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So dumm ist der rechte Hass im Internet

14/03/2016 12:50 CET | Aktualisiert 15/03/2017 10:12 CET
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Flüchtlinge werden der individuellen Identität beraubt

Den Fehler, in die Kommentarzeile eines Onlineartikels zu klicken, sollte man nicht begehen. Trotzdem tut man es immer wieder, nur um sich dann immer wieder zu ärgern. Man sollte sich sämtliche Kommentarzeilen zu jeglichen Themen sparen, da viele Leute es mit Leichtigkeit schaffen, den Bogen zu spannen von scheinbar harmlosen Themen wie der Akkuladezeit eines iPhones, zu „den Flüchtlingen". Weil „von denen hat ja jeder ein Smartphone, also kann es denen ja nicht so schlecht gehen". 2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg „Die Flüchtlinge" wird tagein tagaus gesagt, als kämen geflüchtete Menschen nicht aus völlig unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, sondern seien eine homogene Personengruppe. Und als ob geflüchtete Menschen nicht unterschiedliche Individuen seien. Und als ob die Tatsache, dass sie geflüchtet sind ihre Person ausmachen würde.

Wer "deutsch sein" darf und wer nicht

Mit kruden völkisch-ideologische Aussagen wird um sich geworfen, wie das ein deutscher Pass einen nicht deutsch machen würde. Krampfhaft wird sich ans ius sanguinis geklammert, „wir sind das Volk" getippt und gegrölt. Dabei gilt in Deutschland neben dem Abstammungsprinzip auch das Prinzip ius soli, also das Geburtsortprinzip. Trotzdem, in vielen Köpfen herrscht immer noch das Bild, wer nicht weiß und christlich ist, ist auch nicht deutsch. Man muss dabei nur an Erika Steinbachs geschmacklosen Tweet denken, in dem ein Bild völlig aus dem Kontext gerissen wurde, um die Angst vor dem Untergang des weißen Deutschen graphisch darzustellen.

Heuchlerische Verteidigung der "christlich-abendländischen" Werte

In Großbuchstaben wird geschrieben, dass die „christlich abendländischen Werte" durch Zuwanderung zerstört würden. Von Nächstenliebe ist dabei nichts zu spüren. Von Barmherzigkeit sowieso nicht. Auch das achte Gebot wird völlig außer Acht gelassen, überall im Netz kursieren zusammengedichtete Horrormärchen über Flüchtlinge. Und wer als Verfechter der „christlich abendländischen Werte" nun googeln muss, was das achte Gebot besagt, hat sich selbst entlarvt.

Kein Abriss des Kommentierens

Die AfD sei „volksnah" und nicht rechtspopulistisch liest man unter Artikeln. Wer etwas anderes behauptet, ist ein „Linksextremist" oder naiver Gutmensch. Oder beides. Was rechtspopulistisch bedeutet, scheinen die KommentarverfasserInnen nicht zu wissen. Und was tatsächlich in AfD Wahlprogrammen steht, auch nicht. Sie hören nur ihre geliebten Schlagworte „Deutschland" und „erhalten" und machen sich gar nicht erst die Mühe herauszufinden, dass so ein AfD Wahlprogramm auch ihnen als „echten Deutschen" erheblich schaden könnte. Lieber noch einen Kommentar darüber verfassen, dass die „Genderwahn - Linksextremisten - Vegetarier - Gutmenschen" schon noch bald genug merken würden, wohin „Mutti Merkels" Wahnsinnpolitik das Volk noch bringen wird. Ein Kommentar, wie er in Massen auch unter diesem Artikel zu finden sein wird. Auch auf HuffPost:

Ein junger Muslim rechnet mit Sachsen ab

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