Vorlieben diktieren.

Eigenständig umdenken

Menschen reagieren in der Regel ablehnend auf Verbote und Bevormundungen. Das ist ein allseits bekanntes psychologisches Phänomen. Wem hat die von Mama verbotene Schokolade nicht immer am besten geschmeckt?

Dasselbe gilt in Umweltfragen. In meinen Augen ist eine gute Aufklärungsarbeit und vor allem gute Vorbildarbeit der bessere Weg. Gerade wir Bayern lieben unserer Natur von den Alpen bis in den Spessart. Ein Umweltbewusstsein gehört zum Leben dazu.

Die Gesellschaft, und da schließt für mich die Politik ein, muss aber daran arbeiten, dass dieses Umweltbewusstsein auch gelebt wird.

Wettbewerb für Umweltschutz

Die umweltpolitischen Probleme, denen wir uns gegenüber sehen, müssen gelöst werden. Ich halte es für den falschen Weg, den Menschen vorzuschreiben, wie sie sich ökologisch am besten verhalten sollen.

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Ich glaube nicht, dass der Mensch ein verdorbenes Wesen ist, das seinen eigenen Planeten mutwillig zerstört. Meine Überzeugung ist vielmehr, dass der Mensch zu großen Leistungen und Ideen in der Lage ist.

Die Basis für funktionierenden Umweltschutz ist eine freiheitliche Gesellschaft. Der Wettbewerb von klugen Köpfen ist nach wie vor der beste Motor für Fortschritt. Umweltschutz kann nur aus einem Zusammenspiel von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gelingen.

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