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Kitas sind für Kinder da - nicht für Arbeitgeber

16/09/2015 10:06 CEST | Aktualisiert 16/09/2016 11:12 CEST
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Lieber Kai Wegner,

in Deinem Antwortbrief zu meiner Kritik an der 24-h-Kita hast Du einige Punkte vorgebracht, denen ich zustimme:

Alleinerziehende, Schichtarbeiter*innen, Frauen und Männer, die abends eine Fortbildung machen, sie brauchen eine flexible Kinderbetreuung in Berlin. Dies würde auch Frauen in unserer Stadt unterstützen, arbeiten zu können. Nur mit mehr Familienfreundlichkeit und mehr Gleichstellungspolitik wird sich unsere Stadt zu einer lebenswerten Metropole entwickeln.

Das Kind im Mittelpunkt

Dafür aber müssen Politik und Gesellschaft die Rahmenbedingungen schaffen. Nicht die Familien müssen sich dem Arbeitsmarkt und den Strukturen anpassen, sondern diese den Bedürfnissen der Familien. Flexible Kinderbetreuung muss vom Kind und seiner Familie, nicht vom Arbeitgeber her gedacht werden. Und in diesem Punkt unterscheiden wir uns.

Kinder brauchen feste Bezugspersonen, Menschen, denen sie vertrauen, die sich auf sie einlassen.

In Berlin sind derzeit die Rahmenbedingungen für Kitas derart schlecht, dass sie sich noch so sehr anstrengen können: eine wünschenswerte Erweiterung der Öffnungszeiten zieht unmittelbar eine Verschlechterung der Betreuungsqualität nach sich. Diese Leerstelle der GroKo zu füllen, ist längst überfällig. Wir Grüne stehen hier für mehr Qualität, mehr Auswahl und bessere Arbeitsbedingungen.

Ein neuer Weg

Ich kenne drei Versuche in Berlin, 24-h-Kitas aufzubauen, alle sind gescheitert. Einzig mit der Anbindung an große Unternehmen lässt sich eine solche Kita irgendwie betreiben.

Die Prüfung der 24-h-Kita in Berlin, wie von der CDU gefordert, läuft ja seit anderthalb Jahren schon unter dem Stichwort „flexible Kinderbetreuung" durch den Senat. Das ist nicht neu. Doch warum sind die Projekte gescheitert? Weil Eltern das Angebot am Ende doch nicht angenommen haben.

Nicht weil sie Angst haben als Rabeneltern diffamiert zu werden, sondern weil es ihr Wunsch ist, abends Zeit für und mit den Kindern zu haben, sie ins Bett zu bringen, ihnen vorzusingen.

Mein Vorschlag besteht aus 3 Schritten, die allesamt die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien in den Mittelpunkt stellen:

  1. Eine Flexibilisierung innerhalb der Kita-Öffnungszeiten.
  2. Ein Ausbau der passgenauen ergänzenden Kindertagespflege in der elterlichen Wohnung
  3. Eine Notbetreuung, wenn es hart auf hart kommt, angesiedelt im Kiez.

Lieber Kai Wegner, es freut mich, dass wir unsere „Brieffreundschaft" in ein öffentliches Streitgespräch münden lassen.

Am 28. September 2015 treffen wir uns um 18.30 Uhr zum Politischen Salon im Stadtteilzentrum Halemweg 18, 13627 Berlin.

Die Herausforderung um das bessere Konzept nehme ich gerne an.

Lisa Paus

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