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Der Gefallene Engel - die Angst des ADAC vor dem Crash-Test

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Nachdem der Skandal um die gefälschte Abstimmung zum „Gelben Engel" den ADAC in seine bisher schwerste Vertrauenskrise geführt hat, ist in der Club-Zentrale an der Münchner Hansastraße nun Zeit für einen ersten Blick nach vorn.

Besonders interessant ist dabei die Frage nach der Zukunft des Preises selbst. Während ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair im Interview mit Spiegel Online noch zurückhaltend bleibt („Momentan steht alles auf dem Prüfstand."), findet ADAC-Präsident Peter Meyer bereits deutlichere Worte. Gegenüber dem Branchenblatt Automobilwoche erklärte er den Preis zum Totalschaden, der keine Zukunft hat. Das ist schade.

Zugegeben, der „Gelbe Engel" hatte es immer schwer. Ihm fehlte alles, was einen großen Publikumspreis ausmacht. Neben dem „Goldenen Lenkrad" von „Auto BILD", dem „Auto des Jahres" europäischer Fachjournalisten sowie den „Best Cars" von „Auto, Motor und Sport" war er nur ein weiterer Automobilpreis unter vielen. Die Vorstände der großen Hersteller reisten alljährlich pflichtschuldig zur Preisentgegennahme nach München und kämpften sich tapfer durch die überlange Veranstaltung - immer in Sorge, dabei vom größten Feind des Autofahrers überrascht zu werden: dem Sekundenschlaf.

Der Glamour eines „Bambi" oder „Oscar" - das war diesem Preis so fremd wie die Senkung der Mineralölsteuer einem deutschen Finanzminister.

Dabei besitzt der ADAC alle Zutaten, die einen guten Preis ausmachen könnten. Er vertraut nur leider nicht auf seine eigene Stärke. Denn obwohl der Preis den Namen der populären ADAC-Pannenhelfer trägt, sind diese beispielsweise an der Wahl kaum beteiligt. Die Abstimmung über das „Lieblingsauto" erfolgt stattdessen per Massenumfrage unter den Vereinsmitgliedern. Und weil niemand gerne Formulare ausfüllt, gab es zum Trost auch etwas zu gewinnen. 2009 zum Beispiel mal eine Xbox.

Bereits der bei der Preisverleihung an die angereisten Vorstände ausgeschenkte Sekt dürfte um ein Vielfaches teurer gewesen sein, als dieser, meist von einem Sponsor gespendete, Preis. Das zeigt überdeutlich, welche Wertschätzung der ADAC seinen Mitgliedern als Juroren entgegenbringt. Und welche ungute Nähe es mitunter zwischen dem einflussreichen ADAC und der Automobilindustrie gibt. Vor diesem Hintergrund verwundert die Fälschung der Teilnehmerzahl weniger als der Umstand, dass überhaupt jemand an der Wahl teilgenommen hat.

Der ADAC ist ein professioneller Dienstleistungskonzern im Gewand eines eingetragenen Vereins. Die Deutschen schätzen seine Schutzbriefe und den Rückholservice aus dem Ausland. Es gibt eine Rechtschutzversicherung, eine Campingversicherung, eine Wassersport- und eine Wintersportversicherung. Wer will, kann mit dem ADAC in Urlaub fahren, sein Geld in ADAC-Finanzprodukten anlegen, einen Handyvertrag abschließen oder beim Fahrsicherheitstraining sein Können am Lenkrad verbessern. Besonders die Pannenhelfer und Rettungsflieger des ADAC stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Am Kamener Kreuz bei Dortmund, dort wo sich die Autobahnen A1 und A2 treffen, ist ihnen sogar ein Denkmal gewidmet.

Der ADAC hat in Deutschland aber auch einen Ruf als Testinstitution zu verlieren. Seine Ingenieure fahren nicht nur reihenweise Autos und Kindersitze vor die Wand. Sie checken auch alljährlich zur Urlaubszeit Brücken, Tunnel und Autofähren auf deren Sicherheit oder bewerten Campingplätze und Autobahnraststätten unter Komfortgesichtspunkten.

Wenn der ADAC seinen Preis Gelber Engel nun einstellt, weil er sich nicht in der Lage sieht, Vertrauen zurückzugewinnen und eine seriöse Abstimmung zustande zu bekommen, bleiben auch die Zweifel an den vielen anderen Tests des Vereins im Raum. Schon wird Kritik an der eigenwilligen Zählweise bei der ADAC-Pannenstatistik laut. Weitere Vorwürfe werden bald folgen.

Der Automobilclub wäre daher gut beraten, hier offensiv und ehrlich in die Diskussion zu gehen und einen neuen, glaubwürdigen „Gelben Engel" zu schaffen. Ohne Einmischung der Autoindustrie und mit mehr Respekt vor seinen Mitgliedern und der Kompetenz seiner Pannenhelfer und Testingenieure.

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