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In drei Schritten zur Party des Jahrhunderts

13/08/2017 15:18 CEST | Aktualisiert 13/08/2017 15:18 CEST
wundervisuals via Getty Images

Eine praktische Do-It-Yourself-Anleitung zum Internationalen Tag der Jugend. Mach drei Schritte mit mir und wir werden feiern wie es die Welt noch nicht erlebt hat.

Heute schreibt mir Twitter: "It's international #youthday!"

#whatday? Scheinbar habe ich die letzten internationalen Tage der Jugend immer verpasst. Höchste Zeit, das nachzuholen: Happy International Youth Day!

Ich mache mich also auf, den 12. August zu feiern. Der internationale Tag der Jugend ist schließlich nicht alle Tage und der Anteil junger Menschen auf der Welt war noch nie so groß wie heute. Das alleine ist schon Grund zu feiern. Hier eine Party-Anleitung zum Nachmachen:

1. Schritt: Bring dich in Feierlaune - Mach was aus der Bevölkerungsentwicklung

Wohin gehen die Einladungen, wenn es heißt, die Jugend zu feiern?

Ein Blick auf die aktuelle Lage in der Welt zeigt: Die Verteilung der jungen Menschen ist alles andere als ausgeglichen, Europa und Afrika stehen sich in Extremen gegenüber.

Europa (hier gleichgestellt mit der EU) erlebt eine demographische Alterung. Ein*e durchschnittliche*r Europäer*in wird immer älter und bekommt weniger Kinder, die Babyboomer-Generation ist auf dem besten Wege ins Rentenalter. Europa ist zwar für den Weltseniorentag am 1. Oktober gewappnet, aber beim Stichwort Jugend im Abseits.

Die Partygäste des Internationalen Tages der Jugend? Die sind hier unterrepräsentiert.

Ich werfe einen Blick auf unsere afrikanischen Nachbarn. Hier werde ich fündig. Nirgendwo ist das Durchschnittsalter so niedrig wie in Afrika. Tendenz sinkend. Die Prognosen überschlagen sich - die Dimensionen sind exorbitant. Laut einer Berechnung der UN werden 2050 in Afrika zehn mal mehr junge Menschen leben als in der EU. Eine große Feier braucht Gäste: Hier sind sie. Das ist Afrikas Jahrhundert.

Ich denke an Anne, meine Gastschwester aus Tansania, Freund*innen in Namibia und Jugendbotschafter*innen aus Nigeria - sie alle sind am 12. August sicher ganz vorne mit dabei.

Der so vielfältige Kontinent hat allerdings auch ein anderes Gesicht. Immer wieder stehen die Zustände in vielen umkämpften Regionen im Fokus europäischer Berichterstattungen: Unter anderem Südsudan, Nordost-Nigeria, Somalia und Mali.

Eine Aufforderung zum Feiern ist hier ein schlechter Scherz.

Afrikas Bevölkerung boomt bereits. Bis 2050 wird sich die Zahl der dort lebenden Menschen auf 2,5 Milliarden verdoppeln; die Hälfte davon wird unter 25 Jahre alt sein.

Was die Feier braucht, ist eine ‚demographische Dividende'. Davon spricht man, wenn der Anteil der Erwerbstätigen im Vergleich zur Zahl der von ihnen abhängigen Menschen (vor allem Kinder und alte Menschen) wächst. In Afrika tritt eine solche Entwicklung gerade ein. Durch die richtigen Investitionen und Maßnahmen kann die afrikanische Jugend ein integratives Wachstum vorantreiben, von dem nicht nur Afrika, sondern die ganze Welt profitiert.

Das bringt uns doch schon mal in Feierlaune! Weiter geht's.

2. Schritt: Nutze das ‚Window of Opportunity'

Damit die Sektkorken am Ende auch fliegen können, müssen wir unsere Gelegenheit jetzt nutzen, etwas zu ändern.

Ich möchte euch Anne vorstellen. Sie ist meine Gastschwester aus Tansania. Ein Jahr lang habe ich mit ihr in Deutschland gelebt. Ihr Lebenslauf kann sich sehen lassen: Arbeitserfahrung, Bachelor-Abschluss, Sprachzertifikate.

Mittlerweile ist sie zurück in Dar es Salaam, der größten Stadt ihres Heimatlandes. In Tansania findet sie trotz ihrer Ausbildung keinen Job. Ihre Eltern hatten auf sie gesetzt und ihr als einziges von sechs Kindern einen Uni-Abschluss finanziert.

Selbst um ihre Geschwister zur High-School zu schicken, hatte das Geld nicht gereicht. Annes Schwestern sind Anfang 20 und haben mittlerweile mehrere Kinder, wie die meisten Mädchen in dem kleinen Dorf im Norden Tansanias.

Der Internationale Tag der Jugend wird hier belächelt. „Welche Jugend?", fragt mich Anne, als ich ihr vom 12. August erzähle. Für viele ihrer Freund*innen kommen nach der Kindheit das Arbeiten, die Hochzeit und dann die eigenen Kinder. In ihrer Community ist sie eine Ausnahme - gebildet, kinderlos, Mitte 20.

