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Diese häufige Todesursache bei Kleinkindern sollten Sie kennen - bevor es zu spät ist

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LINDSAY KUJAWA
Lindsay Kujawa

Am Wochenende hatte ich eines der schlimmsten Erlebnisse seit ich Mutter bin. Als der Schock darüber abgeklungen war, schwirrten mir tausende Erinnerungen im Kopf herum. Ich wünschte, ich hätte mich anders verhalten.

Ich schreibe eigentlich nicht gerne über sehr persönliche Erfahrungen in meinem Blog, weil bestimmte Bereiche meines Lebens privat bleiben sollen. Aber ich entschied, dass ich über diesen Vorfall schreiben muss, auch wenn ich mich dabei wie die schlechteste Mutter der Welt fühle. Ich möchte, dass Sie wissen, was uns passiert ist, damit Sie nicht das Gleiche durchmachen müssen.

Hier ist die Geschichte:

Es war ein ziemlich normaler Samstag (das dachte ich jedenfalls). Wir wachten früh wach, mein Mann Ian und ich machten Kaffee und wir machten Rührei. Dann spielten wir mit Ronin eine Weile im Garten, später machten wir ein paar Besorgungen.

Auf dem Heimweg fuhr ich über einen Nagel. Mein Reifen hatte einen Platten. Das war ein ganz schöner Stimmungskiller. Erst zwei Stunden später hatten wir den Ersatzreifen drauf. Zu diesem Zeitpunkt war es 14.30 Uhr und wir sollten um 15 Uhr beim Geburtstag meiner Nichte sein. Irgendwie schaffte ich es rechtzeitig heim, um zu duschen, das Schwimmzeug der Kinder zu packen und sie mit Sonnencreme einzureiben.

Um 15.30 Uhr waren wir bei der Feier. Es war eine Pool-Party. Die Kinder spielten im Wasser, sprangen herum, planschten und hatten eine tolle Zeit. Die Erwachsenen saßen draußen und genossen das schöne Wetter. Ich beobachtete Ronin, der auf der großen Stufe im Pool saß, wo er eigentlich die ganze Zeit über blieb.

Dann kam der Moment, von dem an plötzlich alles kolossal falsch lief...

Ich saß gleich am Rand des Pools, nur ein paar Zentimeter von Ronin entfernt. Ich drehte mich um, damit ich mit meiner Schwägerin sprechen konnte. Vielleicht fünf Sekunden lang, höchstens. Ich drehte mich wieder zurück, um einen Blick auf Ronin zu werfen, aber er saß nicht mehr auf der Stufe.

Sofort setzen Mama-Panik und Angst bei mir ein. Ich suchte den Pool ab und sah, wie er von den Düsen zum anderen Ende des Beckens getrieben wurde. Sein kleiner Kopf tauchte auf und ab, er versuchte verzweifelt, Luft zu bekommen. Ich zog ihn so schnell ich konnte aus dem Wasser. Zwischen dem Moment, als er ins Wasser fiel und dem, als ich ihn rausholte, vergingen etwa 20 Sekunden.

Ronin war zwar sichtlich aufgeregt und hustete, um das Wasser rauszubekommen. Davon abgesehen wirkte er aber völlig normal, nachdem er sich wieder beruhigt hatte. Ich bin die übertrieben fürsorglichste und paranoideste Mutter aller Zeiten und ich war so wütend auf mich selbst, dass das alles nur ein paar Zentimeter von mir entfernt passiert ist!

Er wirkte danach müder als sonst, aber ich dachte, dass er einfach erschöpft war von den Ereignissen in Verbindung mit der Hitze und dem Toben. Wir verließen die Party bald danach.

Zuhause wirkte Ronin einfach nicht wie er selbst. Ich hätte es einfach der Übermüdung zuschreiben können, aber mein Bauchgefühl sagte mir etwas anderes. Er fing auch an, komisch zu husten und sein Körper spannte sich dabei jedes Mal an. Ich fragte mich, ob er immer noch versuchte, Wasser auszuhusten.

Ich rief meine Kinderärztin an und hinterließ ihr eine kurze Nachricht, in der ich erzählte, was passiert war und was für Symptome er hatte. Ein paar Minuten später ("Das ging schnell", dachte ich mir, als ich ans Telefon ging) rief sie zurück.

Sie müssen wissen: Ronins Ärztin ist normalerweise ziemlich ruhig. Und meistens, wenn ich sie wegen eines "Notfalls" anrufe, sagt sie, dass alles ok sei und gibt mir eine Liste mit Symptomen auf die ich achten soll.

