BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Lisa Firestone Headshot

7 Gründe, warum die meisten Menschen Angst vor der Liebe haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LIEBE
Shutterstock
Drucken

Vor ungefähr einem Jahr erklärte Virgin Mobile USA den 13. Februar zum nationalen Trennungstag. Der Grund dafür war eine Umfrage des Telekommunikationsanbieters, in der 59 Prozent der Befragten angaben, dass sie, sofern sie eine Beziehung beenden wollten, dies am ehesten noch vor dem Valentinstag tun würden, um Geld zu sparen.

Viele sprechen von einer Trennungsspitze zu Jahresbeginn, und diversen Quellen ist zu entnehmen, dass es im Januar mehr Scheidungsanträge gibt und mehr Beziehungen in die Brüche gehen. Vielleicht müssen wir selbst in den kommen Wochen zusehen, wie einst glückliche Paare getrennte Wege gehen. Oder werden schmerzlich an die Trennung von einem Menschen erinnert, den wir einmal geliebt haben.

Doch ganz unabhängig vom Blick auf den Kalender können wohl die meisten von uns ein Lied davon singen, wie schmerzhaft das Ende einer Beziehung ist. Kein Wunder also, dass wir die Frage „Warum gehen Beziehungen in die Brüche?" stets im Hinterkopf haben. Die Antwort darauf liegt jedoch häufig in uns selbst. Denn die meisten haben, ob bewusst oder unbewusst, Angst vor der Liebe.

Diese Ängste kommen auf unterschiedliche Weise oder in verschiedenen Stadien einer Beziehung zutage. Und deswegen verfügen wir alle über Schutzmechanismen, die uns davor bewahren sollen, früher oder später verletzt zu werden. Diese Schutzmechanismen geben die Illusion von Sicherheit, verhindern jedoch gleichzeitig die ersehnte Nähe zu einem anderen Menschen. Was also steckt hinter unserer Angst vor Intimität? Was hält uns davon ab, Liebe zu finden und zu erhalten?

1. Wahre Liebe macht uns verletzlich

Mit jeder neuen Beziehung wagen wir uns in erforschtes Terrain vor. Und viele von uns haben naturgemäß Angst vor dem Unbekannten. Sich zu verlieben bedeutet, ein echtes Risiko einzugehen. Wir schenken einem anderen Menschen Vertrauen, lassen zu, dass er uns unter die Haut geht. Dadurch fühlen wir uns entblößt und verletzlich. Unsere grundlegenden Schutzmechanismen werden herausgefordert. Liebgewonnene Gewohnheiten, die uns ein Gefühl der Ichbezogenheit und Unabhängigkeit vermittelt haben, bleiben immer mehr auf der Strecke. Wir tendieren zur Annahme, je mehr wir lieben, desto mehr können wir verletzt werden.

2. Neue Liebe bricht alte Wunden auf

Wenn wir eine neue Beziehung mit jemandem eingehen, machen wir uns selten bewusst, wie sehr wir dabei von unserer Vergangenheit beeinflusst werden. Denn auf welche Weise wir von Kindesbeinen an durch andere Menschen emotional verletzt wurden, wirkt sich stark auf unsere Wahrnehmung der uns nahestehenden Menschen und unser Verhalten in einer Beziehung aus. Aufgrund alter Verhaltensmuster sind wir misstrauisch, uns einem unbekannten Menschen gegenüber zu öffnen.

Wir scheuen vor Intimität zurück, weil dadurch alte Gefühle des Verletztseins, des Ärgers und der Zurückweisung wachgerufen werden. Dr. Pat Love formulierte dies in einem Interview mit PsychAlive wie folgt: „Wenn man sich nach etwas sehnt, zum Beispiel nach Liebe, wird dies automatisch mit Schmerz verknüpft", nämlich dem Schmerz, dass man in der Vergangenheit darauf verzichten musste.

3. Liebe erschüttert unser Selbstbild

Viele von uns haben mit dem tieferliegenden Gefühl zu kämpfen, dass sie sich nicht für liebenswert halten. Es fällt uns schwer, unseren eigenen Wert zu erkennen und zu glauben, dass sich wirklich jemand für uns interessiert. Denn wir alle haben eine „kritische innere Stimme", die uns immer wieder einflüstert, wir seien wertlos und verdienten kein Glück. Sie ist das Ergebnis von schmerzhaften Kindheitserinnerungen, von kritischen Bemerkungen, denen wir in jungen Jahren ausgesetzt waren, und von den Gefühlen unserer Eltern sich selbst gegenüber.

So schmerzhaft die dadurch geformten Meinungen auch sind, sie haben sich im Laufe der Zeit fest in unsere Seele eingebrannt. Als Erwachsene sehen wir sie vielleicht nicht mehr als unseren Feind an, sondern haben ihren destruktiven Gesichtspunkt als den unseren akzeptiert. Doch so gefährlich und unerfreulich diese kritischen Gedanken oder inneren Stimmen auch sein mögen, sie sind in ihrer Vertrautheit auch äußerst bequem.

Wenn jemand eine andere Meinung von uns hat als die, die wir von unserer inneren Stimme eingeflüstert bekommen, wenn er uns liebt und wertschätzt, fühlen wir uns schnell unbehaglich und gehen in die Defensive. Denn dieser andere Mensch erschüttert unsere jahrelange Selbsteinschätzung in ihren Grundfesten.

