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So hart rechnet diese 15-Jährige mit der deutschen Politik ab

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LILLI
privat
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Ich bin ein ganz normales 15-jähriges Mädchen, das in einer Großstadt in Deutschland lebt. Ich interessiere mich sehr für die Politik und das Weltgeschehen. Ich lese täglich Nachrichten und mache mir im Moment viele Sorgen um uns Menschen, aber auch um die Erde. Ich habe schreckliche Angst vor der Zukunft.

Ich habe Angst vor einem Atomkrieg oder einem erneuten Weltkrieg. Aber ich habe auch Angst um Deutschland. Ich habe Angst vor einer erneuten Diktatur. Ich möchte frei leben. Ich kann nicht mehr richtig schlafen. Ich habe jede Nacht Albträume.

Deutschland in der Krise

Ich möchte Ihnen im folgenden Text meine Sicht der Welt näher bringen: Schauen wir uns doch mal Deutschland an. Wir haben hier viele Probleme. Aber das größte ist für die meisten die Flüchtlingspolitik. Ich denke, jeder hat bereits davon gehört. Auf welche Art und Weise auch immer.

Durch diese Problematik haben wir aber ein ganz anderes Problem; dieses Problem ist der aufsteigende ekelhafte und menschenverachtende Rassismus. Dieser Rassismus geht zum größten Teil von einer leider immer weiter aufsteigenden Partei aus: meiner heißgeliebten AfD. (Ironie lässt grüßen)!

Ich hasse und verabscheue diese Partei! Ich meine das ganz im Ernst!

Warum tut ihr das? Warum hetzt ihr gegen Menschen? Gegen ganz normale Menschen, die einfach nur leben wollen. Ihr alle dort draußen seid auch nur Menschen, verdammt! Ich auch und ich tue auch nicht so, als sei ich was Besseres. Wir alle sind Menschen und alle gleich.

Egal, welcher Religion wir angehören, egal welcher Nationalität, egal, wie wir aussehen und vor allem egal, wer oder wie wir sind. Ich glaube, einige hier in diesem Land haben das vergessen und halten sich für besser, weil sie sagen, wir sind Deutsch und ihr seid es nicht. Deswegen seid ihr Abschaum.

Einige sind der Meinung, es ist okay, auf andere Menschen ohne Grund zu schießen. Ein Beispiel dafür ist die AfD. Diese fordert ja auch, dass Moscheen hier in Deutschland verboten werden sollen, weil der Islam ja die Menschen dazu anstiftet, die Weltherrschaft haben zu wollen. Das ist das Bescheuertste, was ich je in meinem Leben gehört habe.

Das ist eine Religion. Macht mal alle einen Punkt! Ich selbst bin Atheistin und favorisiere keine Religion und sehe auch dem Islam respektvoll und neutral entgegen. Ich bin selbst mit Muslimen befreundet und kann nur Gutes über sie sagen.

Ich habe Angst vor dem Islamischen Staat

Natürlich gibt es Ausnahmen und auch Leute, die es übertreiben mit ihrem Glauben. Leute, die Terror verursachen. Ich meine damit den Islamischen Staat, kurz IS. Jeder hat die Anschläge von Paris und Brüssel mitbekommen und die Mehrheit war entsetzt. Auch ich. Ich konnte mehrere Nächte nicht schlafen. Ich habe mich immer wieder gefragt, warum jemand so etwas tut und habe immer wieder versucht, mich in die Lage der Selbstmordattentäter zu versetzen.

Ich habe für mich eine Antwort gefunden, warum sie dies tun. Sie sind Aussteiger der Gesellschaft. Sie sehen keine Perspektive, keinen Ausweg und keine Zukunft in der Welt. Genau an diesem Punkt müssen wir ansetzen und tätig werden. Wir müssen versuchen, diesen Attentätern eine andere Perspektive zu zeigen. Wir sollten ihnen zeigen, dass es sich lohnt zu leben und vor allem, dass ein Terroranschlag keine Lösung ist.

Wir müssen sie davon überzeugen, dass auch sie ein Teil der Gesellschaft und der Menschheit sind und nicht des IS. Durch den IS und viele weitere solcher Organisationen ist der Krieg in Syrien und damit das Problem der Flüchtlinge noch größer geworden. Die Menschen, die hierher nach Europa und Deutschland flüchten, möchten nur eins: frei sein und in Frieden leben. Sie wollen ihre Kinder, ihre Familien vor dem Tod bewahren und deshalb flüchten sie, nicht weil sie Geld wollen. Auch hier gibt es immer Ausnahmen. Es wird immer Ausnahmen geben. Damit sollten wir uns abfinden.

Krieg in Deutschland - und dann?