Dieses Mal war anders. Sie klang ernst und sagte, dass ich Ronin SOFORT ins Krankenhaus bringen solle, weil seine Symptome schlimme Folge-Erscheinungen des Vorfalls im Wasser sein könnten. Man nennt das "zweites Ertrinken." Hier können Sie mehr darüber lesen.

Als "zweites Ertrinken" bezeichnet man Schäden an der Lunge, die entstehen, wenn der Betroffene ein dem Ertrinken ähnliches Erlebnis hat. Wasser gerät dabei in die Lunge, die Symptome treten aber erst später auf.

Ich legte auf und wir fuhren schnell ins Krankenhaus. Die Krankenschwestern brachten uns sofort in ein Behandlungszimmer. Nur Momente später war der Doktor da. Er hörte sich meine Geschichte noch einmal an und fragte mich in zornigem Tonfall, warum ich nicht früher gekommen wäre.

Ich sagte ihm, dass mein Kind direkt nach dem Vorfall völlig normal erschien. Ich sagte, dass es normal atmete und keine Zeichen von Unwohlsein zeigte. Meine Antwort gefiel ihm nicht. Und aus heutiger Sicht kann ich ihm keine Vorwürfe machen. Sie maßen Ronins Temperatur, er hatte 38,3 Grad Fieber. Seltsam, weil er sich an dem Tag ganz sicher nicht krank gefühlt hatte.

Der Arzt ließ ein Röntgenbild des Brustkorbs und eine ganze Reihe an Bluttests machen. Zu diesem Zeitpunkt am Abend wirkte Ronin schwach und war kaum ansprechbar. Als die Testergebnisse da waren, informierte mich der Arzt.

Sein Gesichtsausdruck sagte mir, dass er keine guten Nachrichten hatte. Er sagte, dass Ronins Blutbild normal aussah ("Das ist gut", dachte ich!) aber... die Röntgenbilder sahen nicht gut aus. Er sagte, dass er Flüssigkeit in der Lunge hatte. Das kann entweder keinen weiteren Verletzungen zur Folge haben oder aber eine chemische Lungenentzündung (von den Chemikalien im Pool). Es kann sogar innerhalb von Minuten zum Tod durch Atemstillstand führen.

Eine chemische Lungenentzündung entsteht nicht durch Keime, sondern durch physikalisch-chemische Reize. Sie kann zum Beispiel durch das Einatmen von Reinigungsmitteln oder Insektengift ausgelöst werden.

Er sagte, dass die Lage inzwischen sehr ernst sei und mein Sohn mit dem Krankenwagen sofort ins Kinderkrankenhaus in San Diego gebracht werden müsse, damit sich ein Spezialist um ihn kümmern kann. Alle Vorbereitungen dafür waren schon getroffen und ein Team von Krankenschwestern wartete darauf, ihn mitzunehmen.

Mein Herz zersprang in diesem Moment in eine Million kleine Teile. Es fühlte sich an, als würde es mir jemand aus der Brust reißen. Das war alles meine Schuld, egal wie oft mir die anderen Leute sagten, dass es nur ein Unfall war und dass es jedem hätte passieren können.

Auf dem Weg zu dem Kinderkrankenhaus fiel Ronins Sauerstoff-Sättigung. Ich schaute zu, wie der kleine Bildschirm vor ihm erst 98 Prozent anzeigte, dann 92 Prozent, dann 74 Prozent. Die Krankenschwestern setzen ihm schnell eine Sauerstoffmaske auf sein kleines Gesicht. Ich geriet in Panik!

Sie versuchten mich zu beruhigen und sagten, dass alles in Ordnung sei, aber ich habe mich noch nie in meinem Leben so hilflos gefühlt.

Als wir im Krankenhaus ankamen, wartete ein Kinderarzt mit vier Schwestern auf uns. Sie brachten uns in ein Krankenzimmer, wo ein Röntgentechniker wartete. Sie machten noch eine Aufnahme und weitere Blut-Tests und sagten dann, dass wir "zu diesem Zeitpunkt" nichts weiter machen könnten als Ronin zu überwachen und zu warten.

Warten auf was?!

Sie schlossen ihn an alle möglichen Maschinen an und wir warteten.... die ganze Nacht lang schauten Ian und ich zu, wie er schlief. Am Sonntag kam eine sehr entzückende Ärztin und sprach mit uns. Sie erzählte mir, dass diese Art Unfall, die eine Folge von Beinahe-Ertrinken ist, öfter passiert, als ich denke.

Sie sagte, dass wir das Richtige getan hätten, als wir Ronin ins Krankenhaus brachten und dass oft Furchtbares passiert (zum Beispiel, wenn Eltern ihre Kinder schlafen legen und sie nie wieder aufwachen), weil die Eltern denken, dass mit den Kindern alles in Ordnung sei, wenn sie nach so einem Vorfall normal weiter atmen.

