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Der World Health Summit

25/11/2015 13:52 CET | Aktualisiert 25/11/2016 11:12 CET
Thinkstock

Der World Health Summit (auch: Weltgesundheitsgipfel) ist eine internationale Tagungsreihe, die seit 2009 jeweils im Oktober in Berlin stattfindet. Sie fand anlässlich des 300. Jahrestages der Gründung der Charité erstmals statt.

Rund 1200 Experten aus etwa 90 Ländern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft diskutieren dort die wichtigsten Fragen der globalen Gesundheitsversorgung und sprechen Empfehlungen aus. Das akademische Rückgrat der Veranstaltung ist die M8 Allianz. Dieses ist ein Netzwerk aus Gesundheitseinrichtungen, Universitäten und akademischen Institutionen.

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Zu ihnen gehören die Charité, die John Hopkins Bloomberg School of Public Health oder die Kyoto University.

Ziel des World Health Summit

Das Ziel des World Health Summit ist es, die weltweite Gesundheit durch offenen Dialog und Zusammenarbeit zu verbessern. Dies soll in akademischer Unabhängigkeit geschehen und dazu führen, dass die Wissenschaft diesbezüglich mehr Verantwortung übernimmt.

Hierfür kommen jedes Jahr internationale Experten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nach Berlin. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungsansätzen für die drängendsten Gesundheitsherausforderungen.

Im Zuge der kürzlich verabschiedeten Ziele nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals) appelliert die M8 Allianz in ihrem finalen Statement nach der Konferenz an die weltweiten Entscheidungsträger, sich folgenden fünf Herausforderungen zu stellen:

1. Das Recht auf Gesundheit für Flüchtlinge

2. Sicherheit, Solidarität und Nachhaltigkeit für eine globale Gesundheitsversorgung

3. Allgemeine Gesundheitsabsicherung (Universal Health Coverage)

4. Klimawandel und Gesundheit

5. Digitale Gesundheit

Die M8 Allianz sieht insbesondere die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in der Gesundheitsdebatte vernachlässigt. Sowohl die Finanzierung als auch die Implementierung einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung müssen laut M8 Allianz stärker adressiert werden. Dabei stellen, neben den akuten Gesundheitsproblemen, vor allem die Langzeit Herausforderungen im psychosozialen Bereich die größte Herausforderung dar.

Im Workshop zum Thema Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in urbanen Regionen diskutiert Jacqueline Weekers von der Internationalen Organisation für Migration die Hintergründe mentaler Gesundheit von Flüchtlingen.

Dabei ist sie der Meinung, dass Migranten nicht per se ein höheres Gesundheitsrisiko haben, sondern die Kombination verschiedener sozialer, wirtschaftlicher und psychologischer Hintergründe psychologische Schäden hervorrufen kann. In diesem Zusammenhang sieht sie den mangelnden Zugang zu psychiatrischer Gesundheitsversorgung als größte Herausforderung.

Zudem findet sie klare Worte zum Gerücht, Migranten wären prinzipiell Überträger infektiöser Krankheiten oder eine zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem.

Beobachtungen der Internationalen Organisation für Migration zeigen, dass Infektionskrankheiten keine bedeutende Rolle unter den Flüchtlingen darstellen. Vielmehr sind es Non-Communicable Diseases (NCDs), wie Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Adipositas, die auch hier die größte Krankenlast ausmachten.

Die größte Herausforderung

Die größte Herausforderung sieht sie in der unzureichenden Infrastruktur und Personalsituation bei der Bewältigung der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen.

Dr. Kenneth Miller, Psychologe und Berater der NGO War Child Holland, beleuchtet die Postmigrationsstressoren. Arbeitslosigkeit, soziale Isolation, Armut, Diskriminierung, Gewalt und mangelnde Ressourcen sieht er als größte Herausforderung bei der Integration von Flüchtlingen. Seiner Meinung nach besteht der größte Handlungsbedarf nicht im medizinischen, sondern im sozialen Beriech und der gemeinnützigen Arbeit.

Nach gut einem Monat bleibt jedoch die Rede von Margrat Chan, WHO General-Direktorin besonders prägnant in Erinnerung. In ihrer motivierenden Rede thematisiert sie das Selbstverständnis von Entwicklungshilfe. Anstatt einer „Einbahnstraßen Entwicklungshilfe", wirbt sie für ein „partnerschaftliches Verhältnis, in dem Ergebnisse an Hilfsleistungen geknüpft sind."

Und vor allem „müssen wir sicherstellen, dass Geld an die Orte gelangt, wo es die größte Wirkung entfaltet und nicht nach Genf, in die Zentrale der WHO".

Inwiefern die M8 Allianz ihrer Anforderung gerecht wird ein Sprachrohr für innovative Ideen zu den größten Herausforderungen globaler Gesundheit zu sein, bleibt fraglich.

Einen spannenden Einblick in das große, interdisziplinäre Feld globaler Gesundheit bietet der Gipfel, gerade für Studenten in jedem Fall.

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