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Ok Deutschland, sei kühn!

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Angela Merkels Wahlsieg soll nicht nur als deutsches, sondern auch als weltgeschichtliches Ereignis zu bewerten sein. 80 Jahre nach Hitlers Machtergreifung hat sich die Bundesrepublik--als wohltemperierte Demokratie-- gute Nachbarschaft, eine unbestrittene Führungsrolle in Europa und gutes Ansehen in der Welt durch eine ehrliche Erfüllungspolitik erreicht. Die konsistente Verfolgung der Mäßigung von Führern wie Adenauer, Erhard, Brandt, Schmidt, Kohl und schließlich Angela Merkel hat ehrlich Früchte getragen. Zurückhaltung durch Mäßigkeit und Diskretion zu üben ist in der Lösung der weltweiten Probleme nicht mehr notwendig. Die Stimme Deutschlands soll fortan hell und klar zu hören sein, wenn es vor drängenden Problemen und lauernden Gefahren handelt.

Der Kampf gegen fanatischen Dschihadismus erfordert unerbittliche Entschlossenheit. Seine neueste Phase ist eine systematische Verfolgung der Christen in der islamischen Welt. Kirchen brennen in Pakistan, Ägypten und im Jemen. Katholische Missionare erleiden Folter und Tod in Nordafrika. Massenmord wütet in Kenia und Somalia. Was sich weder die Nazis noch die Sowjets erdreisteten--der muslimische Terrorist beruft sich auf Allah und beruht auf seine Zustimmung.

Die nächsten vier Jahre werden nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gewaltige politische und militärische Wendepunkte mit sich bringen. Vor allem ist die Rolle der USA als aktive Weltmacht infrage gekommen. Das Schicksal Europas steht auf dem Spiel. Die Ironie der Geschichte liegt in der Tatsache, dass ein wesentlicher Faktor in der künftigen Weltpolitik in dem Verhältnis von zwei wichtigen Gegner liegt: der evangelischen Pfarrerstochter aus der DDR, Angela Merkel, und dem ehemaligen Offizier in der KGB-Residentur Dresdens, Wladimir Putin.

Die Aufgabe einer kühnen und konstruktiven deutschen Außenpolitik ist eine führende Rolle in der EU und in dem Zwischeneuropa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer zu spielen, aber auch Einfluss auf Friedensbestrebungen in dem „Wilden Osten" zu haben. Vielleicht geht es zu weit, von einem pazifistischen Dornröschenschlafendes Deutschland zu sprechen. Aber am Tage des Berliner Mauerfalls spielten im Fernsehen sentimentale Tangos aus die Ära der Weimarer Republik und keine triumphalistische Musik. Fortan glaube ich, es wird ganz sicher bei ähnlichen Gelegenheiten Märsche von Haydn, Handel und--ja--auch Wagner zu bieten.

 
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