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Ein Gründer im Kreuzfeuer

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START UP
Ezra Bailey via Getty Images
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Jede Partei hat ihre Kernthemen, auf die sie reduziert wird. Das ist in einer Mediendemokratie ganz normal und auch nicht immer schlimm. Ich finde es jedoch sehr schade, wenn wichtige Themen, die nicht ganz vorn auf der Agenda stehen, einfach vergessen werden.

So kümmert sich die FDP nicht ausschließlich um Umweltpolitik. Uns Freien Demokraten liegt etwa auch die Start-up-Kultur am Herzen.

Mein Parteikollege Maximilian Funke-Kaiser hat sich mit mir auf ein Gespräch getroffen, um mit mir über Start-ups zu sprechen. Max ist selbstständiger Immobilienverwalter und Unternehmensberater. In zwei eigenen Consulting-Firmen berät er vor allem Firmen aus der Immobilienbranche.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten im öffentlichen Diskurs kritische Meinungen über Start-ups gesammelt und Max gebeten, dazu Stellung zu nehmen. Diese Positionen sind nicht meine eigenen, sondern wurden mir in unzähligen Diskussionen so vorgetragen. Hier ist das Ergebnis:

1. Start-ups genießen einen völlig überzogenen Hype, vor allem in der FDP. Vernünftiges Wirtschaften kann nur in konventionellen Strukturen funktionieren.

Max: Natürlich sind alteingesessene Unternehmen unglaublich wichtig für unsere Wirtschaft. Egal ob groß oder klein - sie schaffen und sichern bereits seit vielen Jahrzenten Arbeitsplätze und haben einen entscheidenden Beitrag zum Wohlstand in Deutschland beigetragen.

Als „konventionell" kann man sie aber nicht bezeichnen. Solche Unternehmen konnten sich diese lange Zeit nur halten, weil sie sich immer weiterentwickelt haben. Ein schönes Sprichwort sagt „Stillstand bedeutet Rückschritt". Nach diesem Leitsatz sollte jeder Unternehmer handeln. Und genau da kommen Start-ups ins Spiel.

Innovationen sind die Hefe im Teig unserer Wirtschaft und werden glücklicherweise nicht nur von den bereits bestehenden, sondern vor allem auch von kleinen neu gegründeten Unternehmen entdeckt und vorangetrieben. Start-ups leisten ebenso einen entscheidenden Beitrag für unsere Wirtschaft und müssen unterstützt werden. Leider werden Gründern viele Steine in den Weg gelegt. Ich habe das selbst hautnah erlebt.

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Da ist vor allem die Politik gefragt, die bürokratischen Hürden so zu senken, dass einem jungen Unternehmen der Weg zum Erfolg geebnet und nicht verbaut wird. Genau da setzt die FDP mit Christian Lindner an. Sie möchte Deutschland von einem Hindernisparkour zu einer Rennstrecke für Start-ups entwickeln. Und das ist richtig so!

2. In der Start-up-Kultur geht es nur darum, in Co-Working-Spaces nichts zu tun und sich dafür übertrieben zu feiern.

Max:
Die Spreu trennt sich irgendwann vom Weizen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer im Champagnermeer versumpft, nur weil er ein Unternehmen gegründet hat, der wird sich nicht lange halten können. Richtige Unternehmer sind Arbeitstiere, die sich rund um die Uhr den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihr Produkt verbessern und welche Arbeitsabläufe sie optimieren können.

Auch ich habe einen Hang zum „Workaholic-Dasein". Das macht man aber nicht, weil man zu viel Zeit hat, sondern weil man für seine Idee lebt. Jeder, der gegründet hat, kennt das unglaublich berauschende Gefühl, wenn eine anfängliche Idee dann wirklich nachgefragt wird. Ich würde nicht sagen „Besser als Sex" man kann es aber in jedem Fall auf eine gleiche Ebene stellen. Das macht den Reiz aus und führt letztendlich auch dazu, dass man gerne auch weitere Unternehmen gründet.

