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Al Gore zum Klimawandel: "Wir arbeiten um Donald Trump herum"

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Vor zehn Jahren feierte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore mit seinem Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" einen Welterfolg. Mit dem Film thematisierte er die Problematik des Klimawandels auf eine Art, die in vielen Köpfen der Zuschauer Spuren hinterließ.

Preisgekrönt mit einem Oscar, einem Nobelpreis und einer für Dokumentarfilme ungewöhnlichen Rekord-Einspielsumme von über 50 Millionen Dollar war das Thema erfolgreich ins Rollen gebracht.

Mit "immer noch eine unbequeme Wahrheit" versucht Al Gore ab dem 7. September 2017 auch bei den deutschen Kinozuschauern an den Erfolg anzuknüpfen und das Thema, das innerhalb der letzten Jahre erneut an Wichtigkeit zugenommen hat, auf ein neues Level zu heben.

Während seiner Pressetour hatte ich die Möglichkeit, mich mit Al Gore persönlich über den Klimawandel und daraus resultierende Probleme zu unterhalten. Das Thema war für mich in der Vergangenheit nicht sonderlich präsent. Nicht, weil mir die Umwelt egal ist, sondern weil mir viele Einflüsse und Themenbereiche, die mit der Problematik zusammenhängen, gar nicht bewusst waren.

In unserem Gespräch konnte mich Al Gore für seine Mission nicht nur begeistern, sondern auch für viele Thematiken rund um den Klimawandel sensibilisieren. Und nicht nur von mir erfährt Al Gore großen Zuspruch. Seit seinem ersten Film hat sich eine regelrechte Bewegung entwickelt.

Herr Gore, mit „Immer noch eine unbequeme Wahrheit" kommt ein zweiter Teil Ihrer weltbekannten und Oscar-prämierten Dokumentation in die Kinos. Wie fühlt sich das an?

Sehr gut. Es ist ein Thema, das immer mehr an Wichtigkeit zunimmt. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis ein zweiter Teil rauskommt.

Sie sind für den Film über zwei Jahre von Kameras begleitet worden. Fühlt man sich da nicht schnell in der Rolle eines Filmstars?

(lacht) Gott sei Dank nicht. Ich glaube das ist auch besser so. Ich hatte zum Beispiel auch keinen Einfluss auf den finalen Schnitt des Films. Sonst hätte ich vermutlich schnell angefangen Szenen mit mir zu entfernen, weil ich in meiner eigenen Erinnerung doch vielleicht etwas besser aussehe.

Dabei haben Sie sich doch zu Ihren College-Zeiten sogar ein Zimmer mit Tommy Lee Jones geteilt.

Das stimmt. Aber über diese Zeit reden wir nicht. Wir haben damals beschlossen, dass alles was im College passiert ist, auch im College bleibt. (lacht)

Im Jahr 2000 konnten Sie sich bei der Präsidentschaftswahl nicht durchsetzen. Denken Sie, dass Sie jetzt bessere Möglichkeiten hätten Ihre Ziele umzusetzen, wenn Sie damals die Wahl gewonnen hätten?

Das ist schwer zu sagen. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist natürlich eine Position, die mit Macht verbunden ist. Aber der Präsident muss sich eben auch auf viele Themen konzentrieren und irgendwie die Fäden zusammenhalten. Dass ich damals die Wahl verloren habe, hat mir die Möglichkeit gegeben, mich dem Klimawandel komplett hinzugeben und ich bin sehr froh, eine andere wichtige Aufgabe auf diesem Planeten bekommen zu haben.

In den letzten Jahrzehnten haben Sie diese Aufgabe sehr eindrucksvoll gemeistert. Jetzt sehen Sie sich auf einmal mit einem Präsidenten konfrontiert, der dem Thema Klimawandel auf ganz fatale Art und Weise eine geringe Wichtigkeit zuspricht und komplett gegen Ihre Werte und Arbeit agiert. Ist Donald Trump eine große Gefahr für das Thema Klimawandel?

Ja und nein. Natürlich haben seine Entscheidungen eine Auswirkung. Aber er ist sehr limitiert in dem, was er anrichten kann. Ich denke, dass es wichtig ist, dass die Trump-Regierung endlich offizielle Berichte, die von tausenden Forschern weltweit angesehen werden und das Thema Klimawandel als ganz akut und wichtig bestätigen, der Öffentlichkeit zugänglich macht anstatt diese zu verheimlichen.

Nicht nur auf das Thema Klimawandel bezogen, aber auch auf den allgemeinen Führungsstil: schafft Donald Trump die vier Jahre im Amt?

Das weiß ich nicht. Ich habe da auch gar keine Insider-Informationen. Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und ich würde sagen, dass es momentan ganz viel Rauch gibt. Ich denke aber auch, dass es gar nicht unsere Aufgabe ist, darüber zu urteilen. Es gibt Ermittler, die darauf angesetzt werden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Und diesen Leuten vertraue ich. Wenn sie irgendwann zu dem Schluss kommen, dass Donald Trump nichts falsch gemacht habe, akzeptiere und respektiere ich dieses Ergebnis.

Führungsstil hin oder her: Sie haben in den letzten Jahren eine große Bewegung gestartet. Das kann vermutlich auch der Präsident der Vereinigten Staaten nicht aufhalten.

Korrekt! Weitere Gespräche mit Donald Trump zu diesem Thema wären reine Zeitverschwendung. Wir arbeiten uns einfach um ihn herum. Er ist derjenige, der sich selbst isoliert.

Was denken Sie wo sich die Bewegung hin entwickelt? Wenn in zehn Jahren eine weitere Fortsetzung heraus käme, was würde diese erzählen?

Ich denke, dass der Film genauso wie der erste Teil die Leute motivieren wird, sich dem Thema anzunehmen und es weiterzutragen. In den letzten zehn Jahren ist unglaublich viel passiert. Vor allem auch, weil wir jetzt die Möglichkeiten haben. Nicht nur technisch, aber auch finanziell. Vielleicht könnte ein dritter Teil irgendwann die Geschichte erzählen, wie wir das Problem gelöst haben. Eine Art Rückblende, wie wir das Problem immer weiter isoliert, verbessert oder gar beseitigt haben.

Das würde gleichzeitig aber auch Ihre Mission beenden. Wo würden Sie dann ansetzen? Welches Thema bewegt Sie so sehr, dass Sie genauso viel Energie reinstecken könnten, wie Sie es für den Klimawandel seit Jahrzehnten tun?

(lacht) Das ist eine unglaublich gute Frage. Es tut mir daher umso mehr Leid, dass ich darauf gar keine Antwort habe. Ich denke aber auch, dass ich mir da bisher noch gar keine Gedanken drüber gemacht habe. Das Thema Klimawandel ist ein riesengroßes und es hat so viele komplexe Unterthemen. Das fängt bei den ganz klassischen Themen wie erneuerbare Energien an, geht über Ernährung oder auch sehr politische Themen wie Demokratie. Ich denke, dass wir hier noch sehr viel Arbeit haben und eine neue Aufgabe ist erst einmal nicht in Sicht.

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