Die demographische Dividende scheint hier nicht mehr als ein abstraktes Konzept zu sein, das sich Menschen ausgedacht haben, die weit weg wohnen. Jeder Mensch, der geboren wird, ist ab einem gewissen Alter zunächst einmal ein weiterer Konkurrent um die begrenzte Zahl an Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Die Stimmung: Aufgeheizt statt ausgelassen.

Für junge Menschen wie die aus dem Heimatdorf von Anne, von denen es Millionen gibt, kann die demographische Dividende nur Realität werden, wenn das große Ganze ins Zentrum aller Bemühungen gerückt wird.

Es muss in großem Stil investiert werden, und zwar in Bildung Beschäftigung und Beteiligung. Außerdem müssen Frauen und Mädchen sowie die Gesundheitssysteme massiv gestärkt werden. Ändert sich nichts, ist die Gefahr groß, dass diese junge Generation destabilisierend wirkt.

Wirtschaftliche Instabilität, fragile politische Strukturen und bewaffnete Konflikte wären nicht ausgeschlossen, wenn die Masse an jungen Menschen keine Perspektiven hat. Klingt mehr nach Desaster als nach Dividende. Aber wir wissen, es geht auch anders.

Wir haben die einmalige Gelegenheit, etwas zu ändern. Aber die Uhr tickt. Es gibt ein sich schließendes Zeitfenster, ein ‚Window of Opportunity', in dem sich entscheidet, welche Zukunft Afrika und der Welt blüht. Nutzen wir es. Jetzt.

3. Schritt: Erkenne die Macher und stelle fest, dass du zu ihnen gehörst

Zurück zum 12. August. „Youth Building Peace" ist das offizielle Motto des diesjährigen Internationalen Tages der Jugend. Es trifft den Punkt. Wir brauchen Frieden für eine Jugend in Afrika, die so ihr eigenes Potential und damit das des gesamten Kontinents entfalten kann.

Wir können und sollten es uns nicht leisten, dass die demographische Dividende Afrikas eine Utopie bleibt. Dafür steht zu viel auf dem Spiel - nicht nur die Party des Jahrhunderts, sondern die Entwicklung eines gesamten Kontinents.

Lass also den Sekt noch stehen, denn wir haben einiges vor.

Ob uns unser Vorhaben gelingt, hängt auch von unseren gemeinsamen Kräften ab. Und davon, ob wir laut genug werden. Lautstark im Chor.

Change Agents, das klingt nach den großen Macher*innen des letzten Jahrhunderts - die Mahatma Gandhis und Martin Luther Kings. Sie wirkten, weil die Massen da waren. Ihr Schaffen beruht auf einer Zivilgesellschaft, die sich zur rechten Zeit zusammenschloss und ihren Botschaften Ausdruck und Wortgewalt verlieh. „I have a dream" und niemand geht hin? Wenig beeindruckend.

Auch heute gibt es sie, die Macher*innen, die auf dem besten Wege sind, Entwicklungen anzustoßen.

Die Senegalesin Bineta Diop, Gründerin einer Organisation für Frauenrechte in Afrika, setzt sich seit Jahrzehnten erfolgreich für Empowerment in Westafrika ein, also für die Stärkung einer demokratischen Gesellschaft durch Mitsprachemöglichkeiten. Ganz ohne großen Namen oder viel Publicity.

Und sie ist nur eine von Millionen an Change Agents, die Stück für Stück Großes erreichen. Weil sie alle irgendwann mal angefangen haben, zu machen. Sie haben losgelegt mit dem Wissen, dass in jedem von uns ein Change Agent steckt - ob Friedensnobelpreisträger oder du und ich. Wir brauchen Bewusstsein dafür, dass wir zusammen das Erfolgsgeheimnis für Veränderung sind.

2050 wollen wir feiern! Und das können wir. Wir brauchen lediglich die Jugend - die Change Agents, die Zukunftsmacher*innen, die Entscheider*innen von morgen. Wir brauchen Stimme, Meinung, Mitmachen. Jetzt.

Hallo Jugend, mach was! Bring dich ein für ein Thema, das dich bewegt. Zum Beispiel wie ich als ONE-Jugendbotschafter*in für Afrika.

Es ist Internationaler Tag der Jugend - unser Tag! Und ein Reminder, die Chance zu nutzen für die Jugend weltweit. Gestalten wir Zukunft. Happy International Youth Day! Auf dass die größte Party des Jahrhunderts gelingt.

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Bist Du bereit für den ersten Schritt zur Party des Jahrhunderts? Fordere deine Freunde, Familie und Bundestagswahlkandidat*innen auf, den Artikel ONE zu unterzeichnen. Damit erinnern wir die Wähler*innen und Bundestagswahlkandidat*innen daran, sich in der kommenden Legislaturperiode für eine starke Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands mit Afrika stark zu machen.

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