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Lehrer sind meistens arme Schweine

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LEHRER
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Lehrer sind auch ("nur") Menschen!

PS: Ich habe meiner ehemaligen Mathelehrerin vor wenigen Wochen einen Brief geschrieben und meine Dankbarkeit geäußert. Nicht die Dankbarkeit darüber, dass sie mir Mathe vermitteln konnte, denn das hat sie irgendwie nicht geschafft. Das lag jedoch nicht an ihr, sondern an meinem fehlenden "Mathe - Gen".

Als sie meinen Blog gelesen hat, der sich ja durch und durch mit dem Thema "schulverweigern" beschäftigt, fragte sie sich, ob sie etwas falsch gemacht hat?
Nein hat sie nicht. Sie war einer der wenigen Menschen, die wirklich menschlich war an der Schule. Mathe hin oder her. Ich habe Mathe gehasst, sie aber geliebt. Weil sie mich als Menschen wahrgenommen und akzeptiert hat und meine Wertigkeit nicht an meiner Mathenote festmachte.

An alle Deutschlehrer die das hier lesen: Alle meine "Richtigschreibfehler" habe ich in der Schule gelernt bzw. hat es die Schule nicht geschafft aus mir einen Perfektionisten zu machen. Und das ist by the way auch gar nicht schlimm. Wir sind alle Menschen und sollten es lernen menschlicher zu werden. Dazu gehört es unperfekt zu sein.

Was mir ein anderer Mathelehrer in mein Leben mitgegeben hat (ich habs irgendwie immer mit meinen Mathelehrern...) und viel wichtiger war, als alle Matheformeln: "Steh zu Deinen Fehlern. Wenn etwas falsch ist, dann streich es durch, aber kill es nicht mit dem Tintenkiller weg.
Denn nach Jahren wird das gekillerte wieder sichtbar. Also lieber einfach durchstreichen!"
Das habe ich mir hinter meine Ohren geschrieben und lebe es. Rückgrat zu zeigen, Stellung zu beziehen, meine eigene Meinung bilden und Fehler nicht zu vertuschen.

Warum mir Lehrer leid tun

Als Freilerner Mutter habe ich ja eine gewisse Einstellung zum Thema Schule. Manchmal könnte man dann meinen, ich würde Lehrer nicht mögen, ihre Arbeit schlecht finden und sie generell ablehnen. Denn ich bezeichne mich ja auch als schulverweigernde Mutter. Warum? Das kannst Du hier nachlesen.

Dem ist nicht so!

Lehrer tun mir leid, denn ich glaube, dass es sehr viele gute Pädagogen unter ihnen gibt. Gerade in in der heutigen Zeit habe ich Hochachtung vor allen Lehrern und speziell vor Hauptschullehrern!

In meinen Augen sind viele Lehrer genauso gefangen im "System Schule" wie die Kinder, die dort "gefangen gehalten" werden. Denn in meinen Augen ist Schule ein Gefängnis. Hat ein Strafgefangener oder ein Kind mehr Freigang? Darüber steht hier ein interessanter Artikel.

Ich glaube, viele Lehrer würden gerne grundlegende Dinge anders machen. Sie können und dürfen es aber schlichtweg nicht! Jeder dritte Lehrer leidet wohl unter Burnout und das wird seine Gründe haben.

  • Die Leerplanvorgaben (Lehrplan ich weiß...) halten Lehrer an der kurzen Leine
  • Überfüllte Klassen und kaum Zeit für intensiven Austausch
  • Eine unerträgliche Lautstärke
  • Eltern oder Schulleiter, die sie unter Druck setzen
  • Schüler, die hochaggressiv sind
    • Ausländische Schüler mit völlig anderer Kultur und Menschenbild (Frauen)
  • Angst vor Amokläufen und Gewalt

Lehrer müssen Wissen vermitteln, was per se einfach nicht möglich ist. Denn Kinder lernen nur die Dinge, die sie interessieren.

Ich meine mit "lernen" wirkliches Lernen! Denn scheinbar lernen die Kinder ja auch aufgezwungener Maßen etwas, denn schließlich wird ihr Wissen regelmäßig in Klassenarbeiten abgerufen. Ich nenne das jedoch Bulemie Lernen. Das so gelernte wird nicht tiefer verinnerlicht, sondern nur kurz hinuntergeschlungen, um es beim nächsten Test wieder auszukotzen. Mehr nicht!

Wirkliches Lernen findet dann statt, wenn es freiwillig aus eigenem Interesse und auch selbstständig und eigeninitiativ ist. Und dann geht das auch sehr schnell. Denn eigentlich ist das Grundschulwissen in kurzer Zeit erlernbar. Siehe hier!

Dazu gibt es kaum Raum in der Schule und die wenigsten Lehrer haben die Möglichkeit, ihn zu erschaffen. Vielmehr müssen sie "den Hund zum Jagen tragen". Das muss auf Dauer super anstrengend und frustrierend sein. Es ist wie gegen Windmühlen kämpfen.

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Kinder und Jugendliche zu motivieren, gleicht einem Kraftakt sondergleichen. Lehrer stehen in vielen Fällen immer voll im Gegenwind. In diesem Sinne möchte ich den Job nicht machen.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Lehrer den Beruf erwählt haben, weil sie etwas verändern wollten. Doch im Studium wird den meisten schnell klar, dass das schwierig bis unmöglich ist. Das Korsett in das sie gezwängt werden, ist einfach zu eng.

Was dieses Thema angeht, finde ich den Film Jonas interessant. Denn dort schlüpft ein Erwachsener nochmal in der Rolle eines Schülers. Mit einem ganz anderen Bewusstsein durchlebt er all die Unsinnigkeiten, die uns nicht bewusst sind, solange sie "nur" an den Kindern ausgeübt werden.

Vermutlich werden sich in ihm die meisten von uns wiedererkennen?

Es ist ehrenwert, wenn Lehrer versuchen einen Unterschied zu machen. Ich würde mir jedoch wünschen, dass das Schulsystem grundlegende Veränderungen erfährt, denn auf Dauer verheizt man an den Schulen einfach unwahrscheinlich viele Lehrer und somit Menschen, die eigentlich von Grund auf etwas Gutes erreichen wollen.

Daher hier an dieser Stelle einen Dank an alle Lehrer!

Zumindest an die Lehrer, die sich in meiner Beschreibung wieder erkennen konnten.

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Wer gerne wissen möchte, wie wir den Bildungsweg unserer Kinder begleiten, kann sich unser Ebook besorgen: Wildwuchs statt Baumschule

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