3. Viel Geld kann man nicht verdienen. Man erhält es nur durch Ausbeutung von anderen Menschen.

Max: Das stimmt nicht. Extreme Ansichten werden gerne mit Pauschalkeulen begründet - egal ob von links oder von rechts. Sicherlich gibt es innerhalb von Märkten Probleme, die gelöst werden müssen. Auf Basis dieser nun aber auf alle anderen zu schließen ist unfair und falsch.

Die meisten Unternehmer gehen viele Risiken ein, um eine Idee in die Realität umzusetzen. Es ist einzig und allein gerecht, dass sie die Chance haben, daran zu verdienen. Zudem hat man sein Ziel nicht erreicht, wenn man ein Unternehmen gegründet hat und das verkaufte Produkt dann nachgefragt wird. Es entwickelt sich weiter und wächst. Dafür verdient man natürlich mehr Geld, übernimmt aber ebenso mehr Risiko und Verantwortung.

Ein Unternehmer übernimmt jedoch nicht nur für sich selber, sondern auch für viele andere Personen Verantwortung. Allen voran für seine Mitarbeiter. Robert Bosch, Ausnahme-Ingenieur und Erfinder, hat einst gesagt:

Mehr zum Thema: Zahl der Gründungen sinkt auf Rekordtief - Ökonomen sind besorgt

„Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle."

Das Zitat bringt den gesamten Kontext perfekt auf den Punkt.

4. Ein Unternehmen zu gründen bedeutet letzten Endes doch nur, dass man viel arbeitet, wenig schläft und ein großes Risiko eingeht. Warum tut man sich so etwas an?

Max: Wegen dem Ziel, das man vor Augen hat. Das Vertrauen in die Idee und der Glauben an den Erfolg lassen einen Start-up-Unternehmer diese Leistung erbringen. Ich habe es bereits oben beschrieben. Es ist vergleichbar mit einer Sucht. Dabei handelt es sich aber um eine gute Sucht.

Die Anzahl an Personen in Deutschland, die einen solchen Weg gehen, könnte übrigens größer sein. Wir stehen uns jedoch mit zwei entscheidenden deutschen Eigenarten selbst im Weg: mit unserer Neid- und der nicht vorhandenen Fehlerkultur. Wenn ein Unternehmer Erfolg hat und sich dafür etwas gönnt, kann er sich neidischer Blicke sicher sein. Sofern er keinen Erfolg hat, was durchaus vorkommt, kann er sich Spott und Häme sicher sein. Wie unfair ist das denn? Wir müssen dringend etwas an unserer Einstellung ändern.

5. Die meisten Start-ups sind nur Hacker-Unternehmen, in denen IT-Spezialisten herumlaufen. Was ist mit dem Handwerksbetrieb von nebenan? Ist das kein Start-up, dem Ruhm, Anerkennung und Schampus geschenkt werden müssen?

Max: In der Debatte über Start-ups darf man Handwerksbetriebe richtigerweise nicht außen vor lassen. Die Definition von Start-ups kann sich meiner Meinung nach sowieso nicht nur auf Hightech-Unternehmen beschränken. Der Begriff „Start-up" sollte sich daher also nicht nur auf das Produkt, sondern auch auf das Unternehmen beziehen. Das schließt übrigens auch das Weiterführen bereits bestehender Unternehmen mit ein. Wir haben aufgrund des demographischen Wandels ein Nachfolgeproblem. Da darf man nicht in Exklusivität versinken, sondern muss alle unterstützen.

Mein Fazit

Max sagt viel Richtiges, wie ich finde. Gerade die Gründerkultur in Deutschland ist immens wichtig und sollte auch mal in den Köpfen von Politikern ankommen. Zum Glück kann ich sagen, dass sie zumindest bei vielen in der FDP angekommen ist. Das lag allerdings potenziell auch an unserem unfreiwilligen Bildungsurlaub der letzten vier Jahre.

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