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Literally, Darling Headshot

Gedanken von der "hässlichen Freundin"

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Ab der Minute unserer Geburt werden wir mit der widersprüchlichen Auffassung konfrontiert, dass unsere Körper einerseits schön und andererseits nicht gut genug sind. Wir sehen Bilder von wunderschönen Models und fragen uns, warum wir ihnen nicht ähnlicher sehen. Aber hören dann wiederum, dass diese Bilder alle von Photoshop überarbeitet sind. Und nur „echte Frauen" schön sind.

Ich finde, dass solche Gedankengänge über wahre Schönheit und Körperwahrnehmung großartig für das Selbstbewusstsein sind, in der echten Welt jedoch wenig Gewicht haben. Ich habe etwas gefunden, dass mir hilft und mich trägt. Dass ist die einzige herzzerreißende Realität, die ich habe. Ich habe akzeptiert, dass ich die hässliche Freundin bin.

Ich sehe es auf Bildern, während meiner sozialen Interaktionen und an der Art und Weise, wie Menschen mit mir sprechen. Ich werde niemals konventionell schön aussehen, vor allem nicht in der Kultur, in der ich lebe. Ich bin dankbar, dass ich mit umwerfenden und wunderschönen Frauen befreundet bin. Ich gehe mit ihnen aus. Und ich bekomme dabei von Männern den Eindruck, dass ich schlichtweg eine Hürde bin, während sie versuchen meine viel attraktiveren Freundinnen herumzukriegen.

Man sieht: Schönheit ist nicht mehr als ein soziales Konstrukt, das von Menschen einer bestimmten Kultur kreiert wurde. Es gibt nichts, das wissenschaftlich belegt, dass dünne Oberschenkel oder lange Haare schön sind. Aber es ist kulturell tief verwurzelt vom ersten Tag ab. Jeden Tag predigen wir weiter und weiter, wie man auf diesem Planten umwerfend schön aussieht. Doch so funktioniert die Welt einfach nicht.

Es ist immer wieder schwer mit meinen Freunden über dieses Thema zu sprechen, besonders mit Frauen. Denn wir sind auch darauf programmiert unseren Freunden und auch Fremden ein gutes Gefühl bezüglich ihrer Erscheinung zu geben. Jeder bis zu den schönsten Frauen auf dieser Erde, trägt Unsicherheiten in sich. Aber für Viele von uns sind diese Unsicherheiten lediglich kalte, harte Fakten. Ich weiß, dass meine Oberschenkel zu dick sind, ich habe kein besonders definiertes Gesicht und ich sollte mehr als ein paar Pfund verlieren. Ich weiß, dass Menschen das sehen. Ich weiß, dass das von der westlichen Kultur als abfällig betrachtet wird.

Also, was sollen wir tun? Alles in meiner Magengegend sagt mir, dass es ein Betrug an meinem Geschlecht ist, über so etwas zu schreiben. Der Gedanke, dass irgendjemand sich als weniger attraktiv bezeichnen könnte, fühlt sich falsch an. Aber ich glaube daran, dass meine Stärke in anderen Gebieten liegt. Und ich will nicht, dass das ein Stück wird, das Frauen sagt, wie sie ihre Attraktivität definieren sollen. Ich denke, dass jeder das Recht hat, seine eigene Schönheit wert zu schätzen. Oder jede andere Eigenschaft, auf die man stolz ist ohne Scham.

Ich bin gut dabei Empfehlungen für die Serie „30 Rock" zu geben. Ich bin eine loyale Freundin. Ich backe grandiose Funfetti-Kuchen. All diese Stärken haben nichts zu tun mit meinem Gewicht oder meiner Knochenstruktur. Für diejenigen, die konventionell schön sind: Das ist ein enormer Einschnitt für euch und sicherlich etwas womit sich Manche rühmen. Aber seitdem das für mich nicht mehr von Interesse ist, fokussiere ich mich auf Dinge, die ich kontrollieren kann.

Ich sage nicht, dass ich niemals Tage habe, an denen ich mich attraktiv fühle. Oder, dass jeder, den ich je getroffen habe, mich als furchtbar hässlich empfindet. Aber was ich sage, ist, dass attraktiv sein nicht das Wichtigste in diesem Leben ist. Es gibt Dinge, die viel schlimmer sind als als hässlich bezeichnet zu werden. Und das alleine zählt für mich.

Von Kristin Salaki
Original gepostet auf literallydarling.com

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