Sie sagte mir auch, dass auf der Station noch zwei andere kleine Jungen waren, die genau das Gleiche hatten!

Aber sie beruhigte mich auch, weil das letzte Röntgenbild zeigte, dass das Wasser verschwand. Die nicht so gute Nachricht war, dass Ronin tatsächlich eine chemische Lungenentzündung hatte, weil die Chemikalien aus dem Pool in seinen Lungen festsaßen.

Seine Lungen waren gereizt und entzündet, aber die Ärztin versicherte, dass die Dinge trotzdem nicht schlecht aussahen. Sie sagte, das Personal würde ihn noch eine Weile beobachten, falls er Fieber bekommt oder weitere Lungen-Komplikationen auftreten.

Am Sonntag gegen 10 Uhr wachte Ronin auf. Das erste Mal seit dem Vorfall machte er wieder die Augen auf und war total sauer, dass diese ganzen Kabel an ihm klebten, ein Tropf in seinem Arm steckte und ein Herzschlag-Monitor um seinen großen Zeh gewickelt war.

Ich war noch nie in meinem Leben glücklicher, einen so mies gelaunten kleinen Mann zu sehen! Er war zurück und wieder ganz der Alte. Die Schwestern kamen sogar rein, weil er so einen Aufruhr machte. Das war ein sehr gutes Zeichen.

Später an diesem Tag bekamen wir die Nachricht, dass es Ronin wieder gut ging und er heim dufte. Gott sei Dank.

Seit das passiert ist, habe ich mich für immer verändert. Ich werde nicht zulassen, dass dieses Erlebnis künftig meinen Alltag beherrschen wird, aber Sie können darauf wetten, dass ich einige Dinge anders machen werde.

Es war ein Weckruf. Und es hat mir klargemacht, dass sich das Leben innerhalb weniger Sekunden dramatisch verändern kann. Ich habe einen Vorgeschmack darauf bekommen wie sich das anfühlen kann.

Vor Samstag hatte ich noch nie von "zweitem Ertrinken" gehört. Wenn ich davon gewusst hätte, hätte ich mich anders verhalten. Ich hätte meinen Sohn sofort ins Krankenhaus gebracht, als ich eine Veränderung seines Verhaltens bemerkte. Sogar, wenn ich mir nur paranoid vorgekommen wäre oder gedacht hätte, dass er von dem ereignisreichen Tag erschöpft war.

Was Sie wissen müssen:

Zweites Ertrinken kann schwer erkennbar ein, weil die Betroffenen nach dem Vorfall im Wasser zunächst normal wirken. Ihr Kind könnte eine sehr kleine Menge an Wasser eingeatmet haben und so wirken, als ob es alles wieder ausgehustet hätte. Beim zweiten Ertrinken kann es vorkommen, dass sich Wasser in den sauerstoffreichen Poren der Lunge sammelt. Das stört ihre Fähigkeit, Blut mit Sauerstoff anzureichern.

Die Folge: der Herzschlag verlangsamt sich, allerdings so, dass man es kaum merkt. Das Kind kann immer noch reden und laufen. Die einzigen Symptome können eine plötzliche Veränderung des Verhaltens oder des Bewusstseins sein (genau wie es Ronin erlebt hat), weil die Sauerstoff-Sättigung des Blutes immer weiter sinkt.

Wenn Ihr Kind also eine dem Ertrinken ähnliche Situation erlebt hat, achten Sie auf diese Anzeichen. Sie können das Leben Ihres Kindes retten, wenn Sie schnell handeln und es zu einem Arzt bringen.

Ich hoffe, dass ich diese Gefahr allen bewusst gemacht habe, die das hier lesen. Ich bin so dankbar, dass es Ronin gut geht und dass ich ihn in jener Nacht nicht einfach ins Bett gebracht habe, weil ich dachte, dass alles ok ist. Ich habe in den letzten Tagen sehr, sehr viele Dankes-Gebete dafür ausgestoßen. Ich will verhindern, dass das einem anderen Kind passiert, also sagen Sie es weiter und teilen Sie es mit den Menschen, die davon wissen sollten.

IMG 7028 from Lindsay Kujawa on Vimeo.

Dieses Video hat mit dem Artikel nichts zu tun. Abgesehen davon, dass ich es am vergangenen Wochenende hundert Mal angeschaut habe, während ich wartete. Und ich liebe es, wie Ronin mir am Ende diesen Blick zuwirft, der zu sagen scheint: "Mama, du übertreibst total und das nervt".

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Delighted Momma.

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