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Al Gore zum Klimawandel: "Wir arbeiten um Donald Trump herum"

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AL GORE TRUMP
Reuters
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Vor zehn Jahren feierte der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore mit seinem Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" einen Welterfolg. Mit dem Film thematisierte er die Problematik des Klimawandels auf eine Art, die in vielen Köpfen der Zuschauer Spuren hinterließ.

Preisgekrönt mit einem Oscar, einem Nobelpreis und einer für Dokumentarfilme ungewöhnlichen Rekord-Einspielsumme von über 50 Millionen Dollar war das Thema erfolgreich ins Rollen gebracht.

Mit "immer noch eine unbequeme Wahrheit" versucht Al Gore ab dem 7. September 2017 auch bei den deutschen Kinozuschauern an den Erfolg anzuknüpfen und das Thema, das innerhalb der letzten Jahre erneut an Wichtigkeit zugenommen hat, auf ein neues Level zu heben.

Während seiner Pressetour hatte ich die Möglichkeit, mich mit Al Gore persönlich über den Klimawandel und daraus resultierende Probleme zu unterhalten. Das Thema war für mich in der Vergangenheit nicht sonderlich präsent. Nicht, weil mir die Umwelt egal ist, sondern weil mir viele Einflüsse und Themenbereiche, die mit der Problematik zusammenhängen, gar nicht bewusst waren.

In unserem Gespräch konnte mich Al Gore für seine Mission nicht nur begeistern, sondern auch für viele Thematiken rund um den Klimawandel sensibilisieren. Und nicht nur von mir erfährt Al Gore großen Zuspruch. Seit seinem ersten Film hat sich eine regelrechte Bewegung entwickelt.

"Ich war zu optimistisch"

Doch wie fühlt es sich an, tausende Menschen begeistern zu können, aber an Präsident Donald Trump in Sachen Klimawandel zu scheitern? Im Gespräch verrät Al Gore, dass er Trumps Handeln nicht vollständig vorhersehen konnte.

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"Ich war deutlich optimistischer herangegangen als es sich am Ende entwickeln sollte", gesteht er ein und stellt gleichzeitig klar: "Donald Trump ist limitiert in dem, was er tut. Weiter mit ihm über das Thema zu sprechen, wäre reine Zeitverschwendung. Wir werden um ihn herum arbeiten und er wird sich am Ende selber isolieren."

Worte, die Al Gore mit voller Überzeugung äußert. Schnell merkt man: das Thema Klimawandel ist nicht nur eine ihm zugetragene Aufgabe. Es ist eine Herzensangelegenheit. "Wir sind heute - 10 Jahre nach dem ersten Teil - technisch viel weiter. Aber auch finanziell stehen wir besser da und die damals noch neue Technik ist schneller und günstiger umsetzbar", erläutert Al Gore.

"Ich wünsche mir, dass die Leute das Thema weitertragen und versuchen in ihren Alltag zu integrieren. Wir können an der Bewegung nach dem ersten Teil anknüpfen und noch viel mehr schaffen."

Mit "immer noch eine unbequeme Wahrheit" macht Al Gore genau dort weiter, wo der erste Film aufgehört hat. Der fertige Streifen ist eine Mischung aus Sensibilisieren für die extreme Verschlechterung des Klimawandels und Darstellung von Errungenschaften hin zu einer Besserung des Problems. Der Film will die Brisanz des Themas hervorheben und zeigen: Wir können die Klimakatastrophe noch abwenden!

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Die Berichte der Trump-Regierung müssen an die Öffentlichkeit

Ein großes Problem, das Al Gore sieht, ist die Tatsache, dass die Dringlichkeit des Themas oftmals verschwiegen wird. "Der Trump-Regierung liegen Unterlagen vor, die von tausenden Wissenschaftlern weltweit Zustimmung erhalten und deutlich machen, dass ganz akut etwas unternommen werden muss", führt Al Gore aus und fordert: "Diese Berichte müssen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, damit jeder über die Konsequenzen und Gefahren informiert ist." Ein weiteres Beispiel, in dem die Trump-Administration nach Meinung von Al Gore versagt.

Traut der ehemalige Vizepräsident und Präsidentschaftskandidat Donald Trump überhaupt zu, die vollen vier Jahre im Amt zu schaffen? Al Gore: "Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Und aktuell sehe ich ganz viel Rauch."

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Doch trotz vieler Rückschläge: Wenn es nach Al Gore geht, entwickelt sich die Bewegung nicht zurück, sondern kontinuierlich fort. Gegen Ende des Gesprächs überlegen wir gemeinsam, was ein dritter Teil in weiteren zehn Jahren zeigen könnte.

Al Gore zeigt sich optimistisch: "Vielleicht haben wir das Problem dann gelöst und können im Film zeigen, wie wir es geschafft haben." Auf die Rückfrage, welchem Thema er sich dann widmen würde, rudert er jedoch schnell zurück und macht deutlich: "Klimawandel ist ein extrem großes Thema und wir haben noch viel Arbeit vor uns. Vermutlich ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt an die nächste Mission zu denken."

Das komplette Interview findet ihr hier.

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