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Vor zwei Jahren beschloss ich, nur noch Second-Hand-Kleidung zu kaufen - das habe ich seitdem gelernt

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FLOHMARKT
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Ich stehe vor dem übervollen Kleiderschrank und nehme wahllos irgendwelche Klamotten heraus. Wieso habe ich nie etwas zum Anziehen?

Lustlos ziehe ich irgendwelche Fetzen an, binnen Sekunden wieder aus und werfe sie achtlos hinter mir auf den Boden. Nichts in meinem Kleiderschrank gefällt mir und die Sachen, die ich gerne anziehen würde, sind in der Wäsche.

Szenarien wie dieses kennt vermutlich jeder von uns. Mir ist es mehrere Jahre lang so gegangen - tagtäglich. Mein Kleiderschrank hatten die stolze Maße von über zwei mal zwei Meter. In meinem Schuhschrank war kein Platz mehr für meine sage und schreibe 250 Paar Schuhe.

Shoppen war meine Lieblingsbeschäftigung und ich habe eine zeitlang mehr Kleidung als Lebensmittel eingekauft. Der Ausdruck Shopaholic war mir auf den Leib geschneidert und stolz trug ich dieses Label wie meine Einkaufstüten vor mir her.

Alles ist To Go, nichts ist mehr für Morgen

Doch dann hat sich der Schalter bei mir umgelegt: Innerhalb von einem Jahr bin ich vier Mal umgezogen. Jedes Mal habe ich einen Sack voller Kleidung zurückgelassen. Und nie sind mir die Stücke, die ich aussortiert habe, abgegangen.

Ich habe bemerkt, wie einfach die Kleidungswahl ist, wenn man nicht mehr so viel besitzt und habe angefangen, mein eigenes Konsumverhalten zu hinterfragen. Fair Fashion oder Nachhaltigkeit waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht aktiv in meinem Sprachgebrauch verankert.

Doch je mehr ich mich informiert habe, je mehr ich über die negativen Auswirkungen der Modeindustrie, die wahren Fashion Victims und die katastrophalen Umweltauswirkungen gelesen habe, desto mehr überforderte mich das Ganze. Ich war total erschöpft von der Schnelllebigkeit der Modeindustrie - alle zwei Wochen einem neuen Trend hinterher zu jagen.

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Ich wollte nicht mehr Teil dieser Schnelllebigkeit sein. Ich wollte dem Teufelskreis der Modeindustrie entkommen. Kinderarbeit und Mindestlöhne nicht mehr unterstützen.

Ich wollte keine weiteren T-Shirts für fünf Euro kaufen, schon gar nicht mit dem Hintergedanken, dass ich sie sowieso einfach wegschmeißen kann, wenn sie mir nicht mehr gefallen. Denn die traurige Wahrheit lautet: T-Shirts werden oft kürzer getragen als Plastiktüten.

Und ich war keine Ausnahme. Deswegen habe ich mir eine absolute Fast-Fashion-Diät verordnet: kein H&M, Zara, Primark und Co. mehr.

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Second Hand als Aussteiger-Programm

Und es hat funktioniert: Seit fast zwei Jahren gehe ich jetzt schon nicht mehr einkaufen. Wenn ich neue Kleidung brauche, dann greife ich zu Second Hand. Egal ob auf dem Flohmarkt, bei Tauschparties oder im Internet - tolle Klamotten findet man überall, ohne dafür in einen Laden zu gehen.

Mein persönliches Mantra lautet: erst Second Hand, dann Fair Fashion, erst am Ende und wenn es gar nicht anders geht Fast Fashion. Wichtig dabei ist die Balance - es ist ein Vorschlag, kein Dogma, kein Zwang.

Errare humanum est

Doch in den letzten Jahren hat es auch ein paar "Rückfälle" gegeben. Fünf Mal habe ich meine goldene Regel, mein Gelübde an mich selber, gebrochen und Dinge gekauft, die absolut nicht nachhaltig waren. Darunter war vor allem Unterwäsche, Bikinis, Pullover und - nach wie vor meine größte Schwäche - Schuhe.

Manchmal möchte man eben einfach neue, schöne Dinge haben, die noch nie jemand anderer davor anhatte. Und manchmal gibt es diese Dinge dann halt auch nicht im Öko-Laden ums Eck.

Doch wie schon ein lateinisches Sprichwort so schön sagt: "Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum" (zu Deutsch: "Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch").

Second-Hand-Kleidung - es ist einfacher, als man denkt

Meine Kleidungs-Umstellung hat mich enorm bereichert und gleichzeitig auch erleichtert. Ich habe das Gefühl, dass ich mit jedem Kleidungsstück, das ich aussortiere oder verkaufe, einen Stück unnötigen Ballast los werde. Ich behalte nur, was ich wirklich brauche und gerne anziehe.

Was wir bei solchen Projekten oft vergessen, oder uns abschreckt, ist die Tatsache, dass wir nicht wissen, woher wir unsere Klamotten dann kriegen sollen. Dabei vergessen wir, dass wir ja nicht bei Null starten, sondern bereits einen vollen Kleiderschrank haben.

Anlaufstellen für Second-Hand-Kleidung sind neben Flohmärkten vor allem auch Tauschparties oder Apps wie Shpock, Ebay Kleinanzeigen oder Kleiderkreisel.

So hat sich mein Leben verändert

Wenn ich jetzt in der Früh vor meinem Kleiderschrank stehe, sehe ich eine Handvoll Klamotten. Liebevoll und vor allem durchdacht ausgewählt hängen sie da und warten darauf, miteinander kombiniert zu werden.

Ich habe schon lange keine Kleidung mehr achtlos auf den Boden geworfen. Und das letzte Mal, als mir der Gedanke gekommen ist, dass ich nichts zum Anziehen habe, war es tatsächlich so: Sämtliche Sachen waren nach einem Kurztrip in der Wäsche.

Electrify the World ist eine Initiative von Nissan. Als Pionier im Bereich Elektromobilität glaubt Nissan daran, dass unser jetziges Handeln zu einer nachhaltigeren Zukunft beiträgt.

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(lk)