Aber drehen wir den Spieß doch mal um. Stellen Sie sich vor, hier wäre Krieg. Sie müssten vor der Gewalt und dem Tod fliehen. Hätten ständige Angst um ihr Leben und das Leben Ihrer Liebsten. Müssten ständig schauen, irgendwie zu überleben, wie auch immer. Sie haben nur eine Chance: flüchten. In ein sicheres Land. Nehmen wir jetzt mal an in Syrien würde Frieden herrschen und auch sonst wäre es ein sehr sicheres Land. Sie nehmen alles, was sie besitzen und machen sich auf den Weg. Sie haben nur noch sich und ihre Familie.

Wenn Sie denn noch leben. Sie laufen, klettern und rennen bis Sie endlich ihr Ziel erreicht haben. Aber wenn Sie ankommen, erfahren Sie nicht eine herzliche Begrüßung, nein, sie erleben Abneigung und großes Misstrauen gegenüber Ihnen. Sie werden als Banditen und Barbaren bezeichnet, als Leute, die stehlen und als Abschaum. Würden Sie sich wohl fühlen? Ich glaube nicht. So viel zu meinem Beispiel. Ich hoffe, Sie verstehen jetzt die Flüchtlinge ein kleines bisschen.

Ich bin trotzdem nicht der Meinung, dass sich diese Leute, die flüchten, hier alles erlauben dürfen und alles in den Hintern geschoben bekommen sollten. Ich meine, machen wir uns nichts vor. Jeder weiß, wie viel neue tolle Sachen sie bekommen. Das ist schlicht und weg ungerecht. Wenn man sich vorstellt, wie viele arme Menschen es hier in Deutschland allein gibt. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist sowieso viel zu groß.

Ich spüre die Kluft zwischen arm und reich jeden Tag

Es kann schließlich nicht sein, dass eine Familie mit Kindern nicht in den Urlaub fahren kann, obwohl sie hart arbeiten - und das jeden Tag. Dass es alleinerziehende Eltern gibt, die auch hart arbeiten und noch Sozialleistungen beziehen müssen, nur weil das Geld hinten und vorne nicht reicht. Meistens müssen die Eltern noch einen Nebenjob beginnen, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Das ist ungerecht und vor allem unglaublich traurig. Ich selbst lebe in einer Großstadt und spüre die große klaffende Kluft jeden Tag. Ich muss jeden Tag an einem großen Platz vorbei, um nach Hause zu kommen und vor etwa zwei Wochen habe ich dort etwas gesehen, was sich in meinen Kopf eingebrannt hat.

Dort stand auf der einen Seite ein Obdachloser der den "Straßenfeger" versucht hat zu verkaufen, auf der anderen Seite war ein Mann mit Hugo-Boss-Anzug und schicker Aktentasche und neben dem Obdachlosen saßen Jugendliche, die gebettelt haben und sagten, sie bräuchten Geld, um sich ihre Drogen zu finanzieren. Der Mann mit Aktentasche hat beide gesehen. Den Obdachlosen Mann und die Jugendlichen. Einen von beiden hat er etwas von seinem Geld abgegeben. Raten Sie mal, wem er es gegeben hat.

Wieso müssen in einem reichen Land Menschen hungern?

Denken Sie kurz darüber nach, bevor sie weiterlesen... er hat es den drogenabhängigen Jugendlichen gegeben. Als ich das sah, wollte ich am liebsten schreien! Der arme obdachlose Mann hätte es viel dringender gebraucht. Das ist einfach nur abartig! Hier in einem reichen Land müssen Menschen hungern und die Flüchtlinge sollen alles bekommen, was sie wollen? Nein!

Es muss klare Grenzen geben. Auf der einen Seite muss man ihnen helfen und versuchen sie zu integrieren, aber auf der anderen Seite müssen ihnen Regeln aufgezeigt werden. Wir müssen einen guten Kompromiss finden, mit dem wir alle irgendwie klar kommen. Es sollte keine AfD geben. Es sollte keinen Rassismus geben, egal gegen wen! Es sollte keine Grenzschließungen geben! Es sollte kein Abkommen mit der Türkei geben und das Allerwichtigste: Wir müssen aufhören uns gegenseitig zu bekriegen!

Denn warum haben wir das überhaupt nötig? Dieser ganze Krieg, egal wo auf der Welt, führt doch erst zu Rassismus und all den anderen unnötigen Problemen. Denn wenn wir so weiter machen, gibt es uns alle bald nicht mehr. Es reicht bis hier hin und nicht weiter! Hören Sie auf, andere Menschen zu unterdrücken und zu diskriminieren.

Denn Sie alle sind nichts weiter als Menschen. Ihnen gehört diese Welt nicht. Sie gehört uns allen. Abschließend bitte ich Sie, darüber nachzudenken und sich selbst eine Meinung darüber zu bilden und am Wichtigsten: Hören sie auf, andere zu unterdrücken. Vielen Dank!

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