Auch auf HuffingtonPost.de: Der Flirttrainer - So gelingt der Small Talk mit der Traumfrau

4. Tiefe Freude ist mit tiefem Schmerz verbunden

Jedes Mal, wenn wir echte Freude empfinden oder auf emotionaler Ebene erfahren, wie unendlich wertvoll das Leben doch ist, müssen wir davon ausgehen, auch unendlichen Schmerz zu erfahren. So viele halten sich von dem fern, was sie am glücklichsten machen würde, weil es ihnen auch den schlimmsten Schmerz zufügen könnte. Aber es gilt eben auch das Gegenteil: Wir können uns nicht immun gegen Schmerzen machen, ohne uns gleichzeitig immun gegen die Freude zu machen.

Wir zögern davor, uns Hals über Kopf zu verlieben, weil wir Angst vor der Traurigkeit haben, die dies verursachen könnte.

5. Liebe ist oft ungleich

Viele meiner Gesprächspartner haben Angst davor, sich mit jemandem einzulassen, weil der andere sie „zu sehr mag". Sie fürchten, dass sich ihre eigenen Gefühle nicht in dieselbe Richtung entwickeln würden und sie den anderen dadurch verletzen oder zurückstoßen. Doch Liebe ist in Wahrheit nicht ausbalanciert. Beide Partner fühlen je nach Moment mal mehr und mal weniger für den anderen. Unsere Gefühle für einen anderen Menschen sind ständigen Veränderungen unterworfen.

Innerhalb weniger Sekunden kann uns ein geliebter Mensch reizen, zornig machen oder sogar mit blankem Hass erfüllen. Wenn wir uns sorgen, welche Gefühle wir wohl in der Zukunft haben werden, erfahren wir nie, wie sie sich tatsächlich entwickeln. Besser ist es, völlig unvoreingenommen abzuwarten, welche Gefühle im Laufe der Zeit entstehen. Sorgen oder ein schlechtes Gewissen darüber, was wir fühlen oder nicht fühlen, hindern uns daran, jemanden mit echtem Interesse an uns kennenzulernen. Und dadurch entgeht uns vielleicht eine Beziehung, die uns wirklich glücklich machen könnte.

6. Beziehungen können zum Bruch mit der Familie führen

Beziehungen sind manchmal das ultimative Symbol dafür, dass wir erwachsen geworden sind. Sie bedeuteten, dass wir unser eigenes Leben als unabhängiges, autonomes Individuum leben. Diese Entwicklung kann auch eine Trennung von der Familie bedeuten.

Diese findet jedoch - vergleichbar mit der Aufgabe einer alten Identität - nicht auf körperlicher Ebene statt. Sie bedeutet nicht, dass wir unsere Familie wortwörtlich verlassen sollen. Vielmehr handelt es sich um eine Weiterentwicklung auf emotionaler Ebene, bei der wir uns nicht mehr als Kind fühlen und uns von den negativen Einflüssen distanzieren können, die unsere frühesten Beziehungen beeinträchtigt und unsere Identität geformt haben.

7. Liebe weckt Existenzängste

Je mehr wir haben, desto mehr haben wir auch zu verlieren. Je mehr uns jemand bedeutet, desto mehr fürchten wir, diesen Menschen zu verlieren. Wenn wir uns verlieben, laufen wir nicht nur Gefahr, unseren Partner zu verlieren: Wir werden uns auch unserer eigenen Sterblichkeit deutlicher bewusst. Liebe verleiht unserem Leben einen höheren Wert und tieferen Sinn, sodass wir den Verlust des Lebens stärker fürchten.

Bei dem Versuch, diese Angst zu übertünchen, fixieren wir uns meist auf eher oberflächliche Sorgen, suchen den Streit mit dem Partner oder beenden in extremen Fällen sogar die Beziehung. Nur selten sind wir uns über den vollen Umfang dieser Verteidigungsmechanismen im Klaren. Wir suchen nach Tausenden von Gründen, um nicht in einer Beziehung sein zu müssen. Allerdings gibt es für die meisten dieser Gründe eine mögliche Lösung. Denn in Wirklichkeit handelt es sich um Ausreden, hinter denen tiefliegende Verlustängste stecken.

Die meisten Beziehungen sind mit einer Unmenge von Herausforderungen verbunden. Ein wichtiger Schritt in Richtung einer erfüllenden, langfristigen Beziehung besteht darin, seine Ängste vor Intimität zu kennen und zu wissen, wie sie das eigene Verhalten beeinflussen. Diese Ängste treten meist in Form verschiedener Rechtfertigungen auf, warum es mit dem anderen Menschen nicht klappt. Es ist wirklich erstaunlich, auf welch unterschiedliche Weise wir uns selbst sabotieren, wenn wir einem anderen Menschen nahe kommen. Erst wenn wir uns selbst genau kennen, geben wir uns die Chance auf wahre Liebe und eine langfristige Beziehung.

Auch auf HuffingtonPost.de: Tipps von der Sexualtherapeutin: Selbstbefriedigung ist nicht nur normal, sondern wichtig für guten Sex!

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: