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Gestern ließ sich das Künstlerpaar noch feiern. Doch es sollte plötzlich anders kommen.

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COUPLE FLEEING
ARIS MESSINIS via Getty Images
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Sie finden sich plötzlich an einem Abstellgleis wieder, sie sitzen da und wissen nicht wohin. Es spielt auch keine Rolle, denn sie haben kein Ziel vor sich. Sie tragen seit zwei Wochen das, was sie am Tag ihrer Flucht anhatten, zum Umziehen oder Packen blieb keine Zeit.

Sie sehen nicht aus, wie jemand, der fluchtartig sein Zuhause verlassen hat. Sie hatten überhaupt nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, was sie denn jetzt einpacken könnten, als es plötzlich hieß, nichts wie weg. Sie ließen alles hinter sich, alles was sie in ihrem Leben geschaffen hatten. Das war nicht viel, aber für sie war es wertvoll.

Auf der Flucht blieb alles zurück

Ein ganzes Leben, viele persönliche Dinge, Zeugen besonderer Momente, Geschenke, Erbstücke, all ihre Werke, Zeichnungen und Malereien. Alles, alles blieb zurück, einem unbestimmten Schicksal ausgesetzt.

Jetzt hier im Dunkeln gibt es nichts außer dem Moment. Sie sind zu zweit, allein mit sich. Müde, leer und mit einem dumpfen Gefühl im Magen. Es könnte Hunger sein, aber auch tiefe Traurigkeit, die langsam hochsteigen will.

Es ist besser, es zu ignorieren. Es gar nicht erst hochkommen zu lassen. Immerhin haben sie sich. Das einst strahlende Künstler-Paar, das großartige Bilder kreierte, tolle Ausstellungen organisierte und zu allen wichtigen Empfängen eingeladen war, das gemeinsam lachte und weinte und emotionale Momente in ihren Bildern festhielt.

Was wohl aus ihren Bildern geworden war? Was war aus ihnen geworden? Waren sie jemandem in die Hände gefallen, der sie gleich zerstörte, ohne zu begreifen, wie viel Schicksal, wie viel Zeit, wie viele Gefühle er in den Händen hielt?

Hatte sie jemand gefunden, der sie achtsam auf die Seite stellte, um sie genau vor jenen zu schützen, die sie einfach zerstören würden? Was war mit dem Schmuck der Großmutter geschehen, den Kinderfotos, mit all den anderen Erinnerungen, die sie aufbewahrten?

Jetzt in ihrer einsamsten Stunde kommen die Erinnerungen und ziehen wie Nebelschwaden an ihnen vorbei, wie Blitzlichter. Sie erinnern sich an die guten Tage und finden sich wieder im Hier und Jetzt. In einem Land, dessen Sprache sie nicht verstehen, dessen Essen sie schlecht vertragen, wo sie niemand kennt noch beachtet.

Sie hatten nur sich, ihre Geschichte und ihre Talente

Vor einigen Wochen waren sie noch wer, hatten einen Status, eine Identität. Jetzt sind sie nur noch Namen und eine Nationalität. Sie sind doch noch die gleichen, aber es scheint so weit weg, wie in einem früheren Leben.

Immerhin haben sie sich. Sie lehnt ihren Kopf an seine Schulter und weint leise vor sich hin. Er versucht, möglichst viel Zuversicht auszustrahlen. Immerhin leben sie ja noch. Sie hatten schon einmal von Null angefangen. Warum nicht jetzt noch mal.

Sie war eingeschlafen. Auch er schlief ein. Und irgendwann schlief die ganze Stadt. Da breitete sich Frieden aus. Denn es war der Augenblick gekommen, an dem niemand ihnen noch etwas nehmen konnte. Sie hatten nur mehr sich, ihre Geschichte und ihre Talente.

Also klammerten sie sich an die Zuversicht, dass alles nur mehr besser werden konnte. Irgendwann. Als ein plötzlicher Regenguß sie bis auf die Haut durchnäßte.

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