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10 Dinge, die mich nach dem Tod meiner Eltern verändert haben

06/11/2015 16:10 CET | Aktualisiert 06/11/2016 11:12 CET
AlexanderNovikov via Getty Images

Ich glaube, es gibt nichts, das dich auf den Tod eines Elternteils vorbereiten kann. Ich glaube, es ist ein schwere Schlag im Erwachsenenalter, weil du an einem Punkt bist, an dem du und deine Mutter oder dein Vater tatsächlich Freunde geworden seid.

Ihre Weisheit ist endlich bei dir angekommen. Du weißt jetzt, dass sie all den Mist, den du als Teenager mit einem Augenrollen kommentiert hast, wahrscheinlich nur aus Liebe zu dir gemacht haben und dir damit wahrscheinlich sogar das ein oder andere Mal das Leben gerettet haben.

Ich habe beide meine Eltern im Abstand von zwei Jahren verloren. Meine Mutter starb sehr unerwartet und mein Vater starb recht schnell nach einer Krebsdiagnose.

Meine Mutter war die Person, die mir direkt in die Seele schauen und mich am besten zur Rede stellen konnte. Sie hat mir beigebracht, was Menschlichkeit, Empathie und Großzügigkeit bedeutet.

Mein Vater war der sarkastische Realist in unserem Haus - und eine der nachsichtigsten Personen, die ich je getroffen habe. Wenn du eine klare Ansage ohne Beschönigung wolltest, musstest du nur meinen Vater fragen.

Trauer hat ihren eigenen Weg und verläuft in verschiedenen Stadien. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, dass sie nie ganz weggeht.

  1. Mein Telefon ist nie mehr als einen halben Meter von mir weg, wenn ich schlafe. Denn das letzte Mal als ich es nicht nah bei mir hatte, habe ich den Anruf verpasst, dass meine Mutter gestorben war.
  2. Allein der Gedanke daran, dass meine Mutter nicht mehr lebte, hat mich noch ein halbes Jahr nach ihrem Tod krank gemacht. Ich habe mich tatsächlich übergeben.
  3. Ihr Tod hat zeitweise den Rest unserer Familie zerrissen. Ich habe mein Bestes gegeben, ihre Wünsche zu respektieren und das hat mich manchmal zum Buhmann gemacht. Diese Last war immens, aber ich verstand, warum sie mich dafür gewählt hatte. Es hat mich als Mensch stärker gemacht, deshalb bin ich dafür dankbar.
  4. Ich bin sauer, dass mein Sohn sie nicht als seine Großeltern kennenlernen kann. Ich fühle mich beraubt. Er hätte sie geliebt und sie hätten ihn auch geliebt.
  5. Ich würde meine Zeit mit ihnen gegen nichts auf der Welt eintauschen, aber manchmal denke ich mir, es wäre einfacher, wenn sie gestorben wären, als ich noch sehr jung war. Dann gäbe es weniger Erinnerungen.
  6. Beschwere dich nicht über deine Eltern in meiner Gegenwart. Du wirst einen Vortrag über Dankbarkeit und Wertschätzung zu hören bekommen. Als Mitglied des "Tote Eltern"-Clubs würde ich liebend gerne mit dir tauschen, damit du deine Klappe hältst. Du solltest dir klar machen, wie vergänglich das Leben ist.
  7. Es ist, als wärst du eine Witwe - Mitglied eines "Clubs", zu dem du nie gehören wolltest. Hallo? Ich möchte meine Mitgliedschaft bitte kündigen?
  8. Die anderen Clubmitglieder sind die einzigen Menschen, die wirklich verstehen, was das mit einer Person macht. Sie verstehen es einfach. Es gibt keinen anderen Weg, um das zu erklären.
  9. Das Leben geht weiter. Aber es wird trotzdem Momente geben - auch noch Jahre später - in denen du zusammenbrichst, als wäre es gestern passiert.
  10. Wenn du deine Freunde oder auch Fremde mit ihrer Mutter oder ihrem Vater siehst, wirst du manchmal neidisch sein. Neidisch auf ihre Verabredung zum Mittagessen. Du bist nachgerade wütend, dass deine Mutter nicht die Baby-Party für dein Kind werfen kann. Große Lebensereignisse sind nie wieder wie vorher.

Hier sitze ich nun. Acht und zehn Jahre später und es gibt immer noch diese Momente, wenn etwas Tolles passiert, dass ich nach meinem Telefon greife. Und dann trifft es mich wie ein Schlag: Scheisse. Ich kann sie ja gar nicht mehr anrufen.

Ihr Tod hat mich und meinen Blick auf die Welt für immer verändert. Auf eine seltsame Weise hat es mich zu einer besseren Mutter gemacht. Ich bin mir stets sehr bewusst darüber, was diese Erinnerungen eines Tages für meinen Sohn bedeuten könnten und wie sie sein Leben beeinflussen, solange ich noch da bin. Er verdient es, zu wissen, wie sehr er geliebt wird. Und wenn ich nicht mehr da bin, soll das, was ich ihm heute beibringe, mein Vermächtnis sein.

Lisa Schmidt ist ein Dating- und Beziehungs-Coach aus Detroit und Autorin ihres eigenen Blogs. Sie streamt regelmäßig via Periscope und schreibt für verschiedene Webseiten. Beziehungsfragen könnt ihr direkt an sie stellen. Fragt Lisa hier.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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